Kommunales

Olaf Heinrich hat auch für die Kultur seiner Stadt viel getan. (Foto: M. Bäumel-Schachtner)

18.09.2026

Ein Bürgermeister für alle - Olaf Heinrich lenkt seit 18 Jahren die Geschicke des Rathauses von Freyung – die ostbayerische Stadt blühte seither auf

Freyungs CSU-Bürgermeister Olaf Heinrich war in jungen Jahren bei der ÖDP. Er setzt stets auf Kompromisse – Haushalte werden in der Kommune in der Regel einstimmig beschlossen. Dem 47-jährigen Bezirkstagspräsidenten von Niederbayern gelang es, die Innenstadt der in einer eher strukturschwachen Region gelegenen Kommune zu beleben

In Freyung spielt derzeit die Musik. Noch bis Ende Oktober ist die Bayerische Landesausstellung zu Gast in der Kreisstadt. Unter dem Titel Musik in Bayern verwandelt sich die Stadt in eine singende und klingende Metropole und Besucher aus ganz Deutschland kommen, um sich interaktiv auf die Spur von Klang und Ton zu begeben. Freyungs Bürgermeister Olaf Heinrich hat sich dafür stark gemacht, nach der Landesgartenschau 2023 auch diesen Glanzpunkt in seine Kommune zu holen. Nicht nur, weil er selbst Musikliebhaber ist, sondern auch, weil er weiß, dass aus so einer Sonderschau etwas Bleibendes erwächst.

Die örtliche Brauerei konnte gerettet werden

18 seiner 47 Lebensjahre hat Olaf Heinrich darauf verwendet, die Geschicke von Freyung als Bürgermeister zu lenken. Er macht es auch nach drei Perioden mit Herzblut, Leidenschaft und Ideenreichtum. Schon als 22-Jähriger trat er in seiner Stadt als Bürgermeisterkandidat an – damals noch für die ÖDP. Er holte einen Achtungserfolg von 12,6 Prozent. Sechs Jahre später ging er für die CSU ins Rennen und gewann.

Der bekennende Familienmensch weiß noch heute, wie die Initialzündung erfolgte, in die Politik zu gehen. 16 Jahre war er damals alt. Er stand mit dem Vater im Garten, mit Blick auf den Dreisesselberg, und fragte ihn, ob er noch einmal Forstdirektor werden würde. Sein Vater, der seinen Beruf liebte, verneinte mit den Worten: „Wenn man wirklich etwas Entscheidendes verändern will, dann muss man in die Politik gehen.“ Dieser Satz fiel auf fruchtbare Erde und das Interesse an der Politik war geweckt.

Olaf Heinrich ging seinen eigenen Weg – immer begleitet durch seine Eltern, aber immer in Eigenregie und selbstbestimmt. Bevor er zum ersten Mal ins Amt gewählt wurde, forschte er an der Uni Augsburg im Bereich Regionalentwicklung und schrieb an seiner Doktorarbeit über die Weiterentwicklung der Stadt Freyung. Einiges, was er darin angeregt hat, hat er als Bürgermeister umgesetzt – zum Beispiel forderte er damals, aus dem Freibad müsse ein Naturbad werden: „Genau so steht es heute da.“

Als er die Wahl vor 18 Jahren ziemlich deutlich gewann, stand Heinrich vor allem vor zwei Herausforderungen: einer sterbenden Innenstadt mit vielen Leerständen und einem total zerstrittenen Stadtrat. Beidem ist er erfolgreich begegnet. Der Einzelhandel und die Gastronomie florieren in Freyung und der Stadtplatz ist rege besucht. Und von den 18 Haushalten wurden 17 einstimmig verabschiedet, einer mit einer Gegenstimme. In Kürze geht der Stadtrat wieder auf zweitägige Klausur in Niederalteich, um gemeinsam die Themen zu besprechen und Ideen zu erarbeiten. Die Maxime des Bürgermeisters ist es, alle ins Boot zu holen und auch hervorzuheben, wenn jemand anders einen guten Gedanken hatte, der zum Erfolg führt.

Seit 2013 Bezirkstagspräsident von Niederbayern

Genauso handelt er auch als Bezirkstagspräsident von Niederbayern – dieses Gremium führt er seit 2013 an. In seiner Stadt hat der Vater eines neunjährigen Sohnes verschiedene Projekte angestoßen und umgesetzt. Er hat die Volksmusikakademie nach Freyung geholt, die seit der Gründung ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Bayern darstellt. Hier nahm das Thema Musik in Freyung bereits Fahrt auf.
Ein weiterer Meilenstein ist dieser Tage erfolgt, der dem Amtschef sehr wichtig ist: der Spatenstich für das zweite kommunale Netzwerk, bei dem große Mengen Öl und Gas durch den Einsatz von Hackgut ersetzt werden können und an das große Einrichtungen wie Altenheime und das Krankenhaus angeschlossen sind.

Auch die traditionsreiche innerstädtische Brauerei Lang konnte durch ein innovatives Genossenschaftsmodell gerettet werden. Heinrich ist dort seit 13 Jahren ehrenamtlicher Aufsichtsratsvorsitzender und stolz, dass das Haus durch kluge Investitionen die modernste Brauerei ihrer Art im Freistaat ist. Psychologisch sei die Rettung von Lang Bräu für die Stadt sehr wichtig gewesen: „Das ist Traditions- und Heimatpflege pur.“

2023 gastierte die Landesgartenschau in Freyung, drei Jahre später eröffnete die Landesausstellung Musik in Bayern. Derzeit laufen intensive Vorbereitungen, aus den Ausstellungsräumen ein hochmodernes Science Center, ein Mitmach-Museum nach dem Vorbild des Bayerwald Xperiums in Sankt Englmar, zu machen – eine weitere Attraktion in der Kreisstadt. Zudem ist es dem Bürgermeister ein großes Anliegen, die kulturellen Angebote auszubauen. Er wünscht sich möglichst viele Kulturveranstaltungen, die kostenlos sind und bei denen sich die Generationen treffen.

Neuen Wohnraum in Bestandsgebäuden schaffen

Beim Thema Innenstadt hallt das, womit er sich im Studium schon beschäftigt hat, nach. Heinrich will neuen Wohnraum in Bestandsgebäuden schaffen. Der ehemalige Passauer Hof ist zum Gewölbehof umgenutzt worden und dem Stadtoberhaupt schwebt vor, hier ein Lesecafé zu eröffnen, in dem bei einer Tasse Kaffee gemeinsam Krimis gehört werden können: „Mir ist es wichtig, den Menschen Impulse zu geben, außer Haus zu gehen, ohne dass es viel Geld kostet.“

Bürgermeister und Bezirkstagspräsident sein – das erfordert ein äußerst hohes Maß an Zeit und Energie. Viel Gelegenheit für Hobbys gibt es da nicht. Wenn sich aber doch einmal eine Lücke im Terminkalender auftut, dann geht Olaf Heinrich mitunter in die Berge zum Wandern. Außerdem liest er gerne. „Leider viel weniger als früher“, sagt er schmunzelnd.

Und bei der Musik schließt sich der Kreis. Wenn der Alltag zu laut wird, dann setzt er sich seine Kopfhörer auf und taucht in klassische Konzerte ein. Und so ist die Musik für Olaf Heinrich beides: Impuls für seine Stadt und Rückzugsort für ihn selbst.
(M. Bäumel-Schachtner)
 

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

„Die Bundesregierungskoalition hat noch schnell Reformen angekündigt, ehe sie sich in die Berliner Sommerpause verabschiedete. Eine Sommerpause übrigens, die sich die Wirtschaft nicht leistet. Unternehmer und Manager sind stets am Sprung“, sagt Bertram Br

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.