Einen Rekord hat Tobias Beck schon gebrochen: Mit seiner Körpergröße von 1,98 Metern ist er der größte Landrat, der jemals den niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen geführt hat. Zum Amtsantritt am 1. Mai hat er sich in seinem Büro neben einem großen, neuen Bildschirm für Videokonferenzen nur einen einzigen Luxus geleistet: einen neuen Schreibtisch. „Unter dem meines Vorgängers hatten meine Beine nicht Platz“, erzählt der 38-Jährige mit einem Augenzwinkern. Ausstrecken kann er sie jetzt, hochlegen aber nicht, denn es gibt viel zu tun für den neuen Chef des Landkreises.
Die Verwaltung soll moderner werden
Der für seine ruhige Art bekannte Familienvater ist aber nicht gewillt, sich in Hektik bringen zu lassen. So hat er auch im Wahlkampf agiert. Bereits vor sechs Jahren schickten die Freien Wähler den studierten Informatiker als Landratskandidaten ins Rennen. Damals unterlag er noch gegen Amtsinhaber Josef Laumer (CSU), der heuer nicht mehr antrat. 2023 zog Beck in den Bayerischen Landtag ein und steigerte so seine Bekanntheit und Popularität.
Ein Selbstläufer war die Wahl zum Landrat dennoch nicht, ganz im Gegenteil: Er musste gegen den bisherigen CSU-Fraktionsvorsitzenden und Bürgermeister von Oberschneiding, Ewald Seifert, antreten. Sein Kontrahent wurde im Vorfeld lange als Favorit für den Landratssessel gehandelt. „Mein Ziel war immer, in die Stichwahl zu kommen“, blickt Tobias Beck zurück. Das schaffte er mit 39,4 Prozent im ersten Wahlgang der Kommunalwahl. Zwei Wochen später gelang es ihm dann, das Blatt zu drehen – 58,4 Prozent der Wählerinnen und Wähler stimmten für den als fleißig geltenden Beck.
Am Wahlabend war die Freude bei den Freien Wählern groß, zumal auch in anderen Landkreisen die Parteikollegen in Niederbayern gut abschnitten. Der FW-Landesvorsitzende Hubert Aiwanger hatte sich deshalb eine straffe Tour durch Niederbayern vorgenommen, schaffte es aber dennoch noch zu später Stunde auf Becks Wahlparty in Pilgramsberg. „Da war ich echt überrascht, ich wusste nichts davon, ich habe mich sehr gefreut“, strahlt der Wahlsieger.
„Hat der Papa gewonnen?“
Ein besonderer Moment war es für ihn auch, dass seine Tochter Klara am nächsten Tag ihren sechsten Geburtstag feierte und am Morgen, als sie die Augen aufschlug, als Erstes fragte: „Hat der Papa gewonnen?“ Ehefrau Brigitte konnte dies bejahen.
Derzeit arbeitet sich der neue Landrat in die Abläufe des Landratsamts ein. In den ersten Wochen standen zahlreiche Gespräche mit den Sachgebietsleitern auf dem Programm. „Ich möchte gerne wissen, was die einzelnen Sachgebiete beinhalten“, sagt Beck. Bevor er eigene Akzente setzt, will er zunächst zuhören und sich einen Überblick verschaffen – ein Vorgehen, das gut zu seiner ruhigen Art passt.
Dass der studierte Informatiker dabei immer wieder auf das Thema Digitalisierung zu sprechen kommt, überrascht nicht. Schon im Wahlkampf hatte er dafür geworben, Verwaltungsabläufe moderner und bürgerfreundlicher zu gestalten. Erste Schritte seien bereits auf den Weg gebracht worden, sagt er. Für Beck geht es dabei nicht um Technik um ihrer selbst willen, sondern um einen Service, der den Menschen den Kontakt mit dem Amt erleichtert.
Gleichzeitig hat er die wirtschaftliche Entwicklung des Landkreises im Blick. Die Ansiedlung von BMW in Straßkirchen sieht er als wichtigen Impuls für die Region, ebenso neue Gewerbeflächen wie in Kirchroth. Straubing-Bogen soll auch künftig ein attraktiver Standort für Unternehmen bleiben.
Dabei weiß Beck jedoch, dass Zukunftspläne nur mit einer soliden finanziellen Grundlage funktionieren. Zwar steht der Landkreis vergleichsweise gut da, doch die Spielräume werden kleiner. Nicht zuletzt die Defizite der Kreiskliniken Mallersdorf-Pfaffenberg und Bogen belasten den Haushalt.
Mit der Tochter im Wald spielen
Besonders das Krankenhaus in Bogen bleibt eines der Themen, das die Menschen im Landkreis bewegt. Im Wahlkampf hatten sich sowohl Beck als auch sein Mitbewerber Ewald Seifert klar für dessen Erhalt ausgesprochen. Eine schnelle Lösung ist allerdings nicht in Sicht. Die Krankenhausreform des Bundes hat die Rahmenbedingungen weiter erschwert, derzeit wartet der Landkreis auf ein Gutachten.
Hektik lässt sich Tobias Beck davon dennoch nicht aufzwingen. Probleme nüchtern zu analysieren und Schritt für Schritt anzugehen, entspricht eher seinem Stil. Er lebt in Oberlindhart und betreibt dort auch seine Nebenerwerbslandwirtschaft mit Ackerbau und Wald. Diese will er auch unbedingt beibehalten. Freizeit wird er derweil nicht mehr viel haben – wenn doch mal eine Stunde Luft ist, dann will er mit Tochter Klara in den Wald gehen und dort spielen.
Beck will versuchen, das hohe Arbeitspensum und die Pflichten als Familienvater gut unter einen Hut zu bekommen, etwa zum Beispiel eine Fahnenweihe oder ein Grillfest gemeinsam zu besuchen. Seine Klara hat sich sehr gefreut, dass der Papa jetzt wieder daheim ist und nicht in München: „Sie hat aber schnell gemerkt, dass ich dennoch oft weg bin, doch wenn es geht, kommt die Familie einfach mit.“
Mitnehmen will der 38-Jährige aber nicht nur die Familie, sondern auch den Bürger – damit auch die Zufriedenheit mit dem Landratsamt wieder steigt. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Bürger auch unpopuläre Entscheidungen versteht, wenn man ihn an die Hand nimmt und ihm erklärt, warum etwas nicht geht“, hat er erfahren.
Und er ist bereit, auch einmal kreative Lösungen zu finden, denn aufgeben ist nicht sein Ding. Klappt Plan A nicht, dann will er gerne auch Plan B prüfen, und sei es auf eine unkonventionelle Weise. Und trotz der vielen Arbeit hat er sich vorgenommen, seine entspannte Art zu bewahren. Denn für ihn liegt in der Ruhe die Kraft. (M. Bäumel-Schachtner)
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