Das Voralpenland ist bei den Menschen sehr beliebt. Dementsprechend voll ist es auf den Radwegen an den großen oberbayerischen Seen. Der Kampf gegen die wachsenden Verkehrsprobleme ist für Kommunen recht aufwendig.
Die Ranger sind wieder unterwegs. Mit dunkelblauen Jacken und blauen Kappen ausgestattet streifen sie das Chiemseeufer entlang. An Wochenenden und Feiertagen sind die 16 Ranger im Einsatz, kümmern sich darum, dass es auf den Uferwegen entlang des Chiemsees friedlich zugeht, helfen den Radlern und Wanderern mit Ratschlägen. Vor drei Jahren startete das Projekt des Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee (AUV), an dem die Gemeinden Bernau, Chieming, Grabenstätt, Gstadt, Prien, Rimsting, Seeon-Seebruck und Übersee beteiligt sind.
Die Ranger sind eine Reaktion auf die wachsende Popularität des Chiemsee-Radwegs, den in den letzten Jahren immer mehr E-Biker und Gravelbiker für sich entdeckt haben. Der knapp 60 Kilometer lange Radweg ist bei Ausflüglern und Urlaubsgästen gleichermaßen beliebt. Und das sorgt dafür, dass es an zahlreichen Engstellen wie etwa südlich von Gstadt, in Seebruck an der Alzbrücke oder zwischen Prien und Bernau recht stressig werden kann. Auf den Uferwegen sind Wanderer, gemütliche und oft wenig erfahrene E-Biker und neuerdings immer mehr recht flotte Gravelbiker unterwegs.
Alternative Routen für Gravelbiker
Beim Chiemgau Tourismus hat man nun die Strategie erweitert und bietet speziell für Gravelbiker alternative Routen an. „Bei den zehn neuen Gravelbike-Touren mit dem Titel Chiemgau Gravel Escapes dreht es sich genau darum: die Radfans auf weniger frequentierte Strecken aufmerksam machen, auf weniger bekannte, aber ebenso schöne Ziele, Einkehrmöglichkeiten und Aussichtspunkte“. sagt Franz Bauer, Geschäftsführer Tourismus bei der Chiemgau GmbH in Traunstein. Der Chiemsee-Radweg selbst wird aktuell nicht beworben.
Akuter Handlungsbedarf in den Gemeinden
Der Chiemsee ist kein Einzelfall. Die wachsende Popularität des Radfahrens schafft an einigen bekannten oberbayerischen Seen für einen markanten Overtourism-Effekt. Und für Gemeinden und Tourismusverbände zeichnete sich bald akuter Handlungsbedarf ab. Auch am Tegernsee ist der Andrang speziell an Wochenenden und während der Ferien groß. Der Tegernsee-Radring ist mit 20 Kilometern deutlich kürzer als der Chiemsee-Radweg, hat aber wegen der Ortsdurchfahrten und engen Uferbereiche etliche Engstellen. Problematisch sind vor allem die Durchfahrt in Tegernsee, der Abschnitt am Ringsee und in Bad Wiessee. Dazu blockieren Tagestouristen mit ihren Autos oft die Radwege.
Die Alpenregion Tegernsee Schliersee beteiligt sich an dem vom bayerischen Tourismusministerium geförderten Projekt „Smarte Tourismus Region“ (STR). In der Region, die bis zu 70.000 Tagesgäste verzeichnet, werden Besucherströme an stark frequentierten Stellen mithilfe von digitalen Echtzeitdaten gesteuert. Mit automatisch erfassten Daten zu Parkplätzen und Verkehrsfrequenz mithilfe von Kamerasystemen und Induktionsschleifen entstehen mit künstlicher Intelligenz Prognosen zur Verkehrsentwicklung. Sinnvolle Alternativrouten werden über verschiedene Kanäle von der eigenen Website bis zum Verkehrsfunk kommuniziert. Das betrifft schwerpunktmäßig vor allem den Autoverkehr. Beim Radtourismus kooperiert man mit der Regionalentwicklung Oberland (REO) in Miesbach, arbeitet an der Verbesserung der Radwege. Da geht es am Tegernsee beispielsweise um den Neubau eines Radwegs in Weissach, überarbeitete Radverkehrslenkungen in Rottach-Egern und Bad Wiessee sowie um die Erstellung neuer Radübersichtstafeln, präzisiert Ilona Kaffl von der REO die Aktivitäten.
Auch am Starnberger See lebt man mit zunehmendem Radverkehr entlang der Uferwege. Der gut 50 Kilometer lange Radweg ist nicht nur wegen der Nähe zu München und der guten Erreichbarkeit reichlich frequentiert. Auch die Tatsache, dass er überwiegend in direkter Ufernähe verläuft, macht ihn begehrenswert. Dazu ist er weitgehend flach und kann bequem mit der Seeschifffahrt kombiniert werden. Das alles sorgt dafür, dass an Spitzentagen einige Tausend Radler dort unterwegs sind und sich an vielen Stellen den Weg mit Wanderern teilen müssen.
Den Ausflugsverkehr optimieren
Neuralgisch sind da der Bereich an der Seepromenade in Starnberg, das Erholungsgebiet vor dem Schloss Possenhofen, der Weg bei Ambach nahe des Gasthauses Zum Fischmeister und einige Engstellen bei Kempfenhausen.
In den letzten Jahren haben die Gemeinden zusammen mit zuständigen Behörden ein Maßnahmenpaket entwickelt, mit dem man den Ausflugsverkehr optimieren will. Dazu gehören zahlreiche Infrastrukturmaßnahmen, Besucherlenkungen mit Beschilderungen sowie lokale Verbote.
Der Landkreis Starnberg arbeitet zusammen mit der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusentwicklung (gwt) in Starnberg an einer Beschilderung des kompletten Radwegs, die vor allem an neuralgischen Stellen helfen soll. So versucht man mit entsprechenden Schildern an der Seepromenade in Starnberg die Radler von den Fußgängern zu trennen. Zusätzlich gibt es in diesem Bereich einige Schiebegebote. An konkreten Stellen wird der Parkraum für Autos reduziert, damit der Fahrradverkehr mehr Platz hat.
Auch am Starnberger See versucht man mit digitaler Unterstützung die Verkehrsströme zu erfassen und zu lenken. „Staufrei durch StarnbergAmmersee“ heißt das Projekt. Parkplätze sollen so vernetzt werden, dass die Auslastungsinfos direkt am Smartphone der Besucher landen und notfalls Alternativen angeboten werden. Daten werden in der Bayern-Cloud Tourismus gesammelt und öffentlich präsentiert. Bereits jetzt gibt es einen Ausflugsticker der Regionalagentur gwt mit Auslastungszahlen und Ausflugstipps.
(Georg Weindl)
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