Die kleine Gemeinde Krimml in der Salzburger Ferienregion Nationalpark Hohe Tauern setzt touristisch neuerdings auf die Heilwirkung ihrer Wasserfälle. In einem Forschungsprojekt wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein Aufenthalt an den Krimmler Wasserfällen Asthmatikern deutliche Linderung ihres Leidens bringt.
„Wenn wir an den Wasserfall wandern, vergesst bitte eure Regenjacke nicht“, erinnert Petra unsere kleine Reisegruppe. Was sich an einem Hochsommertag mit annähernd 30 Grad Celsius etwas komisch anhört, hat einen guten Grund.
Petra Lemberger, Projektleiterin beim Verein „Hohe Tauern Health“ und ihre Kollegin Andrea Mair vom Tourismusverband wollen uns die heilende Wirkung eines Aufenthalts an den Krimmler Wasserfällen demonstrieren. Aus rund 380 Metern Höhe brausen dort die Wassermassen der Krimmler Ache zu Tal, womit die Krimmler Wasserfälle zu den größten Europas zählen.
Der feine Sprühnebel, der bei den Wasserfällen entsteht, wirkt als Heilmittel, das die Atemwege reinigt und entzündungshemmend wirkt. Die Wasserfälle entfalten ihre Wirkung durch die Zerstörung von Wassermolekülen in winzigen Tröpfchen, die rund 200 Mal kleiner sind als die Tropfen eines Asthmasprays. Diese Tröpfchen sind mit stark negativ geladenen Ionen gesättigt und können tief in die Lunge gelangen, wo sie ihre reinigende Wirkung entfalten.
Aufenthalt:Je länger, desto besser
Studien eines Forschungsprojekts der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg haben gezeigt, dass der Aufenthalt an den Krimmler Wasserfällen bei Asthmatikern zu einer nachhaltigen Verbesserung der Symptome führt. „Verkrampfungen und Verengungen der Atemwege werden dabei stark gelindert oder verschwinden überhaupt“, schildert Projektleiter Arnulf Hartl von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität. Damit sich die Heilwirkung voll entfalten kann, ist laut Hartl ein Aufenthalt von mindestens zwei Wochen nötig, wobei gilt: Je länger, desto besser.
Als Konsequenz aus den Erkenntnissen tat sich eine Gruppe von Tourismusbetrieben zusammen, die sich ganz auf Asthmatiker einstellen. Unter anderem müssen diese Betriebe in den Gästezimmern möglichst wenig Textil und dafür viel Holz und Stein verwenden. So soll die Staubentwicklung minimiert werden.
Während Krimml im Winter ein beliebter Skiort ist, kommt im Sommer mittlerweile ein Drittel der Urlauber aus gesundheitlichen Gründen.
Am nächsten Tag setzen wir unsere Radhelme auf und starten zu einer E-Bike-Tour ins langgezogene Krimmler Achental. Im ersten Teil geht´s heftig bergauf, was sich dank Elektrounterstützung aber als Vergnügen anfühlt. Das richtige Schalten der Gänge will freilich gelernt sein. „Nie unter starker Belastung des Gangkranzes auf einen kleineren Gang zurückschalten, sonst kann die Kette reißen und vorbei ist die Tour“, mahnt unser Guide Hans.
Den Großteil des rund 20 Kilometer langen Tales geht es dann eben dahin. Immer begleitet vom eifrigen Rauschen der Krimmler Ache, öffnet sich der Blick auf die Höhen im Talschluss, von denen noch größere Schneefelder herunterlugen. Wir radeln vorbei am Krimmler Tauernhaus und legen einen kurzen Halt bei einer der 26 Almen im Tal ein, die noch heute zum Teil von Bauern aus dem benachbarten Südtiroler Ahrntal bewirtschaftet werden.
Jährlicher Friedensmarsch
Die 13-jährige Leni ist für ihren Ferienjob auf der Alm alleine fünf Stunden von Südtirol über den Krimmler Tauern zu ihrem Arbeitsplatz gewandert. Traditionell bestehen zwischen den Krimmlern und Südtiroler Nachbarn enge Beziehungen.
Über den Krimmler Tauern führt ein Jahrhunderte alter Übergang ins Südtirolerische. Über die Route flüchteten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehrere Tausend Juden ins heutige Israel. Daran erinnert ein Friedensmarsch, der alljährlich im Frühsommer von Krimml über den Krimmler Tauern ins benachbarte Südtirol führt.
Wir radeln mit unseren E-Bikes noch auf einen Abstecher auf die Windbachalm, wo die Almrosen in voller Blütenpracht von den Almwiesen grüßen. Aus einer mit Gebirgswasser gekühlten Getränkebox können wir dort mit Limo oder einem kleinen Bier unseren Durst löschen – eine originelle Idee.
Ein Ort nicht
nur für Asthmatiker
Auf der Rückfahrt kehren wir beim Krimmler Tauernhaus ein. Seniorchef Friedl Geisler erzählt uns von der langen Geschichte des jahrhundertealten Schutzhauses – etwa davon, wie seine Oma im Jahr 1947 den flüchtenden Juden mit Speis und Trank geholfen hat.
Beim Heimradeln kühlen wir unsere schon etwas schwer gewordenen Beine in einem Gebirgsbächlein – die Temperatur schätzt Guide Hans auf sieben Grad Celsius.
Nach einem erlebnisreichen Aktivtag besuchen wir am Abschlussabend das Platzkonzert der Trachtenmusikkapelle – umrahmt von rund einem Dutzend Sonnwendfeuern, die von den umliegenden Berghängen lodern – ein stimmungsvoller Schlusspunkt mit dem Fazit: Krimml ist auch im Sommer eine Reise wert – nicht nur für Asthmatiker. (Gerhard Jäger)
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