In Fürth regiert seit Mai 2002 Bayerns Langzeitoberbürgermeister Thomas Jung (SPD). Nach 24 Jahren kann der frühere Landtagsabgeordnete relativ entspannt auf die Kommunalwahl blicken. Ganz im Gegensatz zu seinen Konkurrenten Max Ammon (CSU) und Kamran Salimi (Grüne).
Den Langzeitoberbürgermeister Thomas Jung (SPD) vom Thron zu stoßen, dürfte schwierig bis geradezu unmöglich werden. Denn er regiert seit dem 1. Mai 2002 die Stadt Fürth. „Eine Wechselstimmung ist nicht erkennbar“, sagt er der Staatszeitung. Für den promovierten Juristen wäre es die fünfte Amtszeit. Damit würde er dienstältester Oberbürgermeister einer bayerischen Großstadt bleiben. Genauso wie der am längsten amtierende Oberbürgermeister der Kleeblattstadt in der Nachkriegszeit.
Bei der Bevölkerung ist Jung sehr beliebt. Das ist kein Wunder, hat er doch in den vergangenen 24 Jahren die Nachbarstadt der Frankenmetropole Nürnberg von einer grauen Maus in ein strahlendes Einkaufsparadies verwandelt. Das goutieren auch die Nürnberger, indem sie einfach mal schnell mit der U-Bahn nach Fürth fahren, um dort shoppen zu gehen. Jung hat auch verhindert, dass die seit Jahren in Fürth beheimatete Filiale eines schwedischen Möbelgiganten abwandert. Innerhalb eines Jahres sollten 100.000 Quadratmeter für eine Erweiterung zur Verfügung gestellt werden, ansonsten wandere der Möbelgigant nach Schwabach ab. Jung gelang der Coup.
Doch Jung hat für Fürth mehr erreicht, als nur einen gigantischen Einkaufstempel zu schaffen. Ungewöhnlich war auch sein früher Einsatz für die Solarenergie. So kippte er als Erster im Freistaat eine in seinen Augen sinnlose Regelung, wonach auf Schrebergartenhäuschen maximal ein Quadratmeter Solarfläche sein durfte. Enorm war sein Einsatz für Sonnenstrom im Fall des sogenannten Solarbergs im Stadtteil Atzenhof. Der ehemalige Müllberg wurde kurzerhand für die Installation von 5760 Solarmodulen genutzt.
Für jedes Kind einen Kitaplatz
Für die kommende Legislaturperiode hat sich Jung vorgenommen: „Jedem Kind einen Kitaplatz zur Verfügung zu stellen, die Schulden weiter abzubauen und zwei neue Gymnasien fertigzustellen.“ Auch den Neubau am Klinikum Fürth mit neuen Operationssälen und einer neuen Intensivstation will er zu Ende bringen. Darüber hinaus will er dafür sorgen, dass der Fürther Hauptbahnhof endlich barrierefrei wird. Außerdem will er für 2000 neue Wohnungen sorgen. Denn Fürth boomt.
Das sieht man an den Arbeitsplätzen. Denn zu Jungs Amtsantritt 2002 gab es knapp 44.000 Jobs und nur knapp 110.000 Einwohner. Diese Zahlen kletterten auf rund 51.000 Arbeitsplätze und über 132.578 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025). Und diese Entwicklung soll fortgesetzt werden. In den Fürther Gewerbegebieten sollen nach Jungs Vorstellungen noch weitere 2000 bis 3000 neue Jobs entstehen. Damit würde er seine Erfolge in diesem Feld fortführen. Diese sind aber mit ein Verdienst der Kooperation mit der CSU im Stadtrat. Wirtschaftsreferent Horst Müller (CSU) kämpft nämlich wie ein Löwe für die Kleeblattstadt.
Damit diese noch attraktiver wird, will Jung Flächen entsiegeln und mehr Grün in die Stadt bringen. „Das soll vor allem an drei zentralen Plätzen geschehen“, betont er. Seine Ambitionen, am Fluss Pegnitz eine neue Uferpromenade zu errichten, sehen andere im Stadtrat kritisch. Denn Tiere könnten sich gestört fühlen.
Herausfordernde Lage für den CSU-Kandidaten
Für den OB-Kandidaten Max Ammon, der Vorsitzender der CSU-Stadtratsfraktion ist, gestaltet sich somit die Lage in Fürth sehr herausfordernd. Deshalb sucht der Metzgermeister und Mitinhaber der Familienmetzgerei Ammon im Fürther Stadtteil Burgfarrnbach bewusst Schwachpunkte. Er betont, dass OB Jung unbestritten die Fürther Innenstadt aufgemöbelt hat. „Aber dafür sind andere Stadtteile vernachlässigt worden“, sagt er. Gerade die Fürther Südstadt leidet ihm zufolge unter einem eklatanten Parkplatzproblem. Zwar sollen zwei neue Parkhäuser gebaut werden, doch deren Realisierung hätte laut Ammon längst stattfinden können. „Ich setze auf Quartiersgaragen und Gespräche mit Supermarktbetreibern und anderen Betriebsinhabern. Denn dort könnten außerhalb der Geschäftszeiten die Parkflächen genutzt werden“, erklärt Ammon.
Massive Kritik übt er an der jahrelangen Praxis der Stadt Fürth, bei Neubauten einfach die Ablöse für die vorgeschriebenen Stellplätze zu kassieren. „Das ist zwar schön für die Stadtkasse, schafft aber zusätzlichen Parkdruck.“ Insgesamt ist Ammon der Auffassung, dass man mit restriktiven Maßnahmen, den motorisierten Individualverkehr einzudämmen, nichts beziehungsweise das Gegenteil erreicht. Druck erzeuge bekanntlich Gegendruck. Darum muss man laut Ammon den Menschen ein attraktives alternatives Angebot machen, wie etwa einen besseren ÖPNV.
"Katzenklo mit Rutsche"
In diesem Bereich übt Ammon auch Kritik am bisherigen Kurs von OB Jung. Dieser halte nichts von Ringbuslinien. Dabei wären diese durchaus sinnvoll, damit die Menschen nicht immer ins Stadtzentrum müssen, um dort umzusteigen.
Auch beim Neubau von Wohngebäuden kann laut Ammon mehr getan werden. Denn die dort installierten Spielplätze glichen meist einem „Katzenklo mit Rutsche“. Das müsse nicht sein.
Außerdem will Ammon Fürth wieder sicherer machen. 20 Jahre lang sei die Kleeblattstadt die sicherste Großstadt Deutschlands gewesen. Jetzt liegt Fürth auf Platz zwei. Darum fordert Ammon mehr Videoüberwachung.
Grünen-Kandidat setzt auf das Thema "Mehr bezahlbarer Wohnraum"
Die Grünen in Fürth gehen mit Kamran Salimi ins Rennen um den OB-Sessel. Er sieht vor allem beim bezahlbaren Wohnen einen enormen Nachholbedarf in Fürth. „In den letzten Jahren sind immer mehr Mikroapartments entstanden“, moniert er. Das sei ein einträgliches Geschäft für Bauträger, aber die Bevölkerung habe kaum etwas davon. Salimi will dafür sorgen, dass die rund 2000 Wohnungen, die in Fürth leer stehen, gemanagt und dem Mietmarkt zugänglich gemacht werden. Außerdem ist er der Ansicht, dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht stärker ausüben sollte und die erworbenen Flächen an Wohnbaugenossenschaften weiter veräußern sollte.
Beim Thema ÖPNV vertritt er fast die gleiche Meinung wie sein CSU-Konkurrent Ammon. „Wir haben vor sechs Jahren mal einen Bus gemietet und für einen Tag eine Ringbuslinie etabliert. Das wurde sehr gut angenommen“, erzählt Salimi. Deshalb fordert er eine Ringbuslinie. „Unsere Buslinien sind historisch gewachsen und müssten neu geordnet werden. Es kann nicht sein, dass das in anderen Städten problemlos geht, wir in Fürth aber eine Doktorarbeit daraus machen.“ Auch eine Reaktivierung der Straßenbahn in Fürth kann er sich gut vorstellen. Vor allem, um die Südstadt besser anzubinden.
In Sachen Klimaanpassung fordert Salimi ein Schwammstadtkonzept für Fürth. „Es sind nicht die Auflagen, die das Bauen kompliziert machen, sondern die leer gefegten Fördertöpfe.“ Außerdem will Salimi mehr für die Jugend machen. „Wir haben zwar partiell Stadtteiltreffs, aber ein zentrales, selbst verwaltetes Jugendzentrum fehlt.“ Darüber hinaus moniert er, dass es in Fürth keine Disco gibt.
(Ralph Schweinfurth)
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