Reisen

Heuer konnte man beim Marathon teilweise zu Recht von einer Winterwanderung sprechen. (Foto: Friedrich H. Hettler)

07.05.2019

Wetterkapriolen unterwegs

Der Frankenwald Wandermarathon fand heuer bei Schnee und Regen statt

Petrus meinte es dieses Jahr mit den Wanderfreunden im Frankenwald nicht allzu gut. Denn die Wetterbedingungen beim 8. Frankenwald Wandermarathon waren alles andere als optimal. Als sich letzten Samstag um sieben Uhr Früh rund 1300 Wanderfüße in Marktleugast auf den Weg machten, kam Regen wie am Bindfaden vom grauen, wolkenverhangenen Himmel. Aber das sollte nur die Wetterovertüre sein. Dazu später etwas mehr.

Gastgeber für den diesjährigen Frankenwald Wandermarathon waren die vier LQN-Gemeinden Marktleugast, Grafengehaig, Kupferberg und Stammbach. LQN bedeutet „Lebensqualität durch Nähe“ und wurde von sechs Gemeinden zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensumstände in der Region ins Leben gerufen. Die Kommunen liegen malerisch im Naturpark Frankenwald und bieten viele Möglichkeiten, um in landschaftlich reizvoller Lage, klarer frischer Luft und einer beruhigenden Idylle zu entspannen und durchzuatmen.

Die Initiatoren des Wandermarathons, der Frankenwald Tourismus unter der organisatorischen Federführung von Markus Franz, hatten für heuer eine rund 44,1 Kilometer lange Tour ausgearbeitet und damit wieder eine etwas längere Strecke als die offizielle Marathondistanz von 42,195 Kilometern. Alle vier Kilometer informierten Schilder, wie viel Strecke man schon zurück gelegt hatte. Neben der Länge der Wanderung war – wie jedes Jahr – auch das Höhenprofil der Route nicht zu unterschätzen. Durch das stete Auf und Ab, mit einigen knackigen Spitzen drin, mussten etwa 1100 Höhenmeter überwunden werden.

Niemand musste
verdursten oder verhungern

Darüber hinaus gab es sage und schreibe 37 Erlebnis- und 17 Verpflegungsstationen, damit niemand verhungern und verdursten musste. Alle zwei bis vier Kilometer konnten sich die Wanderer mit kleinen Snacks, wie Müsliriegel, Obst, Süßes oder auch etwas Herzhaftes stärken beziehungsweise Getränke zu sich nehmen.
Direkt nach dem Start an der Dreifach-Sporthalle in Marktleu-gast bewegte sich der Tross, Die Wanderfreunde wie an einer Perlenschnur aufgefädelt, Richtung Grünlas, wo der erste Anstieg zu meistern war. In Grafengehaig, bei Kilometer 9,1 konnte man sich bei lecker belegten Broten und einem Getränk erst einmal stärken, bevor man Am Steinberg Wegelagerern aus dem Spessart in die Hände lief. Auf Schusters Rappen ging es dann weiter nach Kupferberg, wo auf die Wanderer das Mittagessen wartete.

Aber noch einmal zurück zum Wetter. In der Zwischenzeit war der Regen in heftige Graupelschauer mit starken Windböen und kurz danach in Schneefall übergegangen.

Kupferberg war für die Wanderer aber nicht nur wegen des Mittagessens ein wichtiger Anlaufpunkt, sondern auch wegen des 2015 eröffneten Besucher-Bergwerks in der ehemaligen St.-Veit-Zeche des Bergbau-Museums. Auf 17 Metern unter Tage sind historische Bergbaugeräte genauso zu sehen wie einzigartige Steinarten und -strukturen. Im Stollen ist ein 200 Meter langer Rundgang entstanden, der sich mit über 600 Jahren Bergbaugeschichte befasst. Dieser Stollen wurde bis zum „Alten Mann“ schräg an die Lagerstätten aufgefahren: Von hier aus eröffnet sich für den Besucher der eindrucksvolle Blick in den Abbaubereich mit seinen farbigen Kupfererzen.

Ach ja, Kupferberg, eine der kleisten Städte Bayerns, verdankt seinen Namen den reichen Bodenschätzen, die hier lange Zeit durch Bergbau gewonnen wurden. Kupferfunde ließen den Ort schnell wachsen und an Bedeutung gewinnen. Zur Blütezeit waren hier bis zu 1700 Bergmänner im Einsatz.

Von Gundlitz, Kilometer 29,7, ging es durch einen in der Zwischenzeit durch Schnee verwandelten Winterwald zum Weißenstein, wo man bereits aus einiger Entfernung ein Fichtenmoped im Einsatz hörte. Nun werden sich einige Leser fragen, was ist ein Fichtenmoped. Ein Fichtenmoped ist kein fahrbarer Untersatz, sondern eine Motorsäge. Es waren aber kein Baumfällarbeiten im Gange, vielmehr „modellierte“ ein Holzschnitzer mit der Motorsäge eine Eule aus einem Baumstamm.

In Weißenstein erreichten die Wanderer dann auch mit dem Weißensteinturm den höchsten Punkt des Marathons. Der Turm dürfte wohl das einzige Gebäude weltweit sein, das aus Eklogit gebaut ist. Die Steine zum Bau wurden direkt unterhalb des Turms in einem eigens für den Turmbau angelegten Steinbruch gebrochen. Eklogit ist eine vergleichsweise seltene Gesteinsart, dir durch Metamorphose gebildet wird. Sie zeichnet sich durch kräftig gefärbte Minerale aus: hauptsächlich roter Granat (Pyrop) und grüner Pyroxen (Omphacit). Die dunklen Eklogite am Weißenstein entstanden zur Zeit des Unterdevons vor etwa 390 Millionen Jahren aus einem ehemaligen Basalt.

In Weißenstein gab es aber nicht nur Steine, sondern auch Kaffee und leckeren Kuchen als Wegzehrung.

Empfang mit Besen
und Teppichklopfer

Vorsicht war dann zwischen Stammbach und Steinbach geboten, denn hier warteten die legendären Franken-Weiber, zunächst mit Besen und Teppichklopfer, aber auch, wie jedes Jahr, mit einem Wanderandenken, einem kleinen Flachmann, sowie Bier, Wärscht, Essiggurken und natürlich Hochprozentigem.

Kurz vor dem Ziel konnte man dann in Marienweiher noch die Basilika Mariä Heimsuchung besichtigen. Der Innenraum der Wallfahrtsbasilika strahlt eine andachtsvolle Stimmung aus. Dazu kommt eine Atmosphäre der Wärme, einerseits hervorgerufen durch die malerische Rokokoausstattung und die lebendige, farbige Deckengestaltung, andererseits durch den natürlichen Lichteinfall. Die Deckenfresken von Antonio Nave, der damals vor allem für das Kloster Ebrach tätig war, zeigen im Langhaus den Freudenreichen Rosenkranz. Besonders gelungen sind die Stuckarbeiten von Johann Jakob Vogel (1661 bis 1727). In ihrer Reichhaltigkeit verschiedenster Formenwelten sind sie einmalig.

Der ganze Kirchenraum ist auf den Hochaltar und die darin befindliche Marienstatue aus der Zeit um 1500 ausgerichtet. Die Rahmung dieser Statue wurde besonders aufwändig gestaltet, indem sie von schweren vergoldeten Stuckvorhängen umgeben ist, die wie bei einer festlichen Enthüllung zur Seite gerafft sind.
Die Annakapelle im Turm ist ds eindeutige Kennzeichen eines Wallfahrtsorts mit Votivgaben, die aus Dank gestiftet wurden: Kerzen für Jubiläen, Wachspuppen vor allem bei der Heilung von Kindern oder die vielen Tafeln mit der Aufschrift „Danke für die Hilfe“ oder „Maria hat geholfen“.

Die letzten Kilometer auf Schusters Rappen führten durch Marktleugast. Im Laufe des Nachmittags und frühen Abends, mittlerweile hatte es auch aufgehört zu schneien und zu regnen, trudelten die Marathonwanderer, obschon etwas geschafft, aber dennoch überglücklich, unter dem Beifall der Zuschauer im Ziel ein, wo man sich dann an einem überaus üppigen Buffet abschließen nochmals laben konnte.

Auch in diesem Jahr kann man wieder von einem wirklich gelungenem Frankenwald Wandermarathon sprechen, auch wenn heuer das Wetter nicht ganz so mitspielte wie in den vorangegangen Jahren. – aber dafür können die Veranstalter nur wahrlich nichts.

Wer den Wandermarathon noch nicht mitgemacht hat, sollte sich für nächstes Jahr schon mal den Mai vormerken. Und wer schon einmal oder mehrmals dafür seine Wanderstiefel geschnürt hat, der wird auch kommendes Jahr wieder dabei sein wollen, denn dieser Event hat Suchtcharakter. Den Kultstatus hat der Frankenwald Wandermarathon schon längst erreicht.

So ist es auch leicht zu verstehen, wieso die limitierten Startplätze bereits nach wenigen Minuten ausverkauft sind. Einen großen Anteil am Erfolg des Events haben natürlich jedes Jahr die vielen ehrenamtlichen und top motivierten Helfer der örtlichen Vereine sowie Privatpersonen an der Strecke, die sich um das leibliche Wohl und die Erlebnisstationen kümmern. Nur durch sie wird der Frankenwald Wandermarathon zu einem echten Erlebnis. (Friedrich H. Hettler)

(Die Marathon-Karawane zieht los. Lustige Hinweisschilder und Schnitzen mit dem Fichtenmoped. Zwei Frauen der Franken-Weiber und der Hochaltar der Wallfahrtsbasilika - Fotos: Friedrich H. Hettler)

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Kommentare (1)

  1. Wander Markus am 08.05.2019
    Klasse Bericht von einem sicherlich in Erinnerung bleibendem Event im Frankenwald … Kult ist der Wandermarathon sicherlich, denn nicht umsonst setzen sich die potentiellen Teilnehmer nachts um 01:00 Uhr vor den Rechner um eines der begehrten Tickets zu ergattern.
    Vielen Dank lieber Fritz für´s dabei sein!

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