Kommunales

Ist seit 2002 OB von Nürnberg: Ulrich Maly (SPD). (Foto: Daniel Karmann/dpa)

11.03.2019

"Lichtgestalt der SPD": Maly hört auf

30 Jahre im Rathaus, 18 davon an der Spitze: Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly will bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr kandidieren. Die Entscheidung kommt überraschend

Es ist eine faustdicke Überraschung und eine Zäsur für Nürnberg und die SPD in Bayern: Nach 18 Jahren als Nürnberger Oberbürgermeister will Ulrich Maly (SPD) bei den Kommunalwahlen 2020 nicht mehr antreten. Das habe er nach reiflicher Überlegung beschlossen, sagte der 58-Jährige. Für den äußerst beliebten Kommunalpolitiker ist es auch ein Abschied aus der Berufspolitik insgesamt, denn eine politische Karriere auf Bundes- oder Landesebene schließt er aus. "Hätte ich in der Politik unbedingt bleiben wollen, dann hätte ich möglicherweise die Gelegenheit gehabt, wieder anzutreten im nächsten Jahr", erklärte er.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würdigte den OB seiner Heimatstadt bei Twitter als "Lichtgestalt der SPD in Bayern". Maly sei einer der besten Oberbürgermeister Deutschlands, schrieb der CSU-Chef.

Den Posten als Oberbürgermeister hatte Maly 2002 vom damaligen CSU-OB Ludwig Scholz übernommen - und fast zwei Jahrzehnte lang gehalten. Maly gilt als redegewandter und beliebter Kommunalpolitiker. 2014 hatte der zweifache Familienvater die Wahl zum Stadtoberhaupt mit breiter Mehrheit von 67,1 Prozent für sich entschieden. Eine Forsa-Umfrage hatte ihm im vergangenen Sommer den Titel beliebtester Großstadt-Bürgermeister bescheinigt.

Maly fragte sich:  "Entwickelst Du dich noch weiter?"

Auch wegen solch guter Umfragewerte hatten viele Beobachter mit einer vierten Kandidatur des gebürtigen Nürnbergers gerechnet. "Ich habe viele überrascht", gab Maly zu. Mit der Frage, wann der richtige Zeitpunkt für das Aufhören sei, habe er sich schon länger beschäftigt. In einem solchen Amt müsse man sich in regelmäßigen Abständen fragen: "Entwickelst Du dich noch weiter? Bringst Du die Kraft auf, dich jeden Tag neu zu erfinden - auch inhaltlich?"

18 Kalenderjahre als Oberbürgermeister seien gefühlt 25 Lebensjahre, so der Volkswirt. Davor sei er sechs Jahre Kämmerer gewesen und insgesamt 30 Jahre im Nürnberger Rathaus. Die meisten würden einfach zu lang bleiben. "Und das bestätigt mir auch der Blick in viele Rathäuser, wo sich die Leute denken: "Mein Gott, wann hört denn der Alte endlich auf?"". Dieses Schicksal habe er sich und den Menschen in Nürnberg ersparen wollen. Es sei nicht gut für die Demokratie, wenn man zu lange an seinem Sessel klebe. "Es muss von Zeit zu Zeit ein Stabwechsel sein." Auch wenn er viele in seiner Partei mit seiner Entscheidung gehörig erschreckt habe.

Für die SPD ist der Abgang Malys eine schwerer Rückschlag

Für die ohnehin leidgeprüften bayerischen Genossen ist der geplante Abgang Malys eine schwerer Rückschlag, vor allem im Hinblick auf die bayernweiten Kommunalwahlen am 15. März 2020. Sie respektiere Malys Entscheidung, sagte SPD-Landeschefin Natascha Kohnen. "Aber ich bin traurig und bedaure es." Die Nürnberger SPD sei aber gut aufgestellt und werde die Stabübergabe gut regeln. Ob sie nicht Sorgen hat, dass die SPD den Nürnberger OB-Sessel verlieren könnte? "Nein", sagt Kohnen. Sie sei da sehr zuversichtlich. Wer statt Maly bei der Kommunalwahl in den Ring steigen soll, will die SPD in Nürnberg bei einem Parteitag am 16. Mai entscheiden.

Und Maly? Dem fällt der Abschied schwer, "weil ich den Job auch gelebt habe mit meiner ganzen Persönlichkeit". Aber im Inneren sei er total überzeugt davon, dass es die richtige Entscheidung sei. Vielleicht komme sie ein, zwei Jahre zu früh. Aber 2026 - so lange gehe die nächste Stadtratsperiode - wäre für ihn zu spät, sagte Maly. Was er als nächstes tun wolle, wisse er noch nicht. "Ich habe nicht vor, irgendwo groß Geld zu verdienen - ich werde erstmal nichts tun." Nürnberg bleibe seine Stadt und er werde mit großer Neugier weiterhin auf das Rathaus blicken. "Allerdings nie Leserbriefe schreiben." (Aleksandra Bakmaz, dpa)

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