Kommunales

Josef Loferer ist der Schutz der Berge und Wälder wichtig. (Foto: Loferer)

19.06.2026

Vom Rathaus auf die Alm: Josef Loferer (CSU) war 18 Jahre lang Bürgermeister von Schleching

Josef Loferer (CSU) war 18 Jahre lang Bürgermeister von Schleching im Landkreis Traunstein – nach seinem Ausscheiden folgt er seiner Bestimmung. Als Biobauer, Forstwirt und Rathauschef er auf viel verzichtet, war zum Beispiel zehn Jahre lang nicht im Urlaub. Nun hat der 61-Jährige endlich wieder Zeit für seinen Hof, die Tiere und seine geliebten Berge

Schon zu Beginn seiner ersten Amtszeit in Schleching im Landkreis Traunstein stand für Josef Loferer (61) fest, dass er nicht „für ewig“ Bürgermeister sein kann und will. Als Bio-, Almbauer und Forstwirt ist er seit jeher eng verbunden mit seinem Hof, den Tieren und den geliebten Bergen.

Und so ist es wenig verwunderlich, dass sich der Abschied nach 30 Jahren Kommunalpolitik für die CSU, die letzten 18 Jahre davon als Bürgermeister, für ihn rundum ehrlich und gut anfühlt: „Für mich war klar, dass ich nach einer bestimmten Zeit wieder zu meinen Wurzeln zurückkehre.“ Deshalb heißt es in diesem Sommer für den Sepp, wie ihn viele hier im Südosten Oberbayerns, unweit der österreichischen Grenze, nennen: ab auf seine Hochalm, dem Himmeln ganz nah!

Dem Himmel ganz nah

Zwei eigene Almen hat er, eine dritte gepachtet, mit dem Sohn über 40 Milchviehkühe, die nun aufgestockt werden sollen. Dazu eine Jungviehnachzucht, Waldungen und in den Bergen gelegene Forstgebiete. Da fällt einiges an Arbeit an, die künftig vollen Einsatz fordert. Jetzt, nach seiner Verabschiedung als Rathauschef, findet er auch endlich wieder ausreichend Zeit dafür. Denn als Bürgermeister im Ehrenamt kamen für ihn gut 50 Wochenstunden zum Wohl der Gemeinde zusammen, rechnet er im Gespräch mit der Staatszeitung vor.

Und trotz vollem Terminkalender im Dienst der Bürger stand er auch als Bauer schon morgens im Stall, hatte einen Blick auf die Tiere, den Hof. Seine Frau? Ihr ist er dankbar, dass sie das alles mitgetragen hat. Auch, dass es keinen Urlaub gab in den letzten zehn Jahren.

Vielleicht ist das Aus zudem besser zu verschmerzen, weil Loferer in seinen drei Dienstzeiten einige Veränderungen im menschlichen Umgang feststellen musste. Schließlich ist ein Rathauschef allzu oft der Blitzableiter für Unzufriedenheit oder Frust über Entscheidungen einer Gemeinde. Es gab vermehrt Anfeindungen – die reichten von Telefonterror, Nummern die er sperren lassen musste, bis zu unschöner Post im Briefkasten – es gab einiges an Stimmungsmache gegen ihn. Da brauche man ein dickes Fell, sagt der verheiratete Vater eines Sohnes.

Besonders belasteten ihn die Attacken, wenn auch die Familie betroffen war. „Oft habe ich schlecht und wenig geschlafen, denn das beschäftigt einen sehr“, gibt der Schlechinger ganz offen zu. Zwar seien Bürgermeister von der Bürgerschaft gewählt und handelten natürlich in ihrem Sinne – aber man könne es doch nie allen recht machen. Oft hinderten auch Gesetze und Vorschriften an der Umsetzung von Gewünschtem, was leider nicht jeder verstünde. 

Ausreichend Mittel für Kinder und Jugendliche

Wofür er sich all die 18 Jahre besonders einsetzte: Räume und Mittel für den Nachwuchs zu generieren und bereitzustellen. Denn Kinder und junge Menschen haben einen sehr hohen Stellenwert bei ihm. Loferers Credo lautet: Bildung ist das A und O. Das fängt für ihn bei den Kleinsten an. So hat die Gemeinde unter seine Regie einen Waldkindergarten gebaut und eröffnet. Dazu der Schulausbau, sein Herzensprojekt und ganzer Stolz. An die alte Schule wurde angebaut, Klassenzimmer saniert, Technik modernisiert. Dazu kam ein neuer Raum für Bewegung, den auch die Gemeinde nutzen kann.

Loferer, selbst Vater, weiß wie prägend die ersten Lehrjahre im Heranwachsen eines Kindes sind: „Dass eine kleine Gemeinde wie unsere noch eine eigene Grundschule hat, mit kurzen Wegen, die Kinder im sozialen Umfeld, nah bei ihren Familien sind – das war mir sehr wichtig, das haben wir geschafft.“

Besondere Momente waren für ihn die, in denen der Oberbayer nicht nur als Bürgermeister, sondern auch als Mensch ganz persönlich Familien zur Seite stand. Bei Geburten, Trauungen, nach Unfällen, aber auch beim Tod: „Da war mir wichtig, da für sie zu sein, ihnen zu zeigen, in diesen Momenten, Stunden, Tagen sind sie von der Gemeinde nicht alleingelassen.“

Er rechnete stes genau

Eine bemerkenswerte Auszeichnung erhielt Schleching während seiner Amtszeit schon 2017: Der idyllische oberbayerische Ort wurde offiziell vom Alpenverein zum Bergsteigerdorf ernannt. Dieses Siegel hat nicht nur einen guten Ruf, das hat auch eine weitreichende Wirkung. Es verpflichtet auch zum Erhalt der Kultur- und Naturlandschaft, der Sicherung landwirtschaftlicher Betriebe und dem naturverträglichen Tourismus. Dazu wurde der Schmugglerweg zwischen Tirol und Bayern im Sinne des naturnahen Bergsports gebaut. Laut Loferer eine der größten Herausforderungen seiner Amtszeit, da sich fördertechnisch zwei Länder mit europäischen Fördermitteln abstimmen mussten. 

Dass er schon immer Mathe mochte, hat ihm als „Sparfuchs“ bei allen Planungen geholfen. Ab Start seiner Amtszeit wollte er Altschulden tilgen, alles neu durchkalkulieren. Auch dieses Ziel hat er erreicht, wenn auch für den Schulbau große Kredite nötig, aber sinnvoll gewesen wären. Nicht immer war es für ihn einfach, im Gemeinderat zu argumentieren und den Rotstift anzulegen, mit dem Auge auf die Haushaltspolitik. Entscheidende Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ortszufahrt Raiten, die für Einheimische und Ausflügler wichtig ist, sind während seiner Amtszeit entstanden, wie auch der sichere, neue Radweg von Raiten nach Mettenham. Nur bei einer Sache musste er passen, bedauert Loferer rückblickend: „Ich hätte gerne noch den Ausbau der B 307 noch bis Marquartstein gesehen. Aber da gab es zu viel Gegenwind.“ 

Jetzt aber freut sich Josef Loferer auf das, was vor ihm liegt: ein Leben für die Landwirtschaft. Auf der Hochalm hat er Jungvieh dabei, den Kälbern und der Landschaftspflege will er sich widmen. Seine Wünsche klingen bescheiden: Ein schöner, klimatisch ausgeglichener Sommer, mit Niederschlägen und sonnigen Tagen soll es werden. Viele ruhige Stunden, ab und zu Besuch von Bekannten, die bei ihm hoch droben vorbeischauen. Und, so sagt der Ex-Bürgermeister: „Eine unfallfreie Zeit in den Bergen für alle: Mensch und Tier.“
(Marie-Julie Hlawica)

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