Kommunales

Es kommt nicht selten vor, dass Sebastian Gruber bei Volksfesten oder Fahnenweihen zur Steirischen Harmonika greift. (Foto: Bäumel)

24.07.2026

Vom Wirtsbua zum Stimmenkönig - Unter allen Landratskandidaten in Bayern schnitt Sebastian Gruber (CSU) im Landkreis Freyung-Grafenau am besten ab

Sebastian Gruber hat die Wahl zum Landrat in Freyung-Grafenau mit 89 Prozent der Stimmen gewonnen. Der 44-Jährige ist der dienstälteste Landrat Niederbayerns und leidenschaftlicher Schiedsrichter. Er brennt für das Ehrenamt

Für jede seiner Amtsperioden hat Sebastian Gruber einen Ordner angelegt. Gerade startete er mit dem dritten. Der Landrat des Landkreises Freyung-Grafenau hat darin alles abgeheftet, was ihn besonders bewegt hat: das liebevolle handschriftliche Glückwunschschreiben von seinem Seminarleiter in der Lehrerausbildung ebenso wie die besonders „gescherten“ Briefe mit Beleidigungen, wie der Christsoziale mit einem Augenzwinkern erzählt. 

Gruber trat im Frühjahr zu seiner dritten Amtszeit an. Der 44-Jährige hat in zwölf Jahren als Landrat so einiges erlebt, ist mittlerweile sogar der dienstälteste Landrat in Niederbayern. 89,1 Prozent fuhr er bei den Kommunalwahlen im März ein – das ist das beste Ergebnis unter sämtlichen Landräten bayernweit.

Klamme Kassen

Darauf ist er stolz, doch auf diesen Lorbeeren will er sich nicht ausruhen. Liest er die vielen Gratulationen zu seinem Erfolg, dann freut er sich – nicht nur über die Glückwünsche von Ministerpräsident Markus Söder, sondern umso mehr über die von Freunden und Weggefährten. „Ich schreibe selbst gerne Karten und schätze daher gerade die handschriftlichen Zeilen eines lieben Menschen“, erzählt er.
Bewusst hat er aber auch bitterböse Schreiben aufbewahrt von Leuten, denen seine politischen Entscheidungen nicht immer gepasst haben – wie zum Beispiel die Schließung des Krankenhauses Waldkirchen in seinem Landkreis.

Auch wenn er sein Amt und seine Arbeit immer ernst genommen hat – den nötigen Humor, der für ihn zu seiner Aufgabe in der Politik immer dazugehört, hat er sich bewahrt. „Im Nachhinein kann man über vieles schmunzeln“, lautet seine Erfahrung. Gruber war es schon früh gewohnt, das Leben mit der ihm eigenen Leichtigkeit zu meistern, aber gleichzeitig auch Verantwortung zu übernehmen. Seine Eltern haben es ihm vorgelebt. Der Vater war Kreisrat, bis zur Gebietsreform Bürgermeister, Kreisheimatpfleger – und auch ansonsten ein leidenschaftlicher Ehrenamtlicher.

Den ganzen Tag lang grantig

Der kleine Sebastian fand schon früh Freude daran, den im vergangenen Jahr verstorbenen Papa in seiner Kindheit auf Termine zu begleiten: „Meine Mama hat erzählt, wenn er am Sonntagmorgen auf eine Fahnenweihe musste und hat mich nicht aufgeweckt, dann war ich den ganzen Tag lang grantig, weil ich nicht mitdurfte.“

Der heutige Familienvater wurde aber auch von der Mutter geprägt, die immer noch ein Wirtshaus hat – einmal Wirtsbua, immer Wirtsbua. In der heimischen Gaststube hat er gelernt, dass Schafkopfen zu den bayerischen Hauptfächern gehört, dass man mit sehr viel Spaß Taschengeld verdienen kann, wenn man die Leute mit der Steirischen unterhält, und dass die Bewohner seiner Heimat ein Menschenschlag sind, Bodenständigkeit mit Strebsamkeit verbindet. Und natürlich weiß er seither, dass die Teller nicht von selbst in die Küche wandern und dass sich Gastgeber über helfende Hände freuen.

„Die Leute aus dem Bayerischen Wald mussten schon immer ein wenig mehr tun, um erfolgreich zu sein“, ist er sich auch heute noch sicher. Der Niederbayer ist kein CSU-Parteisoldat, der über die klassische JU-Karriere zu seinen Ämtern gekommen ist. Er kommt eher aus dem Bereich Kirche und Kolping, er hat ministriert, war Schülersprecher und hat wie sein Vater schon in jungen Jahren zahlreiche Ehrenämter übernommen – aus Freude am Gestalten, nicht um von jedem Zeitungsfoto in Richtung Leser zu grinsen. Besonders geprägt hat ihn seine Zeit als Fußball-Schiedsrichter.

Falsche Entscheidung ohne böse Absicht

Fast zwei Jahrzehnte hat er als Unparteiischer Spiele in der Landes- und in der Bayernliga gepfiffen und hat dabei sehr vieles fürs Leben gelernt, wie er erzählt. „Als Schiedsrichter trifft man auch einmal ohne böse Absicht eine falsche Entscheidung und muss dazu stehen. Das passiert leider auch in der Politik“, weiß er.

Es hat ihn aber auch geschult, wie man mit anderen umgeht, wie Zusammenhalt funktioniert und was man als Team erreichen kann. Und nicht zuletzt ist er dadurch noch bekannter geworden – was natürlich nie verkehrt ist, wenn man für ein Amt kandidiert, auch wenn das zu Schiedsrichterzeiten alles noch nicht geplant war.

Gruber hat nach dem Abitur Hauptschullehramt studiert und war an verschiedenen Schulen in Niederbayern im Einsatz. Direkt vor seiner Landratskandidatur hat er sich aber für zwei Jahre vom Schuldienst beurlauben lassen und als Regionalmanager im Landkreis Freyung-Grafenau gearbeitet. Auch das hat ihm bei seiner späteren Führungsaufgabe geholfen. Er hat die Behörde kennengelernt und die Unternehmen.

Heimische Wirtschaft unterstützen

Auch in der neuen Amtsperiode will er die heimische Wirtschaft nach Kräften unterstützen, „denn ohne ihren Erfolg können auch wir nicht wirtschaften“. Als weitere Herausforderungen nennt er die Bildungspolitik sowie das Gestalten des Landkreises in Zeiten klammer Kassen. Die Zeiten werden nicht leichter – dennoch stand es für den CSU-Mann außer Frage, als Landrat weiterzumachen, wenn der Wähler dies wünscht.

Am Ende überzeugte er die Wähler. Gruber hatte zwar eine Gegenkandidatin von den Grünen, doch holte er beinahe 90 Prozent – ein Ergebnis, das ihn freut, aber nicht übermütig macht. „Ich habe den Wahlkampf ernst genommen und wir haben ihn fair geführt und sind auch am Wahlabend gut miteinander umgegangen“, blickt er zurück.

Für seine Lebensgefährtin und seinen Sohn Nepomuk (7) heißt das, dass der Papa weiterhin viele Termine haben wird. Dennoch nimmt sich Gruber möglichst viel Zeit für die Familie. Als Ausgleich zum politischen Geschäft macht er aber auch jede Menge Sport – er ist ein begeisterter Läufer und ein leidenschaftlicher Skifahrer.

Eine Runde Schafkopf geht immer

Zu einer Runde Schafkopf sagt er auch heute noch nicht Nein und findet es dann immer gut, wenn die Sau den König sticht, denn als Alleinherrscher des Landkreises hat er sich ohnehin nie gesehen. Die niederbayerischen Landräte, deren Sprecher Gruber seit sechs Jahren sein darf, pflegen seit jeher einen sehr guten überparteilichen Umgang, der auch mit den neuen Gesichtern im Regierungsbezirk gepflegt werden soll.

Dass der Freyung-Grafenauer ein Teamspieler ist, kommt ihm aber nicht nur in seiner Funktion, sondern auch als Musiker zugute. Eine Steirische Harmonika hat er zwar nicht auf der Rückbank seines Dienstwagens, aber er borgt sie sich gerne von einer Musikgruppe bei einem Volksfest oder einer Fahnenweihe und stimmt in die Melodien mit ein. „Ich bin nicht perfekt, aber ich mache es sehr gerne“, sagt Gruber. Und manchmal freut ihn dann der Applaus noch viel mehr als nach einem Grußwort oder einer Rede. Und da muss er gar nicht immer selbst den Taktstock schwingen.
(Melanie Bäumel-Schachtner)

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