Kommunales

Das Unionsbräu in der Einsteinstraße 42 steht seit Jahren leer. (Foto: dpa/SZ Photo, Florian Peljak)

05.06.2026

Unionsbräu in München: Auf Jahre hinaus nicht nutzbar

Einst wurde hier Münchner Brauereigeschichte geschrieben, doch schon länger steht die Traditionsgaststätte Unionsbräu in München leer. Gibt es Hoffnung für die Wiederbelebung des Neorenaissance-Gebäudes?

Es herrscht Leerstand seit Jahren und es ist keine Besserung in Sicht. Das Unionsbräu bereitet der Stadt München reichlich Ärger und Sorgen. Dabei wurde dort im Stadtteil Haidhausen einst Brauereigeschichte geschrieben.

Von dem prächtigen Metallschild am Eingang des Unionsbräu strahlt das Münchner Kindl auf die Einsteinstraße hinab und reckt lachend den Maßkrug – was so gar nicht zur aktuellen Situation der Traditionsgaststätte im Stadtteil Haidhausen passt. Denn zum einen gibt das denkmalgeschützte Gebäude, das im kommunalem Besitz ist, ein trauriges Bild ab: Das Lokal ist menschenverlassen, durch die Türfenster sieht man eine verwaiste Baustelle, der Briefkasten an der Wand ist herausgerissen.

Machbarkeitsstudie läuft

Und zum anderen steht das Unionsbräu, in dem einst Münchner Brauereigeschichte geschrieben wurde, nun schon seit mehr als sechs Jahren leer – und wird es auch auf absehbare Zeit bleiben. Das hat der Vorsitzende Jörg Spengler (Grüne) im Bezirksausschuss Au-Haidhausen unlängst kundgetan und sich dabei auf Angaben des städtischen Kommunalreferats berufen. Demnach läuft aktuell eine Machbarkeitsstudie zur Baufälligkeit des Neorenaissance-Gebäudes nahe dem Max-Weber-Platz. Anschließend sollen die Sanierungsoptionen geprüft werden. „Sicher ist aber, dass das Gebäude in den nächsten Jahren nicht nutzbar sein wird“, sagte Spengler.

Dabei war die Zuversicht groß, als Ende 2015 – nach drei Jahren Leerstand – Leben ins Unionsbräu zurückkehrte. Man sei froh, sagte damals der städtische Kommunalreferent Axel Markwardt, in Igor Divjak einen Wirt gefunden zu haben, „der aus dem Unionsbräu für Haidhausen wieder einen äußerst gastlichen Ort gemacht hat, wo alle von 18 bis 80 gerne zum Essen, Trinken und Ratschen zusammenkommen“. Der so Gepriesene hatte die Nachfolge von Wiesnwirt Wiggerl Hagn angetreten, der 2012 das Handtuch geworfen hatte – nach 20 Jahren im Unionsbräu. Das Lokal sei für ihn ein andauerndes Verlustgeschäft gewesen, sagte Hagn damals.

Sein Nachfolger Divjak wurde in der Gaststätte auch nicht glücklich. So kam es zu diversen Streitigkeiten zwischen der Stadt und dem Wirt; auch vor Gericht trafen sich beide Seiten. „Ich hatte mit der Stadt nur Stress und Ärger“, kommentierte Divjak seine Zeit im Unionsbräu, die Anfang 2020 zu Ende ging. Nach ihm wollte ein neuer Pächter das Lokal übernehmen und startete hierfür einen größeren Umbau während der Corona-Zwangspause. Doch dann wurde ein Wasserschaden im Gebäude entdeckt, worauf erneut ein weiterer langwieriger Streit vor Gericht ausgefochten wurde.

Erst 2023 legten die Stadt und der neue Pächter ihre juristische Fehde bei, wobei sich Letzterer von seinen Plänen für die Gaststätte verabschiedete. Wenig später hieß es aus dem Kommunalreferat, dass „umfangreiche Sanierungsmaßnahmen“ im Unionsbräu nötig seien. Wie genau diese aussehen werden, ist bis heute ebenso unklar wie die einhergehenden Kosten. Sicher ist aber: In dem großen Brauhaus müssen erst mal jahrelang die Bauarbeiter ran, ehe dort wieder Bier ausgeschenkt werden kann.

Dies ist der traurige Tiefpunkt der 1885 von Joseph Schülein gegründeten „Unionsbrauerei Schülein & Companie“. Sie entwickelte sich damals rasch zu einer der größten Brauereien der Stadt, die 1905 die Münchner-Kindl-Brauerei übernahm und 1921 mit der Münchner Aktienbrauerei zu Löwenbräu fusionierte. Als Jude wurden der Firmengründer und sein Sohn Hermann Schülein, der von 1924 an Generaldirektor des Unternehmens war, jedoch zunehmend von den Nazis attackiert, die unter anderem gegen ihr „Judenbier“ hetzten. 1933 musste sich Josef Schülein aus dem Aufsichtsrat von Löwenbräu zurückziehen; fünf Jahre später starb er auf seinem Gut Kaltenberg. Der Name Unionsbräu überlebte derweil lediglich in Form der Gaststätte in dem 130 Jahre alten Renaissancebau, der nun also zum Sanierungsfall geworden ist. (Patrik Stäbler)
 

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