Wie aus persönlichem Engagement, ehrlichem Einsatz und gelebter Demokratie etwas Großes entstehen kann, zeigt das Beispiel Landau an der Isar. In der knapp 15.000 Einwohner zählenden Stadt im Landkreis Dingolfing wählten die Bürger bei den Kommunalwahlen im März zum zweiten Mal Matthias Kohlmayer an die Spitze im Rathaus – und das, obwohl der 40-Jährige keiner der etablierten Parteien angehört. Wie schon vor sechs Jahren ging er als parteifreier Kandidat für die Interessengemeinschaft Landau gefällt mir, kurz LGM, ins Rennen.
Wohnungsbau hat oberste Priorität
Fast zwei Drittel der Stimmberechtigten gaben ihm in einer Stichwahl zum zweiten Mal in Folge ihr Vertrauen. Dem noch relativ jungen Bürgermeister liegt die Zukunft seiner Stadt sehr am Herzen, wie er im Gespräch mit der BSZ betont. Schon früh, erinnert er sich, habe er sich als gebürtiger Landauer Gedanken gemacht, wie er seine Heimatstadt konkret mitgestalten kann. Deshalb hat er sich nach dem Studium in München entschieden, sein Glück genau dort zu versuchen, wo er sich am wohlsten fühlt: in seiner Heimat. Bis zum politischen Quereinstieg war er Projektleiter beim Institut für Systemische Energieberatung an der Hochschule Landshut.
Sein Engagement in einer Bürgerinitiative 2012, aus der die heutige Wählervereinigung Landau gefällt mir entstanden ist, schärfte den Blick für die wesentlichen Belange der Isar-Stadt. Nach der offiziellen Gründung im Februar 2014 zog die LGM schließlich vor zwölf Jahren in den Landauer Stadtrat. Heute gehören dem 25-köpfigen Gremium neben Matthias Kohlmayer an der Stadtspitze fünf LGM-Mitglieder an – die Gruppierung hat damit sogar mehr Mandate als die CSU. Der Stadtrat ist stark zersplittert, was die Mehrheitsfindung nicht unbedingt leichter macht.
Bürgernähe, Gemeinwohl und Transparenz ist der LGM nach eigener Darstellung besonders wichtig. Im Kern seien alle Verbündete, denen es um die Heimat und deren Weiterentwicklung gehe, sagt Kohlmayer, der Vater einer vierjährigen Tochter ist.
Das eine große Thema, das alles andere überlagert, gibt es in Landau zwar nicht – doch eine echte Herausforderung sei der deutliche Trend bei der Nachfrage nach Bauland, sagt der Bürgermeister. Waren einmal Einfamilienhäuser gefragt, ist nun der Bürgerwunsch nach finanzierbaren Wohnungen in Mehrparteienhäusern angestiegen. Daher ist die Stadt sehr bemüht, mehr Wohnraum in dieser Form anzubieten. Er will auch die Infrastruktur weiter an die Bedürfnisse der Bürger anpassen: Egal, ob Straßenbau, Kindergartenplätze, Schulen oder Betreuungsangebote für Jung und Alt – es ist einiges zu tun.
Als nächstes großes Projekt steht der Bau der neuen Feuerwache an. Ein altes Wohnhaus neben dem Altbestandhat die Stadt bereits erworben, damit die Anforderungen dem Bedarfsplan und dem technischen Stand an eine moderne Wache entsprechen. Natürlich bleibe die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr in der Bauzeit sichergestellt, versichert der Rathauschef. Noch planen die Behörden auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie, doch nächstes Jahr soll schon Baubeginn sein. Da sich auch immer mehr Frauen bei der hiesigen Feuerwehr engagieren, werde man baulich darauf reagieren, so Kohlmayer.
Außerdem wird ein Starkregen- und Hochwasserschutzkonzept für die Isar-Stadt ausgearbeitet. Veränderte Ansprüche bei Bildung und Beruf fordern ebenso ihren finanziellen Tribut an die Stadt. Dazu zählt etwa die bald beendete Erweiterung der Grund- und Mittelschule mit zusätzlicher Ganztagsbetreuung. Ein großes Projekt, das mit Kosten von rund 15 Millionen Euro zu Buche schlägt.
Eine neue Kita geht im September in Betrieb. Die Einrichtung ist in städtischer Hand, freut sich Kohlmayer, der Interessenten und Personal um Bewerbungen bittet, damit ab Beginn möglichst viele Gruppen geöffnet werden können. Die neue Staatliche Berufsfachschule für Kinderpflege, die erst 2024 in Landau eröffnet wurde, sei dafür natürlich: ideal.
Landau wurde unter seiner Regie auch prämiert. Als bestes Naturschutzprojekt in ganz Europa erhielt die Stadt den Life Award mit Fördermitteln der Europäischen Union für die Renaturierung des kanalisierten Isarstrands unter dem Titel „Flusserlebnis Isar“. So gewann die Kommune mit ihren Projektpartnern vor zwei Jahren auch den „Umwelt-Oscar“. Die Jury lobte die aufgewertete ökologische Flusslandschaft mit gesteigertem Erholungswert: Die Uferzonen sind jetzt für die Bevölkerung zugänglich.
In Landau ist viel geboten. Diesen Sommer etwa gibt es dort ein Weinfest mit der gleichnamigen Partnergemeinde aus der Pfalz, kostenfreie Live-Musik-Tage unter dem Motto „Landau lauscht“ und ein Naturerlebnis-Fest an den renaturierten Flächen an der Isar. Das Landauer Stadtoberhaupt ist sich sicher: Solche Feierlichkeiten sind der „soziale Kitt“, der der ganzen Gemeinde guttut.
Mit den Stadtwerken, einem eigenen Seniorenheim, bald fünf Kindergärten im eigenen Betrieb oder dem Bauhof ist die Gemeinde auch Arbeitgeber von etwa 350 Angestellten.
Klamme Kassen kennt die prosperierende Stadt dank ordentlicher Gewerbesteuereinnahmen nicht. Ein Erfolgsrezept sind Beobachtern zufolge moderate Hebesätze. Die Einnahmen waren in der Stadt viele Jahre massiv gestiegen, der Branchenmix und wachstumsstarke Firmen waren laut Kohlmayer ausschlaggebend. Das sei eine Win-win-Situation.
Auch bei Tiktok und Facebook aktiv
„Wenn Unternehmen wachsen, können wir auch weiter in die Infrastruktur investieren, dann siedeln sich auch Fachkräfte an. Im Bestfall schaffen wir so einen guten Kreislauf, von dem alle profitieren“, freut sich der Bürgermeister. Die Finanzsituation ist weiterhin gut.
Rathauschef Matthias Kohlmayer möchte für die Bürger, ihre Wünsche und Sorgen ansprechbar bleiben, um diese aufzugreifen. Bei aller Verantwortung als Bürgermeister ist ihm wichtig, dass immer die Gemeinschaft im Mittelpunkt steht, nicht die eigene Eitelkeit. Deshalb erreicht man ihn telefonisch im Büro, per Mail, bei Vereinsveranstaltungen, auf Facebook oder Tiktok direkt.
Sein Amt macht ihm viel Freude und Spaß, er spricht selbst von einer „großen Ehre“. Unterschiedliche Themen und Menschen ließen ihn nicht zuletzt fachlich dazulernen, so der Rathauschef. „Dazu habe ich das Glück, dass ich ein Superteam habe.“ Und auch, dass ihm trotz seiner Aufgaben für Landau sein Freundeskreis geblieben sei, mit dem er seit vielen Jahren verbunden ist, sei sicher nicht selbstverständlich – aber schön und wichtig.
(Marie-Julie Hlawica)
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