Kommunales

Fernwärme ist eine ökologische Energieerzeugung. (Foto: dpa)

13.07.2026

Der schlafende Riese: Etliche Kommunen könnten von Fernwärme profitieren – doch auch im Freistaat bleibt sie vielfach ungenutzt, wie eine Studie zeigt

Das Forschungsinstitut Prognos hat für alle 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland untersucht, wie gut sich Fernwärme ausbauen lässt. Memmingen, Straubing und Ebersberg – vielerorts ist auch im Freistaat noch Luft nach oben

Straubing zählt bundesweit zu den Städten mit den besten Voraussetzungen für den Ausbau der Fernwärme. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Fernwärmeatlas der Prognos AG. Doch obwohl das Potenzial groß ist, ist der Ausbau nach Einschätzung vieler Stadtwerke kein Selbstläufer. Ausschlaggebend sind vor allem die Nachfrage der Hauseigentümer und die Wirtschaftlichkeit neuer Netze.
Das Forschungsinstitut Prognos hat erstmals für alle 401 Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland untersucht, wie gut sich die Fernwärme vor Ort ausbauen lässt. Analysiert wurden unter anderem Gebäudestruktur, Wärmenachfrage und die örtlichen Voraussetzungen.

Ebersberg hat ebenfalls enormes Potenzial

Eine wichtige Erkenntnis: Auch bayerische Regionen zählen zu den sogenannten Hidden Champions. So sind etwa die kreisfreien Städte Memmingen und Straubing Regionen mit bislang vergleichsweise geringer Fernwärmeversorgung, aber besonders guten Entwicklungsmöglichkeiten. Im Landkreis Ebersberg sieht Prognos ebenfalls ein großes Fernwärmepotenzial – dieses bestehe für 42 Prozent der Wohnungen. Bisher sind dort nur 14 Prozent angeschlossen.

Fernwärme versorgt Gebäude über ein unterirdisches Leitungsnetz mit Wärme aus zentralen Anlagen. Technisch unterscheidet sie sich kaum von Nahwärme. Bundesweit deckt Fernwärme derzeit rund 10 Prozent der Wärmenachfrage in Wohnungen. Nach Berechnungen der Prognos AG könnte dieser Anteil bis 2045 auf bis zu 48 Prozent steigen. Rund 20 Millionen Wohnungen wären dann grundsätzlich für eine Versorgung mit Fernwärme geeignet.

In Straubing betreiben die Stadtwerke derzeit drei größere Wärmenetze mit insgesamt rund 480 Hausanschlüssen und einer Leitungslänge von etwa 13 Kilometern. Neue Gebiete werden allerdings nur erschlossen, wenn ausreichend Interesse besteht. Dazu führen die Stadtwerke jährlich Interessensabfragen in ausgewählten Wohngebieten durch. Erst wenn genügend Eigentümer einen Anschluss wünschen, folgen konkrete Angebote und schließlich der Netzausbau. Die Planung orientiere sich am kommunalen Wärmeplan der Stadt, erklärt Sprecherin Katharina Reiner.

Während größere Wohnbaugesellschaften, Investoren und andere Großkunden reges Interesse zeigten, seien viele private Hauseigentümer derzeit zurückhaltender. Ursache seien vor allem Unsicherheiten durch die energiepolitischen Rahmenbedingungen. „Solche Anker-Kunden haben oft Strahlkraft – sie machen die Erschließung eines Gebiets rentabel und den Anschluss für kleinere Abnehmer attraktiv“, sagt Reiner.

Nach Angaben der Prognos AG sind die Voraussetzungen für den Ausbau der Fernwärme in fast der Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte gut bis sehr gut. Besonders günstig ist die Ausgangslage dort, wo bereits Wärmenetze bestehen und erweitert werden können.

Nur in 7 Prozent der Kreise ist der Ausbau besonders schwierig

Neben Straubing und Memmingen zählen unter anderem Frankenthal, Konstanz, Neustadt an der Weinstraße und Pirmasens zu den identifizierten Hidden Champions. Nur in bundesweit rund 7 Prozent der Kreise gilt der Ausbau als besonders schwierig.

Betroffen sind vor allem kleinere Städte und Gemeinden ohne bestehende Wärmenetze. „Diese Kreise und Gemeinden stehen vor der Grundsatzentscheidung, ob sie in die Fernwärme einsteigen wollen. Ist diese gefallen, ist der Aufbau geeigneter organisatorischer Strukturen häufig der erste notwendige Schritt“, sagt Nils Thamling, Leiter des Wärme-Teams bei der Prognos AG. Vor allem Städte könnten vom weiteren Ausbau profitieren.

In kreisfreien Städten ist der Fernwärmeanteil bereits heute deutlich höher als in Landkreisen. In 55 Städten könnte er künftig sogar mehr als 75 Prozent erreichen, sofern die vorhandenen Potenziale vollständig erschlossen werden. In vielen ländlichen Regionen bleiben dagegen Wärmepumpen oder Pelletheizungen wichtige Bausteine der Wärmewende, weil dort die Wärmedichte für Fernwärmenetze häufig zu gering ist.

Neben dem Netzausbau sieht die Studie auch gute Chancen für eine klimafreundliche Wärmeerzeugung. Analysiert wurden unter anderem Potenziale durch Geothermie, industrielle Abwärme, Kläranlagen, Gewässerwärme und Solarthermie. In vielen Regionen könne Fernwärme künftig überwiegend aus solchen lokalen erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden. (Melanie Bäumel)
 

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