Freizeit und Reise

Österreichs höchster Berg, der Großglockner (Mitte), im Nationalpark Hohe Tauern. (Foto: Friedrich H. Hettler)

15.07.2026

Wasser, Wein und Kräuter

Den Nationalpark Hohe Tauern auf der Kärntner Seite entdecken und erleben

Weite Gletscher, steile Flanken, zahllose kristallklare Bergseen, imposante, tosende Wasserfälle, windgeformte Hochkare und eine artenreiche Tierwelt. Und dazwischen ein dichtes Netz an Wanderwegen und Bergpfaden zwischen mächtigen 3000er Gipfeln. All dies wartet nur darauf, begangen und erlebt zu werden. Wandern im Nationalpark Hohe Tauern (www.hohetauern.at) ist eine Entdeckungsreise in Österreichs beeindruckendstem Naturraum.

Mit der 1971 unterzeichneten Vereinbarung von Heiligenblut erfolgte der Startschuss zu Österreichs größtem und erfolgreichstem Projekt in der alpinen Raumordnung: Die Gründung des Nationalparks Hohe Tauern – mit 1856 Quadratkilometer der flächenmäßig größte der Alpen und gleichzeitig mit Österreichs höchstem Berg, dem Großglockner (3798 Meter).

Der Nationalpark erstreckt sich seit 1991 über die drei Bundesländer Tirol, Salzburg und Kärnten und gilt heute in vielen Bereichen des Schutzgebietsmanagements als Vorbild. Für die Gäste ist der Nationalpark eine unberührte Naturlandschaft, in dem es viel zu entdecken gibt. Dafür wurde ein attraktives Netz an Informationseinrichtungen entwickelt – vom Haus der Steinböcke in Heiligenblut, über zahlreiche Erlebniswege bis hin zu einem Team an bestens ausgebildeten Nationalpark Rangern.

Geführte Ranger Tour

Wer seine Wanderung bereits auf rund 2000 Meter Seehöhe startet, hat einen entscheidenden Vorteil: man erspart sich den Aufstieg auf große Höhe und kann die Tour im Hochgebirge umso entspannter genießen. Die Grossglockner Bergbahnen in Heiligenblut, die Mölltaler Gletscherbahn oder die Ankogel Bergbahn – sie alle führen zum Ausgangpunkt aussichtsreicher Panoramawege, familienfreundlicher Rundwanderungen oder auch in Richtung Gipfelerlebnis – der Einstieg in die Wanderung beginnt komfortabel und mit einem Blick, der sofort begeistert. So werden selbst hochgelegene Hütten zu genussvollen Zielen, und die beeindruckende Gletscherwelt der Hohen Tauern rückt zum Greifen nah.

Ein besonderes Highlight in der Region sind die geführten Ranger Touren. Gemeinsam mit ausgebildeten Nationalpark Rangern geht es in jene Lebensräume, die man oft nur vom Fernsehen kennt. Sie zeigen, wie Steinadler ihre Kreise ziehen, erklären die Überlebensstrategien der Murmeltiere, führen zu verborgenen Wasserfällen oder zu den Spuren der Goldgräber im Fleißtal. Kinder werden zu kleinen Forschern, Erwachsene entdecken die alpine Natur mit völlig neuen Augen. Das Angebot reicht von Wildtierbeobachtungen bis zu botanischen Exkursionen – jede geprägt von spannendem Insiderwissen und echten Naturmomenten.

Einer dieser Nationalpark Ranger ist der gebürtige Bayer Holger Brandl, der mit tollem, interessantem und spannendem Insiderwissen, aber auch mit seinem locker flockigen Talent der Wissensvermittlung, die Gäste in seinen Bann zieht, wie zum Beispiel mit seinen Erklärungen zum Geotrail Tauernfenster. Darüber hinaus gibt Brandl aber auch Anekdoten und Erlebnisse mit Gästen zum Besten, die einfach nur zum Schmunzeln sind. Ein Beispiel: So wollte einmal ein Kind wissen, wann am Abend denn die Wasserfälle abgestellt werden.

Wer kennt es nicht, das Postkartenidyll, das berühmte Fotomotiv von Heiligenblut am Großglockner mit der stolzen, spätgotischen Kirche, den eng zusammengerückten Unterkünften und Berghöfen, deren Silhouette von der majestätisch, gletscherbedeckten Pyramide des Großglockners beherrscht wird. 

Von Heiligenblut aus nimmt auch eine Traumstraße der Alpen ihren Anfang, die Großglockner Hochalpenstraße, die nach Fusch ins Salzburgerland führt. Sie folgt einer uralten, schon in der Römerzeit angelegten Handelsstraße und wurde zwischen 1930 und 1935 – in der Zeit der großen Wirtschaftskrise – mit heute fast unvorstellbarer Anstrengung von mehr als 3000 Arbeitern errichtet.

Schon einmal auf der Großglockner Hochalpenstraße unterwegs, lohnt sich auch ein Besuch der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Von hier aus hat man beeindruckende Ausblicke auf den Großglockner und die Pasterze. Auch tummeln sich hier zahlreiche Murmeltiere, die kaum scheu sind.

Einer der zahlreichen Wasserfälle der Region ist der Gartlwasserfall bei Döllach. In einer klinischen Studie der Paracelsus Medizinischen Universität, Salzburg, konnte nachgewiesen werden, dass sich der tägliche Aufenthalt am Gartlwasserfall positiv auf die Gesundheit auswirkt. Das spezielle Mikroklima aus feinverstäubten, elektrisch aufgeladenen Wassertropfen sorgt für Stärke und positive Energie, reduziert nachhaltig Stress und stärkt das Immunsystem.

Auf 880 Meter Seehöhe am Grafenberg, im oberen Mölltal, befindet sich Kärntens höchstgelegener Weinberg (www.grafenbergerin.at). Dort hat sich Ernestine Berger, ursprünglich Krankenschwester, ihren Traum vom eigenen Weingarten verwirklicht. Mit viel Liebe, Leidenschaft und vor allem hohem manuellem Einsatz gedeihen seit 2012 ganz besondere Rot- und Weißweine, die mittlerweile zahlreiche Auszeichnungen erzielten.

Der Weingarten ist klimatisch sehr begünstigt. Da er in einer Kessellage liegt, wird der raue Tauernwind abgehalten. Schiefergestein und eine geringe Humusauflage bilden einen guten Wärmespeicher. Diese besondere Klimazone begünstigt den Weinbau in dieser Höhenlage. 

Für Interessierte gibt es bis Oktober noch Wein-Erlebniswanderungen mit Winzerin Berger und der Bergwanderführerin Sylvia Granitzer. Als Höhepunkt ist dann die Verkostung von vier GrafenBergerin Weinen und hausgemachten Köstlichkeiten der Region.

Irschen ist vor allem für seine Heilkräuter und Wildpflanzen bekannt. Die sonnige Lage des Dorfes und das südalpine Klima bieten die perfekte Grundlage für den Kräuteranbau.

Wer sich für Heilkräuter und Wildpflanzen interessiert sollte unbedingt Irschen besuchen. Der Ort im Oberen Drautal am südlichen Ausläufer der Hohen Tauern ist nämlich vor allem für seine Heilkräuter und Wildpflanzen bekannt. Die sonnseitige und terrassenartige Lage des Kärntner Dorfes und die steilen, trockenen Bergwiesen sowie das südalpine Klima bilden die perfekte Grundlage für den Kräuteranbau und das Vorkommen von zahlreichen Wildkräutern. Diese natürlichen Ressourcen nützen die Irschner Bergbauern und kultivieren zwischen 650 und 1100 Metern Seehöhe die aromatischen Bergkräuter. Die kleinen Produktionsstätten veredeln die Wild- und Gartenkräuter zu köstlichen und heilsamen Spezialitäten, die im Kräuterhaus Pfarrstadel präsentiert und zum Kauf angeboten werden. Hier wird auch die vielseitige Nutzung von Kräutern in Form von Erlebnisinseln vorgestellt.

Evas Kochkünste

Eine diese „Kräuterhexen“ in Irschen ist Rosmarie Kranabetter. Ihr Garten befindet sich auf 1130 Meter Seehöhe und umfasst einen interessanten Schaugarten, einen Küchenkräutergarten und einen Nutzgarten mit einer Gesamtfläche von über 1000 Quadratmeter. Rosmarie’s Bergkräuter reifen am sonnigen Hang in frischer Bergluft. Ihre Kräuter werden komplett händisch gepflückt und anschließend schonend verarbeitet.

Wer sich auf einer der zahlreichen Berghütten kulinarisch mal so richtig deftig verwöhnen lassen möchte, sollte unbedingt die urige Griebitsch Alm von Ehepaar Eva König, eine gebürtige Ingolstädterin, und Albert Brandstätter besuchen. Besonders zu empfehlen sind Evas sagenhafter Schweinsbraten – im Holzofen zubereitet –, die Schlitzkrapfen oder der Kaiserschmarrn, alles kommt stets frisch auf den Tisch.

Die Alm liegt auf 1624 Meter. Eingebettet zwischen saftig grünen Almwiesen und Berghängen befindet sich das Kleinod hoch über Irschen. Hier bietet sich dem Besucher ein atemberaubender Ausblick auf das Obere Drautal und auf die kalkigen Felsriesen des südöstlichen Alpenhauptkamms.

Begleitet vom Klang der Kuhglocken werden Wanderer nicht nur von der umliegenden Natur verwöhnt, sondern auch durch regionale Produkte. Wer sich vom Zauber dieses wildromantischen Ortes nicht trennen will, kann auch dort übernachten. Das Zimmerangebot reicht vom gemütlichen Doppelzimmer bis hin zum einfachen Mehrbettzimmer mit Frühstück.

Natürlich gibt es in der Nationalparkregion Hohe Tauern jede Menge Übernachtungsmöglichkeiten. Eine davon befindet sich in Winklern, das familiengeführte Vier-Sterne Natur Aktiv Hotel Tauernstern (www.tauernstern.at). Mit nur 18 Zimmern genießt der Gast Ruhe, Natur und echte Gastfreundschaft. Das Hotel ist ein idealer Ausgangspunkt für Aktivurlaub in Kärnten. Die Zimmer mit Alpenblick sind hochwertig und insbesondere die hervorragende Kulinarik lässt keine Wünsche öffnen. Unbedingt erwähnt werden sollte auch noch das stets freundliche und zuvorkommende Personal. (Friedrich H. Hettler)

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