Kommunales

Stahlgerippe über dem Wald: Der Metallbau der 90-Meter-Schanze blieb unvollendet, nachdem der Markt Berchtesgaden der beauftragten Firma gekündigt hat, weil diese nicht lieferte. (Foto: Kilian Pfeiffer)

04.09.2026

Millionenprojekt am Kälberstein steht still

Stahlbauer gekündigt: Wann die Max-Aicher-Schanze für den Deutschen Skiverband fertig wird, ist ungewiss

Oben am Kälberstein, an Berchtesgadens neuer Skisprungschanze, ist es still. Kein Kran, kein Hämmern. Ein einziger Arbeiter. Am Hang des Millionenprojekts stehen die neuen Schneekanonen, ordentlich aufgereiht, als warteten sie auf etwas. Ein Betonband zieht sich den Berg hinunter, daneben Stahlteile, die noch keinen Platz gefunden haben. Wer nicht weiß, was hier fehlt, könnte das für einen Zwischenstand halten. Es ist aber ein Stillstand, und er zieht sich seit fast einem Dreivierteljahr.

Der Grund liegt in einem gekündigten Vertrag. Der Markt Berchtesgaden hat sich von jener Firma getrennt, die den Stahl- und Metallbau der neuen Sprungschanze ausführen sollte. Es geht um rund 20 Prozent des Auftragsvolumens. „Der Stahlbauer hat den Vertrag nicht erfüllt“, sagt Bürgermeister Alexander Resch. Mehr sagt er dazu nicht. „Aktuell ist ein Verfahren am Laufen. Eine spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei vertritt uns da.“

Nachfolgegewerke sind längst beauftragt 

Das Problem ist nicht die Größe des Auftrags allein, es ist seine Lage im Bauablauf. Stahl trägt hier fast alles, was oberhalb des Betons kommt: die Aufsprungbahn, den Trainerturm, den Aufzug. Fertig seien der Aufzugsturm und, weitgehend, die Anlaufspur, sagt Resch. Der Rest wartet auf eine Firma, die es erst noch zu finden gilt, weil die Vorgängerfirma einfach nicht mehr kam, sagen die Rathaus-Mitarbeiter. Die Nachfolgegewerke sind längst beauftragt und können nicht arbeiten. Wann auf der großen Schanze wieder gesprungen wird, weiß derzeit niemand im Rathaus. Man spricht dort von einer nicht absehbaren Verschiebung.

Marktbaumeister Peter Hasenknopf begleitet das Projekt seit mehr als zwölf Jahren. Er hat Förderanträge geschrieben, Planungen umgeworfen, Kostensteigerungen erklärt. Für das, was jetzt passiert ist, hat er aber keinen Vergleich. „Wir sind ins Stocken geraten. So etwas hatten wir noch nie, dass einer nicht kommt.“

Heikel wird die Sache durch das Geld, das nicht aus Berchtesgaden stammt. Rund 90 Prozent der Kosten tragen Bund und Freistaat, je etwa zur Hälfte. Bauherr aber ist der Markt, Nutzer der Deutsche Skiverband. Jede Kündigung, jede Neuvergabe, jede Verzögerung muss deshalb mit den Fördergebern abgestimmt werden, sonst droht am Ende der schlimmste aller Sätze: Der Zuschuss wird gekürzt. „Wir sind in Abstimmung mit den Fördergebern, damit uns nichts förderschädlich begegnet“, sagt Resch. Hasenknopf formuliert es so: „Wir sind vertraglich sehr, sehr fixiert.“ Eine Gemeinde mit angespanntem Haushalt hat sich auf ein Projekt eingelassen, bei dem sie 10 Prozent zahlt und 100 Prozent Verantwortung trägt.

Sanierung war 13 Jahre lang ein Thema

Dreizehn Jahre lang war die Sanierung Thema im Gemeinderat, im Oktober 2023 stimmte das Gremium einstimmig zu. Damals standen 9,3 Millionen Euro im Beschluss, ursprünglich waren 6 Millionen Euro veranschlagt gewesen, inzwischen sind es rund 11 Millionen Euro. Seit Januar 2024 hält der Freilassinger Unternehmer Max Aicher für mindestens 20 Jahre die Namensrechte, offiziell heißt die Anlage seither Max-Aicher-Schanze. Gebaut wird seit dem Sommer 2024, gesprungen werden sollte spätestens im dritten Quartal dieses Jahres. Das dritte Quartal läuft. Frühestens im Frühjahr kommenden Jahres könnten die Arbeiten weitergehen.

An einer Stelle hat der Markt dennoch geliefert. Die kleinen Schanzen, die 30-Meter- und die 60-Meter-Schanze, sind wieder in Betrieb. „Wir haben keinen Tag verstreichen lassen, dass der Nachwuchs wieder hüpfen kann“, sagt Hasenknopf. Jahrelang mussten Trainer und Talente nach Bischofshofen und Saalfelden ausweichen, nur damit die Kinder überhaupt springen konnten und dem Sport erhalten blieben. Resch nennt das die Priorität der vergangenen Monate: „Das war für uns wichtig, dass der Sportnachwuchs zum Trainieren kommt. Das klappt auch schon.“ Es ist eines der wenigen Dinge, die derzeit klappen.

Bleibt die große Schanze, und mit ihr die Frage, was der Stillstand am Engtde kostet, in Geld und in Geduld. Antwort gibt es darauf keine. „Das wird eine richtig schöne Schanze“, sagt Moderegger dennoch. Wird. Irgendwann.
(Kilian Pfeiffer)

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!
Die Frage der Woche

Soll es eine Sondersteuer für Superreiche geben?

Unser Pro und Contra jede Woche neu
Diskutieren Sie mit!

Die Frage der Woche – Archiv
X
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Beilagen

> Das neue vbw Unternehmermagazin ist online

„Die Bundesregierungskoalition hat noch schnell Reformen angekündigt, ehe sie sich in die Berliner Sommerpause verabschiedete. Eine Sommerpause übrigens, die sich die Wirtschaft nicht leistet. Unternehmer und Manager sind stets am Sprung“, sagt Bertram Br

> Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung ist online

Die Suche nach dem sichersten Ort für unseren Atommüll ist eine staatliche Jahrhundertaufgabe. Das einblicke-Magazin der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellt vier Menschen vor, die diese Mission bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung mit ihre

> Änderung der Gemeindeordnung

Liebe Leserinnen und Leser des Kommunalen Taschenbuchs, die Gemeindeordnung des Freistaats Bayern hat sich am 23. Dezember 2025 nach Redaktionsschluss (14. November 2025) nochmals geändert. Die entsprechenden Seiten können Sie hier herunterladen.

Jahresbeilage 2025

Nächster Erscheinungstermin:
28. November 2026

Weitere Infos unter Tel. 089 / 29 01 42 54 /56
oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download der aktuellen Ausgabe vom 28.11.2025 (PDF, 16,5 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Das kunst- und kulturhistorische Online-Magazin der Bayerischen Staatszeitung

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.

Unser Bayern - Nachbestellen

Aktuelle Einzelausgaben des Online-Magazins „Unser Bayern” können im ePaper der BSZ über den App-Store bzw. Google Play gekauft werden.