Kommunales

Leere Tische und Stuehle eines Gastbetriebes stehen vor dem Rathaus auf dem Marienplatz in München. (Foto: dpa/Felix Hörhager)

17.03.2020

Angst vor Corona leert die Innenstädte

Kaum Menschen in der Fußgängerzonen, geschlossene Lokale und Geschäfte. Von Mittwoch an müssen viele Geschäfte wegen der Corona-Krise schließen. Doch schon am Tag davor kommt keine große Shopping-Lust mehr auf.

Jede Kundin, die die Parfümerie betritt, bekommt erstmal einen ordentlichen Stoß Kölnisch Wasser auf die Hände gesprüht. "Zu ihrer eigenen Sicherheit", sagt die Verkäuferin. "Das desinfiziert." An der Kasse packt Inhaberin Christina Zahn mehrere Schachteln für eine Kundin in eine große Einkaufstüte. Die ältere Dame deckt sich noch einmal mit allen wichtigen Schönheitsprodukten ein, bevor am Mittwoch viele Geschäfte in Bayern für zwei Wochen schließen müssen.

"Wir sind froh, dass wir unsere Stammkundinnen haben", sagt Zahn. In diesem Moment klingelt wieder das Telefon. Eine Frau fragt, ob die Parfümerie in der Nürnberger Innenstadt am Dienstag noch geöffnet hat. Andere geben telefonisch noch schnell Bestellungen auf. In den nächsten zwei Tagen wollen Zahn und ihre Mitarbeiterinnen diese per Päckchen überbringen. Wie es danach weitergeht? Zahn zuckt die Schultern und blickt ratlos drein.

Es ist der letzte Tag an dem noch alle Geschäfte regulär öffnen können. Doch auf dem Marienplatz in München ist es leer wie selten - nur vereinzelt Touristen und Shopping-Lustige. Im Juweliergeschäft Carl Thomass bereitet sich Mitinhaberin Sibylle Blessing-Nagler auf die Zwangspause ab Mittwoch vor. "Das fühlt sich so ein bisschen auch an wie Sterben, aber das soll es natürlich auf keinen Fall sein, sondern wir erledigen das, was jetzt dringend erledigt werden muss", sagt sie. Kunden müssten zum Beispiel benachrichtigt werden, um noch kurzfristig Trau- und Verlobungsringe abzuholen.

Auch die Fußgängerzone in Nürnberg ist an diesem Wochentag so leer wie an einem Sonntag. Eine Filialleiterin eines Schuhgeschäfts sperrt ihre Tür bereits am Vormittag wieder zu. Andere Läden haben an dem Tag gar nicht erst aufgemacht. In vielen hängen an der Tür Zettel, auf denen sie ihre Kundinnen und Kunden darüber informieren, das sie nun bis zum 30. März geschlossen bleiben müssen. "Schweren Herzens richten wir uns nach der bayerischen Verordnung", heißt es auf einem Zettel.

Viele Händler in der Nürnberger Innenstadt erzählen, dass schon seit Tagen weniger los ist in ihren Geschäften. Viele bangen um ihre Existenz. "Wir verdienen nichts. Die Kosten müssen wir aber weiterzahlen", sagt Andrea Schuster, die ein Stoffgeschäft am Rande der Fußgängerzone führt. Gerade seien die neuen Stoffe reingekommen, und die Lieferanten warteten auf die Bezahlung. "März und April sind eigentlich die umsatzstärksten Monate", sagt Schuster. In diesem Jahr werden ihr gerade diese Einnahmen fehlen. Wie vielen anderen auch.

Der Handelsverband Bayern befürchtet deshalb eine Pleitewelle. Gerade den kleinen, inhabergeführten Läden sind besonder betroffen. Der Handelsverband rechnet im Einzelhandel - ohne die Lebensmittelgeschäfte - mit Umsatzeinbußen von 185 Millionen Euro - pro Tag. Auch den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereitet das Angst. "Wir werden alle nach Hause geschickt", sagt eine Verkäuferin in einem Haushaltswarengeschäft, die ihren Namen lieber nicht nennen will. Ob sie nach dem 30. März ganz normal wieder zur Arbeit kommen kann, weiß sie noch nicht.

Der Viktualienmarkt im Herzen Münchens ist fast menschenleer, ein paar einsame Tauben picken auf dem Boden - ein Anblick, an den man sich erst einmal gewöhnen muss. "Es ist natürlich mulmig, weil so eine Situation habe ich noch nie erlebt", sagt Anja Bonelli. Sie hat noch schnell ein Buch in der Innenstadt gekauft. Sie selbst fühle sich aber gut auf die Einschränkungen vorbereitet, so dass sie damit gut leben könne.
Auch Peter Lippert sieht für sich keine Probleme. "Für die Grundbedürfnisse ist ja gesorgt." Dass viele Einzelhändler sauer sind, dass manche Geschäfte weiterhin öffnen dürfen und andere nicht, kann er aber auch verstehen. "Es ist natürlich schwierig da eine Gerechtigkeit herzustellen."
(Irena Güttel, Josefine Kaukemüller, dpa)

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