Kommunales

Alexander Resch gilt als Machertyp. (Foto: dpa/Frank May)

28.03.2026

Verwaltung statt Eiskanal: Olympiasieger Alexander Resch wird Bürgermeister

In Bayerns Rathäuser sind allerlei bekannte Gesichter eingezogen – etwa Spitzensportler, Adlige und ein Fernsehkoch

Bei Rennrodlern ist Olympiasieger Alexander Resch eine Legende – nun ist er Berchtesgadens neuer Bürgermeister. Er ist nicht der einzige Prominente unter den Neuen im Rathaus.

Er war das Gesicht des „Bayern-Express“ in den Eiskanälen dieser Welt, jetzt übernimmt Olympiasieger Alexander Resch das Steuer im Berchtesgadener Rathaus. Nach einer knappen Stichwahl tauscht der 46-jährige CSU-Politiker seinen Vorstandsposten beim Bob- und Schlittenverband endgültig gegen den Schreibtisch des Bürgermeisters. Wenn er am 1. Mai die Nachfolge von Franz Rasp antritt, der nach 18 Jahren das Amt übergibt, ist dies der vorläufige Höhepunkt einer Laufbahn, die von sportlicher Weltklasse, akademischer Disziplin und tiefer Heimatliebe geprägt ist.

Vom Königssee zur Weltspitze

Wer Alexander Resch verstehen will, muss den Blick zum Königssee richten. Dort, wo sich der geschichtsträchtige Eiskanal hinaufwindet, nahm 1996 eine Weltkarriere ihren Lauf. Mit gerade einmal 17 Jahren krönte sich Resch hier zum deutschen Juniorenmeister. Es war die Geburtsstunde des Bayern-Express.

Über ein Jahrzehnt lang sollte er gemeinsam mit Partner Patric Leitner die Konkurrenz im Doppelsitzer fast nach Belieben dominieren. Ihre Rekordmarke von 34 Weltcupsiegen zeugt von einer fahrerischen Überlegenheit, die auf den Bahnen dieser Welt ihresgleichen suchte. Vor allem auf der Heimanlage galt das Duo seit 2001 als nahezu unbezwingbar.

Die Erfolgsbilanz seiner aktiven Zeit im Doppelsitzer liest sich wie ein sportliches Epos: Olympiasieg 2002 in Salt Lake City, acht Weltmeistertitel, fünfmal Europameister und sechs Gesamtweltcupsiege. 14 Goldmedaillen bei Großereignissen zeugen von einer Ära der sportlichen Dominanz.

Karriere nach dem Sport und Krisenmanagement

Doch Resch war nie der Typ Athlet, der sich blindlings in den Eiskanal stürzte. Er war stets der Analytiker im Schlitten, ein Techniker und vor allem: ein strategischer Vorausplaner. Während er mit Tempo 120 durch die Steilkurven raste, zimmerte er bereits an seinem Fundament für das Leben nach dem Sport. Der Hauptfeldwebel der Bundeswehr machte eine Ausbildung zum Bürokaufmann, qualifizierte sich zum Sportfachwirt und krönte seinen Weg schließlich mit einem Master of Science in Betriebswirtschaft.

Die akademische Weitsicht zahlte sich aus: Nach seinem Karriereende 2010 wechselte Resch in das Management des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD). Ab 2016 trug er als Vorstand die Mitverantwortung für mehr als 60 Mitarbeiter, rund 130 Kaderathleten und ein jährliches Budget von etwa 10 Millionen Euro.

Dass Alexander Resch auch im politischen Sturm die Ruhe bewahrt, bewies er spätestens im Krisenjahr 2021: Nach der verheerenden Unwetterkatastrophe am Königssee, die das sportliche Herz der Region, die Kunsteisbahn, in Teilen in Trümmer legte, übernahm er die Leitung des bis heute nicht abgeschlossenen Wiederaufbaus. Es war ein Balanceakt zwischen technischen Gutachten und politischen Verhandlungen. Ende 2023 verkündete der Hauptsponsor DHL zudem überraschend seinen Ausstieg, was ein tiefes Loch in die Verbandskasse riss. Doch statt in Aktionismus zu verfallen, moderierte Resch die Krise mit strategischer Kühle. Er suchte Synergien und bewies einen langen Atem, der sich auszahlte: Nur ein Jahr später folgte die Wende, als der BSD und DHL die vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2027 bekannt gaben.

Der Weg ins Rathaus und ein starkes Heimatprofil

Als der bisherige Rathauschef Franz Rasp seinen Wechsel in das Landratsamt anstrebte, galt Alexander Resch für viele Beobachter als die logische Antwort, trotz seiner bisherigen Abwesenheit auf der rein politischen Bühne. Mit dem Slogan „Oana von do, für uns! Hoamat verpflichtet!“ suchte er den direkten Draht zu den Bürgern.

Resch ist kein entrückter Sportstar. Er ist in der Marktgemeinde verwurzelt. Ob im Pfarrgemeinderat, bei den Weihnachtsschützen oder im Trachtenverein: Er lebt das Brauchtum, das er politisch schützen möchte. Wenn er zur bayerischen Ziehharmonika greift oder beim Schuhplatteln Präsenz zeigt, wird das „Mia-Gefühl“ greifbar, das sein Wahlprogramm wie ein roter Faden durchzog.

Nach dem ersten Wahlgang am 8. März, bei dem er mit 48,3 Prozent die absolute Mehrheit nur hauchdünn verpasst hatte, musste Resch gegen Christoph Angerer (Freie Wähler) in die Stichwahl. Dafür mobilisierte er schließlich die entscheidenden Reserven: Mit 53,2 Prozent der Stimmen setzte er sich durch und sicherte sich das Mandat für die kommenden Jahre. Als Bürgermeister eines touristisch geprägten Urlaubsorts wird Resch seine Fähigkeiten als „Taktiker und Techniker“ auf neue Felder übertragen müssen.

Resch ist nicht der einzige Prominente, der sich bei der Kommunalwahl durchsetzte: In der oberbayerischen Gemeinde Tüßling nimmt eine Adelige auf dem Rathausstuhl Platz: Bei der Kommunalwahl machte nach dem vorläufigen Endergebnis Stephanie Gräfin Bruges-von Pfuel mit 60,4 Prozent der Stimmen das Rennen um das Bürgermeisteramt. Sie war für die CSU angetreten. Die Hausherrin auf Schloss Tüßling, die in Wien Forstwissenschaften studiert hat, war bereits von 2014 bis 2020 Bürgermeisterin des Marktes im Landkreis Altötting.

Der TV-Starkoch Alexander Herrmann zog derweil für die CSU in den Kulmbacher Kreisrat ein. Und das, obwohl der Gastronom aus Wirsberg auf dem 50. und letzten Listenplatz kandidierte. Der frühere Fußball-Nationalspieler Andreas Görlitz sitzt künftig im Gemeinderat seines Heimatorts Rott bei Landsberg. Erneut in den Stadtrat zog der FW-Landtagsabgeordnete und ehemalige TV-Richter Alexander Hold. (pfeif, dpa, till)

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