Kommunales

Marcel Marek (im Fahrzeug) ist stolz auf seine neu hinzugewonnen Fähigkeiten, unter anderem den Gabelstaplerführerschein. Das freut auch Schwabens Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert (Mitte). (Foto: Birgit Böllinger, Bezirk Schwaben)

12.10.2018

„Behindert? Na und!“

Beispiel für eine gelungene Inklusion

Das ist mein Gabelstapler“, sagt Marcel Marek und schwingt sich gekonnt auf das Gerät. Der Stolz dabei ist ihm deutlich anzumerken: Denn dass Marek dafür inzwischen einen Führerschein hat, dass er mit einem Auszubildenden das Lager bei der ENKO Staudinger GmbH, einem mittelständischen Betrieb in Augsburg, verwaltet, all das ist keinesfalls selbstverständlich!

Denn der junge Mann ist behindert. Die Chance, sich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erproben, eröffnete sich ihm durch das bayernweite Projekt „BÜWA“ (Begleiteter Übergang von der Werkstätte auf den Arbeitsmarkt). BÜWA ist eine Kooperation des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, dem Bayerischen Bezirketag, den Bayerischen Bezirken, der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit und dem Zentrum Bayern Familie und Soziales (Inklusionsamt). Die Schwaben sind dabei besonders aktiv und erfolgreich, wie Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert nun bei einem Besuch von Marcel Marek an dessen Arbeitsplatz betonte. Derzeit kommen aus dem Bezirk 50 Teilnehmer für dieses Projekt, bereits 16 konnten auf den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden. „Dass BÜWA so gut läuft, liegt an seinem Konzept: Die Mitarbeiter, die aus einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung kommen, arbeiten im Betrieb zunächst in einem zeitlich reduzierten Umfang mit, absolvieren Praktika und werden zudem, ebenso wie der jeweilige Betrieb, durch die Fachleute aus der Werkstatt unterstützt“, erläutert der Inklusionsbeauftragte des Bezirks, Stefan Dörle.

Praktisches Geschick


Für Marcel Marek, ebenso aber auch für seine neuen Kollegen bei ENKO Staudinger ist Agnes Guthausen vom Sozialdienst der Schäfflerbach-Werkstätten Ansprechpartnerin. Sie kennt den 25-Jährigen schon lange und wusste, was man ihm zutrauen kann: „Marcel fiel schon während seiner Schulzeit in der Brunnenschule Königsbrunn durch sein ausgeprägtes praktisches Geschick sowie seinen Arbeitseifer auf“, erzählt sie. 2012 kam er zu den Schäfflerbach-Werkstätten, „aber es war klar, dass ihn die Anforderungen in der Werkstatt auf Dauer nicht auslasten würden.“ Aus einem Einsatz von einem Tag in der Woche bei ENKO Staudinger wurde Schritt für Schritt mehr, „gemeinsam mit dem Betrieb haben wir dann überlegt, wie wir Marcel noch weiter qualifizieren können.“

Diese individuelle Betreuung, die Anpassung eines Arbeitsplatzes an die spezifischen Aufgaben im Unternehmen und die Fähigkeiten des einzelnen Mitarbeiters: Das macht BÜWA auch so erfolgreich, weiß Stefan Dörle. „Und wenn Probleme auftreten, können sich der Arbeitgeber, die Kollegen ebenso wie der Mensch mit Behinderung sicher sein, dass sie von der Werkstatt Rat und Unterstützung bekommen“. Bei Marcel hielt sich der Beratungsbedarf in Grenzen, „er war vom ersten Tag an so hochmotiviert“, erzählt Christian Berner, zuständig für den Einkauf bei ENKO. Aber auch von der Belegschaft – bei der Konstruktionsfirma für die Entwicklung und Herstellung von Werkzeugen, Vorrichtungsbau und Sondermaschinen sind rund 70 Mitarbeiter tätig – wurde er offen aufgenommen.

„Es ist wichtig, solche positiven Beispiele immer wieder hervorzuheben“, sagt Roland Fürst, Geschäftsführer Operativ bei der Agentur für Arbeit Augsburg. Die Arbeitsagentur habe in ihrem Bereich „Berufliche Rehabilitation und Teilhabe“ eigene Programme, um Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu vermitteln. Dank der guten Wirtschaftslage sei es zwar gelungen, auch bei Schwerbehinderten die Arbeitslosenquote zu senken. Doch die Unterstützungsmöglichkeiten, die ein Betrieb bei der Beschäftigung eines Menschen mit Behinderung in Anspruch nehmen könnte, könnten noch bekannter sein.

Gute Impulse habe ein gemeinsamer Fachtag des Bezirks zum Thema „Inklusiver Arbeitsmarkt“ mit der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer im vergangenen Jahr gesetzt, meint Bezirkstagspräsident Reichert. „Da gibt es in Schwaben auf vielen Ebenen Bewegung und wenn wir alle an einem Strang ziehen, geht hier etwas voran.“
(Birgit Böllinger)

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