Kommunales

Betroffen sind vor allem Glühlampen in Ampeln. (Foto: dpa/Annette Riedl)

31.10.2019

Nürnberg kauft 110.000 Glühlampen auf Vorrat

Aufgrund des Alters vieler Lichtsignalanlagen wird die Beschaffung von Ersatzteilen immer schwieriger

Die erste Ampel der Welt wurde am 10. Dezember 1868 in London aufgestellt. In einer fünf Tonnen schweren Säule am Parliament Square befand sich auf 6,50 Meter Höhe ein Lichtkasten, in dem eine drehbare Gaslaterne wahlweise grün oder rot leuchtete. Diese bahnbrechende Idee sollte sich weltweit durchsetzen – die erste Ampel jedoch überdauerte nur wenige Monate. Schon am 2. Januar 1869 wurde sie für immer abgeschaltet, nachdem eine defekte Gasleitung explodiert und ein Polizist schwer verletzt worden war.

Siemens warnt vor „Beschaffungsproblemem“

Derartige Unfälle sind heute glücklicherweise nicht mehr an der Tagesordnung. Und doch müssen Lichtsignalanlagen (LSA), wie sie offiziell heißen, qua Gesetz regelmäßig gewartet und ihre Glühlampen ausgetauscht werden. Das bringt nun die Stadt Nürnberg in die Bredouille, weshalb sie plant, Ersatzlampen im großen Stil zu horten: Insgesamt 110 000 Glühlampen will die Kommune auf Vorrat kaufen – für 250 000 Euro.

Dazu muss man wissen: Von den 531 Ampeln in Nürnberg sind fast die Hälfte älter als 15 Jahre. Diese „in einem betriebssicheren Zustand zu halten“ gestalte sich besonders schwierig, „weil in Anbetracht des Alters vieler LSA keine neuen Ersatzteile mehr verfügbar sind“, heißt es in einem Bericht des städtischen Servicebetriebs Öffentlicher Raum (SÖR). Konkret geht es um die Glühlampen, die in 289 Nürnberger Ampeln stecken und alle sechs Monate ausgetauscht werden müssen – egal, ob sie noch funktionieren oder nicht. In der Folge benötigt die Stadt jedes Jahr rund 25 000 solcher Leuchten.

Nun jedoch habe die Firma Siemens mitgeteilt, „dass Beschaffungsprobleme vorhersehbar sind“, so der SÖR-Bericht. Und weiter: „Laut Aussage von Kommunen, die als Eigenwarter ihre Glühlampen direkt beschaffen, stellt nur noch ein Lieferant Glühlampen her, die für den Einsatz in Lichtsignalanlagen zugelassen sind.“

Aus diesem Grund will die Stadt ihre Ampeln in den kommenden Jahren verstärkt auf moderne LED-Leuchten umstellen. Sie verbrauchen nicht nur weit weniger Strom, sondern werden – wegen ihrer Langlebigkeit – auch nur dann ausgetauscht, wenn sie defekt sind. In einem ersten Schritt sollen von 2019 bis 2021 insgesamt 78 Ampeln in Nürnberg mittels eines Transformators und LED-Signalgebern umgerüstet werden. Die Stadt rechnet hier mit einer Energieeinsparung von rund 65 Prozent – und Kosten von rund 2,8 Millionen Euro ohne Zuschüsse.

Würzburg setzt dagegen schon ganz auf LED-Lampen

Ab 2022 soll dann der Umbau von 50 Ampeln folgen, bei denen die Steuerungstechnik komplett ausgetauscht werden muss. Hier geht die Stadt von Kosten in Höhe von etwa 3,1 Millionen Euro und einer Energieeinsparung von 90 Prozent aus. Überdies sollen die genannten 110 000 Glühlampen auf Vorrat beschafft werden – jedoch so spät wie möglich, voraussichtlich im Jahr 2022, so der SÖR. Denn zum einen sei derzeit noch nicht absehbar, wie viele Ampeln bis dahin umgerüstet sein werden. Zum anderen leide bei einer langen Lagerzeit die Qualität der Glühlampen, was ihre Lebensdauer verkürze.

Auch andere bayerische Städte sind vollauf bemüht, ihre Ampeln auf LED-Technik umzurüsten. Von drohenden Lieferproblemen oder gar Engpässen bei Glühlampen wissen jedoch weder Augsburg noch Würzburg noch München zu berichten. „Ersatzteile werden durch eine angepasste und entsprechende Lagerhaltung vorgehalten“, heißt es etwa vonseiten der Stadt Augsburg. Dort gibt es 344 Ampeln, von denen etwa 30 Prozent mit LED-Signalgebern ausgestattet sind.

Der Rest setzt noch auf Glühlampen, weshalb die Stadt für die turnusmäßige Wartung rund 13 400 solcher Lampen pro Jahr benötigt – zum Preis von etwa 85 000 Euro. Bei LED-Leuchten dagegen sei der Austausch „nur in Einzelfällen nötig“, teilt die Stadt mit. Auch deshalb sei eine weitere Umrüstung der Ampeln geplant – „entsprechend den Erfordernissen und den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln“.

In Würzburg ist man da schon deutlich weiter: Von den 182 Ampeln im Stadtgebiet setzen 136 auf LED-Leuchten. In den übrigen 46 Anlagen stecken Niedervolt-Halogenglühbirnen, bei denen ein Lampenwechsel lediglich alle 18 bis 20 Monate nötig sei, so die zuständige Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH. Die WVV kommt daher mit jährlich rund 1250 Glühlampen und etwa 50 LED-Leuchten aus; entsprechend sind die anfallenden Kosten von rund 11 000 Euro vergleichsweise gering.

München will sich zu den Kosten nicht äußern

Die Stadt München will zu ihren Kosten für Ersatzlampen keine Angaben machen. Der Grund: „Kommunale Wartungsleistungen werden nach den Regeln öffentlicher Ausschreibungsverfahren vergeben und unterliegen dem Wettbewerb, zudem sind Vertragsverhältnisse mit Dritten betroffen“, teilt das Baureferat mit. In der Landeshauptstadt gibt es insgesamt gut 1100 Ampeln, von denen rund 70 Prozent auf LED- und 27 Prozent auf Halogen-Technik setzen. In nur noch rund drei Dutzend Anlagen leuchten dagegen 75-Watt-Glühlampen. Versorgungsengpässe gebe es in dem Bereich nicht, teilt das Baureferat mit. Unabhängig davon sei eine weitere Umrüstung auf LED-Ampeln angedacht: „Der Austausch von LSA erfolgt bevorzugt im Zuge von altersbedingter Erneuerung oder Umbau der Anlagen.“

Längst erneuert worden ist die allererste Ampel in München, die 1927 auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellt wurde. Um den Bewohnern der Landeshauptstadt die zugehörigen Regeln einzubläuen, dichteten damals die Münchner Neuesten Nachrichten: „Erscheint vor dir die Farbe Rot/dann wirst du von Gefahr bedroht. Doch wenn es leuchtet hoffnungsgrün/dann überschreit die Straße schön. Weil vorschriftsmäßig keiner dann/dich überfahren darf und kann.“ (Patrik Stäbler)

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