Im Kampf um den Augsburger OB-Posten gibt es mit Amtsinhaberin Eva Weber (CSU) eine klare Favoritin. Doch auch SPD-Herausforderer Florian Freund rechnet sich Chancen aus. Die Grünen und ihre Kandidatin Martina Wild scheuen dagegen als Bündnispartner der Christsozialen eine allzu harte Konfrontation. Der große X-Faktor der Wahl ist die AfD, die in der Fuggerstadt viel Zuspruch hat.
Kurz vor Beginn dieser Podiumsdiskussion im rappelvollen Papst-Franziskus-Zentrum der Caritas herrscht kurzzeitig Irritation bei den Kandidierenden für die Oberbürgermeisterwahl in Augsburg. Sollen sie jetzt schon ihre Plätze auf der Bühne einnehmen oder noch warten, bis der Moderator sie nach vorne bittet? Was nun folgt, sind einige Momente der Unsicherheit und der fragenden Blicke – während eine Kandidatin seelenruhig auf ihrem roten Stuhl sitzen bleibt: Eva Weber (CSU).
Diese Szene ist durchaus symptomatisch für die Ausgangslage im Kampf ums Oberbürgermeisteramt in der drittgrößten Stadt Bayerns. Denn so, wie hier auf dem roten Stuhl, sitzt jene Eva Weber seit 2020 auch im Augsburger Rathaus auf dem Chefsessel – und will dort nach der Kommunalwahl am 8. März weitere sechs Jahre bleiben.
Allen Prognosen zufolge stehen die Chancen gut, dass der Amtsinhaberin dies auch gelingen wird. Ihr größtes Plus: Die 48-Jährige ist deutlich bekannter als alle ihre Herausforderinnen und Herausforderer.
Und dennoch könnte die Wahl für die Favoritin zu einer Zitterpartie werden, was vor allem an drei Gründen liegt – wobei zwei davon am heutigen Abend ebenfalls beim Sozialforum der Augsburger Wohlfahrtsverbände zugegen sind.
Da ist, erstens, der Mann, der neben Eva Weber sitzt und ihr kurz vor Beginn der Diskussion noch Wasser einschenkt: Florian Freund, 46-jähriger Vater dreier Töchter, ist der SPD-Kandidat bei dieser Oberbürgermeisterwahl. Er wurde von den Delegierten seiner Partei einstimmig in diese Rolle gewählt. Zum Vergleich: Die CSU-Frau Weber kam bei ihrer Nominierung nur auf 78 Prozent, was einem Dämpfer gleichkam.
Favoritin mit Amtsbonus – und trotzdem kein Selbstläufer
Doch auch abgesehen von diesen Zahlen macht der SPD-Fraktionschef im Stadtrat bislang eine gute Figur im Wahlkampf. Auch bei der heutigen Podiumsdiskussion antwortet er eloquent auf alle Fragen zum sozialen Leben in Augsburg – egal ob es um Jugendhilfe, bezahlbaren Wohnraum oder Inklusion geht. Da seine SPD bei der schwarz-grünen Rathauskoalition außen vor ist, kann Freund die Regierenden im Wahlkampf scharf attackieren – und tut das auch rege.
Allein, dass der Sozialdemokrat am Ende tatsächlich obsiegen und das Oberbürgermeisteramt erringen wird, das glauben nur wenige. Schließlich hat die in der Fuggerstadt einst so mächtige SPD in den vergangenen Jahren – wie vielerorts im Land – dramatisch an Zuspruch verloren. Insofern wäre es für Florian Freund schon ein Erfolg, sollte er die Amtsinhaberin in eine zweite Runde zwingen und mit ihr in die Stichwahl einziehen können.
Selbiges ist, zweitens, auch das Ziel von Martina Wild. Für die Grünen-Kandidatin ist die Podiumsdiskussion insofern ein Heimspiel, als die 48-jährige dreifache Mutter nicht nur Zweite Bürgermeisterin, sondern im Rathaus als Referentin auch für Bildung und Migration zuständig ist. Jenen Posten hat Martina Wild seit der vergangenen Kommunalwahl 2020 inne, bei der sie erstmals als Spitzenkandidatin ihrer Partei antrat. Damals landete sie knapp hinter dem SPD-Kandidaten Dirk Wurm auf Platz drei und war somit bei der Stichwahl außen vor.
In der Folge schlossen Wild und ihre Partei jedoch das erste schwarz-grüne Bündnis in einer bayerischen Großstadt, das seither weitgehend reibungslos zusammenarbeitet. Genau diese Konstellation erschwert es der Herausforderin jedoch im laufenden Wahlkampf, die Oberbürgermeisterin und deren CSU allzu hart anzugehen. So geben sich die beiden Frauen auch an diesem Abend betont kollegial, stimmen einander in der Diskussion mehrfach zu und sparen gegenseitige Attacken komplett aus.
Etwas anders hätte sich das vermutlich bei einem weiteren Kandidaten angehört, der zu dieser Podiumsdiskussion jedoch nicht eingeladen wurde. Die Rede ist von Andreas Jurca von der AfD. Er ist der dritte Unsicherheitsfaktor für die Amtsinhaberin bei der Abstimmung am 8. März.
AfD als Unbekannte: Wer zieht in die Stichwahl ein?
Es gilt angesichts des bundesweiten Höhenflugs seiner Partei als ausgemacht, dass der 38-Jährige deutlich besser abschneiden wird als bei der zurückliegenden Kommunalwahl. Damals holte Jurca, der seit 2020 im Stadtrat und seit 2023 im Landtag sitzt, bloß 4,8 Prozent der Stimmen.
Wie viel es diesmal werden? Da reichen die Prognosen von einem weiterhin einstelligen Ergebnis bis zu einem Einzug in die Stichwahl. Schließlich landete seine AfD bei der Bundestagswahl vor einem Jahr in Augsburg auf Platz zwei.
Den weiteren Kandidatinnen und Kandidaten in Augsburg werden allenfalls Außenseiterchancen eingeräumt. Das gilt sowohl für Iris Steiner (FDP/Pro Augsburg) und den einstigen Weltklasse-Kanuten Hannes Aigner (Freie Wähler), die hier im Sozialforum ebenfalls mitdiskutieren, als auch für die nicht Anwesenden: Dies sind Elisabeth Wiesholler, deren Partei Die Linke die Nichteinladung kritisiert hat, Roland Wegner (V-Partei³), Bruno Marcon (Augsburg in Bürgerhand) und Lisa McQueen (Die Partei).
Ihr Abschneiden könnte am 8. März jedoch mit darüber entscheiden, ob Eva Weber wie im Jahr 2020 in die Stichwahl muss und wer in diesem Fall ihre Gegnerin oder ihr Gegner sein wird.
Beim Sozialforum im Caritas-Zentrum fliegen der Favoritin nach der Podiumsdebatte jedenfalls die Herzen zu, wobei Gleiches auch für die übrigen Kandidierenden gilt. Denn sie alle bekommen als Dankeschön für die Teilnahme ein paar rote Handwärmer in Herzform überreicht – für die heiße Phase des Wahlkampfs im kalten Winter. (Patrik Stäbler)
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