Landtag

Abgestorbene Fichten: Diese Nadelbaumart leidet besonders. (Foto: dpa/Stephan Persch)

13.11.2019

Bayerns Wäldern geht es immer schlechter

Der Nadel- beziehungsweise Blattverlust steigt rasant auf immer neue Rekordhöhen. Das schockt selbst Experten. Schuld daran ist der Klimawandel und der damit verbundene Insekten- und Pilzbefall der Bäume. Der Landwirtschaftsausschuss sucht nach Lösungen

Trockenheit, Gewitterstürme, Orkane: Der Klimawandel stellt die bayerischen Wälder vor noch nie dagewesene Herausforderung. Allein das Sturmtief Eberhard im März habe in den Wäldern Tornado-ähnliche Schneisen hinterlassen, erklärte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) bei ihrem Waldbericht im Landwirtschaftsausschuss. Zusätzlich machten Baumkrankheiten dem Wald zu schaffen. Das Eschentriebsterben lässt fast keine Esche aus. Kiefern, Eichen und Buchen leiden unter Pilzbefall. Die geschwächten Bäume sind für Schädlinge wie Borkenkäfer oder Schwammspinnerraupen ein gefundenes Fressen. 

Die diesjährige Waldzustandserhebung zeigt: Der Nadel- beziehungsweise Blattverlust aller Baumarten in Bayern ist im Vergleich zu 2018 um vier auf 25 Prozent gestiegen. Damit hat sich der Verlust verglichen zum Vorjahreszeitraum versechsfacht. 200.000 Hektar Nadelholzwälder müssten dringend umgebaut werden – das sei 25 Mal die Fläche des Chiemsees, verdeutlichte Kaniber. „Von Wäldern mit neuartigen Wald- und Trockenschäden spreche ich noch gar nicht.“ Das Ministerium geht bis Ende des Jahres von einer Schadholzmenge von bis zu zehn Millionen Festmetern aus. Dieser Rekord schockt selbst Experten.

Um den Wald besser zu schützen, setzt Kaniber auf die Jagd. Vor allem der übermäßige Wildverbiss führe dazu, dass klimafeste Baumarten wie Eiche oder Tanne verschwinden würden. Um die Bekämpfung der Borkenkäfer zu stärken, erhalten Waldbesitzer jetzt den dreifachen Fördersatz für die Aufarbeitung von sogenanntem Käferholz. Insgesamt gibt die Staatsregierung dieses Jahr mit 38 Millionen Euro fast ein Drittel mehr für forstliche Fördermaßnahmen aus als im Vorjahr. Zusätzlich fließen im Rahmen des Nationalen Waldgipfels voraussichtlich 100 Millionen Euro vom Bund nach Bayern. 

Lage ist "dramatisch"

Ausschusschef Leopold Herz (Freie Wähler) nannte die Lage in der Aussprache „dramatisch“. Der Abgeordnete lobte Kaniber für die zusätzlichen Fördermittel und ihr Bekenntnis „Wald vor Wild“. Künftig solle aber noch mehr in die Forschung investiert werden. Klaus Steiner (CSU) sprach sich für einen grundlegenden Waldumbau aus. Bestimmte Baumarten müssten stärker gefördert werden – auch wenn Umweltverbände das nicht wahrhaben wollten. Hans Urban (Grüne) verlangte, die „unsägliche Winterfütterung“ zu beenden, um den Wildverbiss nicht noch zu fördern. Andreas Winhart (AfD) forderte zu prüfen, ob nicht-einheimische Baumarten resistenter gegen den Klimawandel sind. Christoph Skutella (FDP) möchte private Waldbesitzer besser unterstützt wissen. 

Keine Wünsche, sondern deutliche Kritik äußerte SPD-Fraktionschef Horst Arnold. „Von 2007 bis 2017 ist eine halbe Milliarde Euro aus dem Wald in den Staatshaushalt geflossen“, sagte er. Doch das Geld sei nicht in den Wald reinvestiert worden, gleichzeitig leide die Forstverwaltung unter Personalnot. Inzwischen sei nur noch jeder vierte Baum ohne Schäden. Das Vorgehen der Staatsregierung sei daher „unverantwortlich“. (David Lohmann)

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