Kommunales

Häufig wird das Teufelszeug unter dem verharmlosenden Namen „Badesalze“ vertrieben – und Konsumenten so bewusst getäuscht. (Foto: dpa)

22.12.2017

Extratherapie bringt Erfolge

Neue Wege in der oberfränkischen Bezirksklinik Hochstadt

Sie werden als Kräutermischungen, Badesalze oder auch Reiniger angeboten. Doch es handelt sich bei den sogenannten Legal Highs um psychoaktive Substanzen, die geraucht, geschnupft oder geschluckt werden. Auch wenn sie nicht wie Ecstasy oder LSD durch das Betäubungsmittelgesetz verboten sind, sind sie hochgefährlich, doch ein wissenschaftlich gestütztes Therapiekonzept gibt es nicht. Eine Entwöhnung, wie sie bei anderen Suchtpatienten üblich ist, ist nicht der richtige Weg.

Die Bezirksklinik Hochstadt der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken (GeBO) geht daher einen anderen, einen neuen. Einen, bei dem auch Mitpatienten helfen müssen. Mit einer neuen Methode will die Suchtfachklinik den Kampf aufnehmen. Der Therapeutische Leiter, Maximilian Straif, spricht von einer „Werkzeugkiste, mit der man die einzelnen Schrauben wieder anzieht“. Ziel ist eine stark individualisierte Behandlung der Suchtkranken. Das Problem dieser Kräutermischungen ist, dass sie – noch stärker als beispielsweise Cannabis – psychotisch auf die Menschen, die sie konsumieren, wirken. Wer eine Kräutermischung zu intensiv konsumiert, wird lebensunfähig. Die Behandlung von Suchtpatienten, die Legal Highs konsumieren, laufe grundsätzlich ab, wie jede andere Suchtbehandlung: durch Gruppen- und Einzeltherapie. Aber aufgrund der Besonderheiten der Wirkung der Legal Highs müsse man solche Patienten auch besonders behandeln. Mit dem Standardprogramm zur Suchtbehandlung, das bisher bei Kräutermischungs-Konsumenten zum Einsatz kam, komme man nicht weit.

Aufklärung über Psychosen und Krampfanfälle


Und hier kommt der von Straif angesprochene Werkzeugkasten ins Spiel. Die Ärzte und Therapeuten an der Bezirksklinik arbeiten mit Behandlungsmodulen. „Jeder Patient bekommt, was er direkt braucht.“ Das kann beispielsweise sein, dass er Hilfe erhält, seinen Alltag zu meistern. Pünktlich aufzustehen gehört dazu, aber auch das Aufräumen der Wohnung. In diesem Modul kommt auch der Mitpatient zum Einsatz. Die Patienten sollen sich bei diesem Üben von Alltagsfähigkeiten gemeinsam unterstützen. Ein weiteres Modul sei die Aufklärung über Psychosen oder Krampfanfälle, die beim Konsum der Kräutermischungen auftreten. Und ein anderes sei, kognitive Fähigkeiten über Computer-programme zu trainieren, um entstandene Defizite zu beheben. Wie viele Menschen Legal Highs konsumieren, darüber gibt es kaum gesicherte Zahlen. In der Hochstadter Suchtfachklinik sind es etwa zehn Prozent der Suchtpatienten, die Legal Highs zumindest mitkonsumiert haben.

Behandelt werden in Hochstadt zwar nur Erwachsene. Psychologe Straif aber weiß, dass das Einstiegsalter bei etwa 14 Jahren liegt. „Oft sind es unerfahrene Konsumenten.“ Eben weil sich diese Drogen sehr leicht beschaffen lassen – auch wenn das Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetz (NpSG) seit November 2016 ganze Stoffgruppen der Kräutermischungen verbietet, die Legalität also nicht mehr ganz so gegeben sei wie zuvor. Dennoch gilt: Wer will, kommt leicht an Kräutermischungen heran. (Uli Sommerer)


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