Kommunales

Helmut Knaus hat sich nicht um das Amt des Bürgermeisters von Philippsreut gerissen. (Foto: dpa, SZ Photo, Sebastian Beck)

13.03.2026

Bürgermeister wider Willen

Auch ohne offizielle Kandidaten haben mehrere bayerische Gemeinden ihre Bürgermeister gewählt – die Wähler griffen selbst zum Stift

Helmut Knaus wollte keinesfalls Bürgermeister von Philippsreut bleiben – nun ist er es doch wieder geworden. Denn die Einwohnern wählten ihn trotzdem. Auch in anderen Gemeinden schrieben die Wähler einfach ihren eigenen Wunschkandidaten auf die Wahlzettel.

Eigentlich hatte Helmut Knaus sich so gefreut, den Posten des Bürgermeisters von Philippsreut an den Nagel zu hängen. Trotz vielfachem Wunsch kandidierte der 63-Jährige deshalb bei dieser Kommunalwahl explizit nicht erneut für das Amt des Rathauschefs der Gemeinde – soweit man in einer 630-Einwohner zählenden Ortschaft überhaupt von einem Chefposten sprechen kann. Denn in sehr kleinen Gemeinden ist der Posten stets ein Ehrenamt.

In der Praxis bedeute dies viel Arbeit für wenig Geld, erläutert Knaus im Gespräch mit der Staatszeitung. Er berichtet: „Ich mache das Amt in Vollzeit, teilweise mit bis zu 80 Stunden die Woche, anders geht es nicht. Dafür habe ich in der letzten Amtszeit 3000 Euro brutto bekommen, ein Witz.“

"Ein riesengroßer Vertrauensbeweis"

Kein Wunder also, dass Knaus eigentlich genug hatte von der Selbstausbeutung. Doch obwohl sein Name nicht auf den gedruckten Stimmzetteln zu finden war, machte ihm die Mehrheit der Philippsreuter im Wahllokal einen gewaltigen Strich durch seine Rechnung. Mit 57,1 Prozent wählten ihn die Menschen seiner Heimatgemeinde im Bayerischen Wald erneut ins Rathaus. Denn wenn es im Vorfeld der Kommunalwahl keinen oder nur einen Bürgermeisterkandidaten gibt, greift eine Besonderheit des bayerischen Wahlrechts: Die Bürger können auf dem Wahlzettel den Namen einer beliebigen Person eintragen, die sie für das Amt geeignet halten. Natürlich muss diese auch wählbar sein, darf also etwa nicht vorbestraft sein. Kommt der unfreiwillige Kandidat dann auf mehr als 50 Prozent der Stimmen, ist er gewählt. „Am Ende konnte ich nicht Nein sagen – schließlich geht es um meine Heimat“, sagt Knaus, der einem Wählerbündnis von Bayernpartei/Freie Wähler angehört. 

Und so muss der Einstand in den Ruhestand im Fall von Knaus wohl weitere sechs Jahre warten. „Dabei wollte ich doch gerne einmal mein Haus fertig renovieren, so Knaus. Schließlich sei er da jetzt schon seit 16 Jahren dran. „Und meine kleine Gastwirtschaft wollte ich am Wochenende für den Stammtisch oder den Schützenverein aufmachen, das geht jetzt auch erst mal nicht“, sagt Knaus etwas wehmütig.

Knaus ist nicht der Einzige der Ruhestandspläne hinten anhängen muss. In mehreren anderen Gemeinden wurden ebenfalls Einwohner zum Bürgermeister gewählt, obwohl sie gar nicht zur Wahl standen In Brunnen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen etwa wurde die bisherige Stellvertreterin des Bürgermeisters, Tanja Artner, so zur neuen Rathauschefin gemacht.

Mit 76 Prozent zum Weitermachen verpflichtet

In Tyrlaching im Landkreis Altötting ist der alte Bürgermeister, der eigentlich nicht weitermachen wollte, nun ebenfalls doch auch der neue. Nach zwölf Jahren als ehrenamtlicher Bürgermeister hatte Andreas Zepper eigentlich genug. Doch 377 von 549 Wählern griffen daraufhin zum Kugelschreiber und notierten Zeppers Namen selbst auf dem Papier. Bei einem Ergebnis von 76 Prozent konnte er letztlich nicht anders als weiterzumachen.

Und so bleibt der 45-Jährige, der zudem auch Lehrer, Feuerwehrler und Schöffe in einer Person ist, seinem Ort auch als Mister Rathaus erhalten. „Das ist ein riesengroßer Vertrauensbeweis“, sagt er.

Zepper weiß: „Es gibt Bürgermeisterkandidaten, die weniger Stimmen bekommen haben – obwohl sie die einzigen Kandidaten waren.“

Der bayerische Sonderweg sorgte aber nicht nur dafür, dass diverse Ortschaften nicht führungslos wurden. In Bayerns kleinster Gemeinde Chiemsee sah es für Amtsinhaber Armin Krämmer (Freie Wählergemeinschaft Chiemsee) gut aus, Bürgermeister zu werden – doch nun muss er in die Stichwahl: Der gelernte Elektriker war zwar der einzige Bewerber um das wenig lukrative Amt, er erzielte aber nach dem vorläufigen Endergebnis nur knapp 48 Prozent.
(Tobias Lill)

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