Kommunales

Auch die Caritas München-Freising bietet ärmeren Haushalten den Zugang zu Balkonkraftwerken. (Foto: Solar 2030)

10.04.2026

Kommunale Projekte: Mit Solarstrom gegen die Armut

Oft profitieren von erneuerbaren Energien wohlhabende Haushalte – mehrere kommunalen Initiativen wollen dies ändern

Kostenloser Solarstrom für Menschen, die ihn sich eigentlich nicht leisten können: In München verschenkt ein Verein Balkonkraftwerke an Bedürftige und bringt damit soziales und ökologisches Engagement zusammen. Nun gibt es mehrere weitere Nachahmerprojekte.

Da ist zum Beispiel die ältere Frau aus der Ukraine, die vor dem Krieg nach München geflohen ist, und der es an diesem Tag die Tränen in die Augen treibt – vor Freude. „Die Dame war einfach so dankbar, dass sie Hilfe und Unterstützung bekommt“, erzählt Renate Schultes. „Das war herzzerreißend.“

Die Hilfe, die die Ukrainerin im Sommer 2025 zu Freudentränen rührt, ist etwa einen mal eineinhalb Meter groß, besteht aus schwarzen Solarzellen und liefert ihr seit diesem Tag kostenlosen Strom. Gemeint ist ein sogenanntes Balkonkraftwerk, das sich die Frau eigentlich nicht leisten könnte. Doch in diesem Fall hat der Münchner Verein „Solar 2030“ die Kosten für das Photovoltaikmodul übernommen und sich obendrein um dessen Montage und Einrichtung gekümmert.

100 Euro Ersparnis sind für Arme viel Geld

Jene Anlage ist eine von knapp 40, die im Rahmen des Projekts „Balkonkraftwerke für alle“ an einkommensschwache Haushalte in der Landeshauptstadt verschenkt wurden. „Wir wollen Menschen erreichen, die normalerweise kein Geld haben, sich so eine Anlage zu kaufen“, sagt Renate Schultes. Das Vorstandsmitglied beim Verein „Solar 2030“, der sich für eine Energiewende von unten engagiert, hatte vor knapp zwei Jahren die Idee zu dem Projekt. „Das ist im Gespräch mit meiner Schwester entstanden“, erzählt Renate Schultes. „Wir haben darüber gesprochen, dass die Stadt München bis 2035 klimaneutral werden will. Und dass es doch sinnvoll wäre, dabei auch diejenigen ins Boot zu holen, die kein Geld für die Klimawende haben.“

Um diese Menschen zu erreichen, kontaktierten Renate Schultes und ihr Vereinskollege Richard Reindl die Münchner Tafel, besuchten deren Ausgabestellen und sprachen dort die Bedürftigen direkt an. Nach dem Motto: Hier gibt’s nicht nur kostenlose Lebensmittel, sondern auch Balkonkraftwerke gratis.

Um selbige zu finanzieren, startete Renate Schultes eine Spendenkampagne über die Internetplattform „Betterplace“. Und schon einen Tag nach der Veröffentlichung im Herbst 2024 habe sich eine Firma gemeldet, die anstelle von Weihnachtsgeschenken für ihre Beschäftigten das Projekt mit 2000 Euro unterstützen wollte. „Das ging also gleich mal gut los“, erinnert sich Renate Schultes.

13.000 Euro eingesammelt

Binnen kürzester Zeit sammelte „Solar 2030“ Spenden in Höhe von 13.000 Euro und kaufte damit Solarmodule. Dank einer Sammelbestellung habe man einen günstigen Preis aushandeln können, sagt Renate Schultes. Die Kosten je Modul inklusive Zubehör für Anschluss und Montage hätten bei circa 250 Euro gelegen. Das jährliche Einsparpotenzial durch den solarerzeugten Strom beziffert sie auf jährlich 80 bis 100 Euro. „Das hört sich erst mal wenig an“, sagt Renate Schultes. „Aber gerade für Menschen, die nicht viel Geld haben, können zehn Euro im Monat einen Unterschied machen.“

Gut eineinhalb Jahre nach dem Start hat das Projekt „Balkonkraftwerke für alle“ inzwischen Nachahmer gefunden. So hat der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising angekündigt, über seine Lebensmittelausgabestellen des „Caritas Tisch“ in den Landkreisen München und Ebersberg ebenfalls Balkonkraftwerke an Bedürftige zu verschenken. „Wir denken die Energiewende für die gesamte Bevölkerung“, sagt Bettina Händel von der Caritas. „Die Transformation gelingt nur, wenn auch einkommensschwache Haushalte mitmachen können.“

Ein besonderer Fokus soll dabei auf der Nachhaltigkeit liegen. So werden die eingesetzten Anlagen aus generalüberholten Solarmodulen bestehen, die technisch einwandfrei sind, aber nicht mehr im regulären Handel eingesetzt werden. „Dadurch werden wertvolle Ressourcen geschont und die Lebensdauer der Module verlängert“, heißt es seitens der Caritas. Sie ist aktuell auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die den Kontakt zu den Bedürftigen aufnehmen, sich mit deren Hausverwaltungen abstimmen und die Balkonkraftwerke installieren. Zur Finanzierung des Vorhabens hat die Caritas eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Bis 30. April können Privatpersonen und Firmen über die Plattform „Aktion Zukunft+“ Spenden einreichen.

Derweil setzt auch „Solar 2030“ sein Projekt in München fort. Aktuell habe man noch Solarmodule auf Lager, sagt Renate Schultes. Um mögliche Abnehmerinnen und Abnehmer zu finden, arbeite man seit Kurzem auch mit dem Verein Lichtblick Seniorenhilfe zusammen, sagt Renate Schultes. Auf diesem Wege sollen gezielt ältere Menschen über die Möglichkeit eines kostenlosen Balkonkraftwerks informiert werden.
(Patrik Stäbler)

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