Reisen

Unterwegs mit dem Rad von München nach Venedig. (Foto: Friedrich H. Hettler)

24.09.2019

Vom Marienplatz zum Markusplatz

Auf zwei Rädern von München nach Venedig

Es gibt ihn noch nicht allzu lange, den Fernradweg München-Venedig. Er verbindet Radgenuss und Alpenüberquerung bis zur Adria. Auf Radwegen, Radrouten oder kleinen Nebenstraßen erleben aktive Genussradler drei Länder mit ihren Tourismusregionen und vielen herausragenden Natur- sowie Kulturschönheiten. München-Venedig führt von der Isarmetropole, den bayrischen Seen und Flüssen, über das Tiroler Inntal, über alte Bahntrassen entspannt durch das UNESCO Weltnaturerbe der Dolomiten und Treviso bis hin zu den Sehenswürdigkeiten und Kanälen der Lagunenstadt Venedig.

Für die rund 530 Kilometer lange Strecke (www.muenchen-venezia.info), die man als Freund des Drahtesels individuell, aber auch geführt in Angriff nehmen kann, sind sieben reine Radtage veranschlagt. Unsere kleine Gruppe mit unserem Guide Gerhard wird den München-Venedig-Radweg nicht komplett mit dem E-Bike abfahren, sondern in ausgesuchten Etappen die Highlights vom Rad aus genießen.

Natürlich starten auch wir von der Isarmetropole aus diese Genuss-Radreise. Sie führt uns entlang der Isar, des Isar-Hochufers – inklusive einer Mittagspause – bis zur Floßlände Wolfratshausen. Von dort geht es mit dem Bus zum Tegernsee zum Aussichtspunkt Kaltenbrunn. Hier satteln wir wieder unsere Drahtesel und strampeln Richtung Stadt Tegernsee, machen dort eine kleine Pause im Bräustüberl. Danach besteigen wir wieder den Bus und fahren Richtung Bad Tölz – mit dem E-Bike wären wir dort sicherlich schneller und unkomplizierter gewesen. Eine kurze, aber sehr interessante abendliche Stadtführung rundet unseren ersten Tag ab.

Die Räder sind auf dem Anhänger verladen, so machen wir uns von Bad Tölz aus am zweiten Tag auf den Weg zum Achensee, halten kurz am Sylvenstein-Stausee und radeln dann von Achenkirch aus wieder los bis Jenbach. Die Strecke runter nach Jenbach verlangt dann erstmals etwas mehr fahrerisches Können, denn der Weg ist relativ steil und aufgrund des Untergrunds – Kies und Schotter – schon anspruchsvoll.

Die Drei Zinnen

Im Ort unten angekommen, werden die Räder wieder verladen und es geht nach Innsbruck, Tirols Landeshauptstadt, wo wir uns von den „Strapazen“ des Vormittags erholen und stärken. Die anspruchsvolle Auffahrt mit dem Drahtesel auf den Brennerpass ersparen wir uns. Auch im offiziellen Tourenverlauf – dort der 4. Tag – wird vorgeschlagen, diesen Abschnitt mit der Bahn oder dem Bus zurückzulegen.

Wir betätigen uns als Pedalritter dann erst wieder ab Bruneck und setzen unsere Radreise bis Niederdorf fort, wo für den heutigen Tag unser Ziel ist. Noch ein kleiner Tipp: Wer in Niederdorf übernachten und gut essen will, sollte unbedingt im Hotel Gasthaus Adler absteigen. Die Küche ist hervorragend und die Zimmer top. So geht unser zweiter Tag dem Ende entgegen.

Unser dritter Tag ist auch unser letzter Radltag, aber der hat es nochmals in sich.
Zunächst werden die Räder auf den Anhänger verladen und dann geht es Richtung Toblach und von dort mit dem Bus entlang des Höhlensteintals und vorbei am Toblacher See. Kurz darauf eröffnet sich uns ein einzigartiger Panoramablick auf die Felsformation der Drei Zinnen – Fototermin inklusive. Ab hier sind jetzt auch wieder unsere elektrischen Drahtesel gefragt.

Vorbei am Dürrensee führt der Weg leicht ansteigend nach Gemärk, die Grenze zwischen den beiden italienischen Provinzen Bozen und Belluno. Jetzt geht es stetig und vor allem gemütlich bergab. Das Tal öffnet sich gegen Süden und wir erreichen die Dolomitenstadt Cortina d‘Ampezzo – Austragungsort der Alpinen Skiweltmeisterschaften 2021 sowie gemeinsam mit Mailand die der Olympischen Winterspiele 2026. Zwischen den Gebirgsstöcken des Monte Cristallo und Sorapis führt die Route auf den Passo Tre Croci und auf der Rückseite hinunter nach Pieve di Cadore. Dort nach einer kleinen Mittagspause angekommen, steigen wir wieder in den Bus, der uns nach Treviso bringt.

Vor hier aus wird uns Pedalrittern der Fluss Sile – übrigens männlich, wie uns Gerhard erklärt – für knapp 20 Kilometer ein treuer Begleiter, bevor wir wieder in den Bus steigen und nach Venedig/Mestre zu unserem Etappen- und Endziel gebracht werden. An den drei Radtagen haben wir mit unserem Guide Gerhard rund 170 Kilometer zurückgelegt, also knapp ein Drittel des Radwegs vom Marienplatz zum Markusplatz.

Rush Hour auf den Kanälen

Am folgenden Tag erkunden wir noch etwas die Serenissima – Venedig –, allerdings ohne E-Bike, denn in der Lagunenstadt darf man nicht Radeln – sinnvoll wegen der zahlreichen Brücken und vor allem der Menschenmassen. Wir schlendern durch die malerischen, teilweise bizarren Gassen der Stadt und schauen dem Treiben auf den Kanälen zu. Auf dem Wasser herrscht quasi Rush Hour, denn eine Touristengondel neben beziehungsweise hintereinander zwängt sich mit ihrem Gondoliere durch die engen Wasserwege – von der vielgepriesenen Romantik keine Spur.

Vorbei an der Rialtobrücke und dem Canale Grande erreichen wir den Markusplatz mit der Markuskirche, dem Dogenpalast und dem Campanile. Der Markusplatz ist 175 Meter lang und bis zu 82 Meter breit. Er ist der einzige Platz der Stadt, der die Bezeichnung piazza trägt. Die anderen Plätze Venedigs werden campi genannt (von italienischen campo, das Feld), da sie ursprünglich nicht gepflastert waren. Noch ein kurzer Blick auf die Seufzerbrücke und dann geht es zurück zur Anlegestelle des Wasserbusses, der uns über die Lagune zum Flughafen schippert. Ciao Venezia und Italia.

Die Eröffnung des Radfernwegs München-Venedig fand 2015 statt. Somit besteht seither neben der Via Claudia Augusta und dem Alpe-Adria-Trail eine weitere Möglichkeit, auf einem Radfernweg die Alpen zu überqueren. Der neue Weg verbindet nicht nur die beiden weltbekannten Städte München und Venedig miteinander, sondern führt durch beeindruckende Naturräume und Landschaften, wie zum Beispiel durch die zum Weltnaturerbe zählenden Dolomiten.

Neben der sportlichen Herausforderung soll vor allem der Genuss im Vordergrund stehen, und den gibt es unterwegs in verschiedensten Variationen. Landschaftlich ist die Strecke sehr abwechslungsreich, von sanften Hügeln des Alpenvorlands bis hin zum Alpenhauptkamm, von den beeindruckenden Dolomiten bis zur venezianischen Ebene ist ebenso alles geboten wie vom malerischen Gebirgssee bis hin zur Adria. Kulturell erfährt man viel über die Besonderheiten der einzelnen Regionen. Darüber hinaus kommt der Radler aber auch kulinarisch voll auf seine Kosten.

Es gibt zwei verschiedene Routen, die befahren werden können, daher variiert die Gesamtlänge des Radfernwegs München-Venedig zwischen gut 500 und 600 Kilometern. Die Wegequalität ist sehr unterschiedlich, von bestens asphaltierten Radwegen bis hin zu etwas holprigen Forstwegen, aber dennoch ist die gesamte Strecke hervorragend zu befahren – kleinere Herausforderungen müssen schon sein. Eine tolle Route für alle, die gerne mit dem Rad unterwegs sind und auch ein Auge für Natur sowie Landschaft haben.
(Friedrich H. Hettler)

Angeboten wird die Radtour München-Venedig von der Feuer und Eis Touristik GmbH aus Rottach-Egern in Zusammenarbeit mit FUNActive Tours aus Toblach.

(Den Radfernweg München-Venedig gibt es seit 2015. Die Wegequalität ist sehr unterschiedlich. Blick auf das Massiv der Drei Zinnen. E-Bike vor Bergkulisse und gesunkene Holz-Lastkähne im Fluss Sile. Hochbetrieb auf dem Wasser und die Seufzerbrücke - Fotos: Friedrich H. Hettler)

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