Kommunales

10.05.2026

Hofnahe Schlachtung: Ein würdiges Ende

Nicht nur im Landkreis Cham setzen Landwirte und Veterinärämter zunehmend auf hofnahe Schlachtung

In vielen Regionen fehlen Schlachthäuser. In mehreren Landkreisen im Bayerischen Wald machten Bauern und Behörden aus der Not eine Tugend – dort geht der Trend zur hofnahen Schlachtung. Von diesem nachhaltigen Modell profitieren letztlich alle.

Stefan Freimuth würde es immer wieder tun – aus Überzeugung. Vor sieben Jahren hat er auf seinem Angushof in der Nähe von Bad Kötzting die nötige Infrastruktur geschaffen und schlachtet seither selbst auf seinem Hof. Damit die Tiere möglichst wenig Stress haben und das Letzte, was sie sehen, nicht ein wildfremder Metzger, sondern eine Bezugsperson ist, hat er eine Ausbildung absolviert – in Augsburg hat er das Schlachten gelernt, nun darf er es selbst tun.

Er ist einer von insgesamt elf Rinderhaltern im Landkreis Cham, die sich für die sogenannte hofnahe Schlachtung entschieden haben. Begleitet werden die Landwirte vom Veterinäramt. Eng verbandelt ist Stefan Freimuth dabei auch mit dem Landkreis Regen: Er liefert das geschlachtete Tier nach Viechtach.

Der Umstieg war freilich nicht billig: Die Eisenteile für den Schlachtstand, den Hänger als mobile Einheit und den sogenannten Schlachtschragen, ein Wagen, auf den man die Tiere legt – all diese Investitionen summierten sich auf rund 14 000 Euro.

Kaum Stress für die Tiere

Das Geld musste Stefan Freimuth selbst berappen. Doch jeder Euro dieser Investition sei es wert gewesen. Er sieht nur Vorteile: Das Tier hat keinen Stress, wenn es am Hof geschlachtet wird, und die Methode ist auch für den Landwirt sehr sicher. Gut zwei bis drei Monate vorher werden die schlachtreifen Tiere aus der Herde genommen und bleiben dann zusammen. „So gibt es keinen Trennungsstress“, weiß der 42-Jährige.

Rund eineinhalb Wochen vor dem Schlachten kommt das Rind jeden Tag in die Schlachteinheit und wird dort gefüttert: „Die Tiere gehen gerne rein, so auch am Schlachttag. Sie wissen, dort gibt es etwas zu fressen. Und dann dauert es nur einen Augenblick, dann ist das Leben vorbei.“

Der Nebenerwerbslandwirt arbeitet mit einem Bolzenschussapparat, ein zweiter liegt immer parat, sollte doch einmal etwas schiefgehen. Diese Methode bevorzugen auch das Veterinäramt und das bayerische Umweltministerium, wie Amtstierärztin Lisa Neumeier und Veterinärassistent Alois Hanauer unisono bekräftigen.

Kaum Extrabürokratie für die Landwirte

Es ist vorgeschrieben, dass das Tier unverzüglich nach dem Schuss zum Metzger gebracht wird. In Freimuths Fall ist das die Metzgerei Fischer in Viechtach. Dort wird das Tier verarbeitet. Metzgerei und Landwirt schließen dazu eine Vereinbarung, wie vorgeschrieben. Freimuth setzt danach auf Direktvermarktung.

Das Fleisch zu verkaufen, ist für den Nebenerwerbslandwirt nie ein Problem. Er postet in einer Whatsapp-Gruppe, wenn Fleisch verfügbar ist, und binnen kürzester Zeit ist es ausverkauft. Mehr Werbung muss er gar nicht machen.

Die Kunden werden von selbst mehr, auch durch Mundpropaganda und durch das Probieren bei Bekannten. Er könnte mehr Produkte anbieten, das will er aber nicht: So wie jetzt, ist die Arbeit für den Brandmeldetechniker im Hauptberuf gut zu bewältigen. Sie ist für ihn „ein schöner Ausgleich“.

Er bietet als einer der ganz wenigen auch „Kuh-Leasing“ an: Verbraucher können sich bei einem Kalb einkaufen, zahlen rund zweieinhalb Jahre lang 140 Euro pro Monat und erhalten dann nach der Schlachtung des erwachsenen Tieres das Fleisch. Bei ihm bestellen auch Kunden, die wenig oder sonst gar kein Fleisch essen. Sie stehen hinter dem Wirken von Stefan Freimuth.

Einfaches Verfahren für die Betriebe

Wer sich für die hofnahe Schlachtung entscheidet, zu dem kommt zu Beginn einmal das Veterinäramt und nimmt alles ab. Danach reicht es, wenn ein amtlicher Tierarzt anwesend ist. Drei Tage vor der Hofschlachtung muss sich der Landwirt beim Veterinäramt melden.

Vor genau zehn Jahren kam im Landkreis Cham der erste Betrieb auf die Verantwortlichen im Landratsamt zu mit dem Wunsch, Tiere am Hof zu schlachten. Schnell sind es mehr geworden.

Hofnahe Schlachtung gibt es laut Hanauer auch in anderen Landkreisen, in Cham sind es aber besonders viele – und zwar lauter Rinderhalter, weil hier der landwirtschaftliche Schwerpunkt in der Region liegt. Das Prinzip lässt sich auf alle Huftiere übertragen, zum Beispiel auf Schafe und Pferde. Wichtig ist dem Veterinäramt bei Landwirten, die auf extensive Haltung setzen, dass die Tiere dennoch Kontakt zum Menschen haben und nicht das ganze Jahr auf der Weide sind, ohne angefasst zu werden – sonst reagieren sie panisch, wenn sie tierärztlich versorgt oder auch geschlachtet werden müssen. Darauf schauen die Verantwortlichen auch ganz genau.

Bei Stefan Freimuth ist das kein Problem. Während er seine Herde betrachtet, die wegen der Insekten wieder vom Grün draußen ins Stallinnere gewandert ist, kommt ein Kälbchen auf ihn zugetrabt und holt sich ein paar Streicheleinheiten. Wenn es eines Tages geschlachtet wird, dann tut Freimuth das professionell, aber auch nachdenklich: „Da läuft dann in mir immer ein ganzer Film ab und ich erinnere mich, wie es auf die Welt gekommen ist und wir es großgezogen haben.“

Der Landwirt scrollt auf seinem Handy und zeigt zwei Formulare. Mehr muss bei einer hofnahen Schlachtung gar nicht ausgefüllt werden: „Es ist kaum zusätzlicher Aufwand.“ Auch Alois Hanauer und Medizinerin Neumeier loben, dass nicht viel Bürokratie dahintersteckt: „Es ist wirklich einfach.“

Überzeugungstäter Freimuth will auch anderen Landwirten zeigen, welche Vorteile die Methode hat. Deshalb führt er sie gerne auf seinem Betrieb herum. Und er freut sich darüber, dass seine Tiere glücklich und stressfrei leben, dass die fehlenden Stresshormone sich in Sachen Fleischqualität auszahlen und die Kunden zufrieden sind – und immer wieder kommen. „Ich würde es nicht mehr anders machen wollen“, ist er sich ganz sicher. Regionale Schlachthöfe geraten in Bayern seit Jahren zunehmend unter Druck. (M. Bäumel-Schachtner)

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