Politik

In ganz Bayern werden am 8. März OBs, Landräte, Stadtrats- und Kreistagsmitglieder neu gewählt. (Foto: dpa/imageBROKER, Torsten Krüger)

09.01.2026

Kampf um die Rathäuser

In zwei Monaten findet die Kommunalwahl statt

2026 finden in Bayern Kommunalwahlen statt. Knapp 40.000 Mandate werden dann neu vergeben. Worum geht’s, wo wird’s besonders spannend? Ein Überblick.

Kommunalwahlen gelten als Persönlichkeitswahlen. Politische Programme spielen eine weniger starke Rolle als bei bundes- oder landesweiten Urnengängen. Weil die Menschen vor Ort näher an ihren Bürgermeistern, Landräten oder Gemeinderatsmitgliedern dran sind, wird eher nach persönlichem Eindruck abgestimmt. So kann es vorkommen, dass eine Partei im Gemeinderat die Mehrheit hat, der OB aber trotzdem zu einer anderen Partei gehört, weil er hohe Sympathiewerte hat. Zu den Inhalten die bei den Kommunalwahlen überall relevant sind, zählen etwa klamme Kommunalfinanzen, Migrationsfolgen, Energie, medizinische Versorgung, Wohnen und Verkehr.

Hier tritt der OB-Amtsinhaber nicht mehr an:
Wohl in keiner bayerischen Großstadt ist das Rennen um die Rathausspitze so offen wie in Regensburg. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) tritt nicht mehr an. Realistische Chancen haben: Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU), SPD-Fraktionschef Thomas Burger, die Grüne Helene Sigloch und Thomas Thurow von der Wählervereinigung „Brücke“.

Hier tritt der OB wieder an, teilweise wird’s spannend:
In Erlangen kann sich OB Florian Janik große Hoffnungen auf eine Wiederwahl machen. Der SPDler amtiert seit 2014. Bereits im Februar hatte die CSU die Kooperation im Rathaus mit der SPD aufgekündigt – nach SPD-Kritik an einer Abstimmung der Union mit der AfD bei einem Antrag zur Migration im Bundestag.

In der SPD-Hochburg Nürnberg hat seit 2020 der CSU-Politiker Marcus König das Sagen. Er hat gute Chancen auf eine Wiederwahl. 
In Augsburg geht OB Eva Weber als Favoritin ins Rennen. Die CSU-Politikerin ist weit bekannter als ihre Herausforderer und hat sich keine groben Schnitzer erlaubt.

In München hat seit Jahrzehnten fast durchgehend die SPD den Rathauschef gestellt. Der beliebte OB Dieter Reiter würde diese Tradition gern beibehalten. Ex-Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) hat als Ex-Wiesnchef einen gewissen Bekanntheitsgrad, er kandidiert ebenfalls als OB. Stärkste Fraktion im Stadtrat sind die Grünen.

In Fürth regiert seit 2002 Thomas Jung (SPD) durchaus erfolgreich, weshalb er alle sechs Jahre ein Rekordergebnis einfährt. Er tritt erneut an.

In diesen Großstädten wird kein neuer OB gewählt:
In Ingolstadt wurde bereits im Februar ein Oberbürgermeister gewählt. Michael Kern CSU) löste SPD-Mann Christian Scharpf ab, der als Wirtschaftsreferent ins Münchner Rathaus wechselte. Würzburg hat seit Juli einen Grünen-OB: Martin Heilig hatte im Mai bei einer Stichwahl gegen den CSU-Kandidaten 65 Prozent der Stimmen geholt.

Wird die AfD auch auf kommunaler Ebene zulegen?
Davon ist auszugehen. Auch wenn die Kommunalwahl ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten hat, dürfte die AfD vom allgemeinen Trend profitieren. Anspruch der Partei sei, lokale Themen „sehr kleinteilig aufzugreifen“, sagt Martin Böhm, Vizefraktionschef der Landtags-AfD. Man wolle „Themen in den Mittelpunkt stellen, die den Alltag der Menschen unmittelbar betreffen“, betont AfD-Landeschef Stephan Protschka.

Allerdings: Die AfD hat es nicht geschafft, in jeder Gemeinde überhaupt Kandidaten zu finden. Dennoch geht sie davon aus, dass Abstimmungen der anderen Parteien mit der AfD in etlichen Gemeinderäten künftig üblich sein werden. Wegen rein lokaler Themen, aber auch wegen der schieren Arithmetik: „Die Brandmauer gibt es nur dort, wo man Mehrheiten hat und uns nicht braucht“, urteilt der AfD-Landtagsabgeordnete Ulrich Singer. Der Rechtsanwalt kandidiert im Landkreis Donau-Ries als Landrat.

Landratswahlen:
In den Landratsämtern stehen zahlreiche Wechsel an. In den 62 Landkreisen, in denen am 8. März die Landräte neu gewählt werden, treten 22 Amtsinhaber nicht mehr an. Zu den prominentesten gehören der einzige Grünen-Landrat Bayerns, Jens Marco Scherf (Miltenberg), der einzige FDP-Landrat, Peter von der Grün (Neuburg-Schrobenhausen), der Chamer Landrat und Präsident des Bayerischen Bezirketags Franz Löffler (CSU) sowie der seit 30 Jahren amtierende Landrat von Kulmbach, Klaus Söllner (Freie Wähler). Derzeit stellt die CSU 53 der 71 Landräte, die FW 14, die SPD zwei, Grüne und FDP je einen. Dieses Mal macht sich auch die AfD Hoffnungen. Sie könnte in einzelnen ländlichen Regionen einen Kandidaten zumindest in die Stichwahl bekommen. Chancen hat womöglich AfD-Landeschef Stephan Protschka, der in Dingolfing-Landau Amtsinhaber Werner Bumeder (CSU) herausfordert. 

So funktioniert die Wahl:
Es gibt vier Wahlzettel: je einen für die Bürgermeister- und Landratswahl und je einen für die Kreistags- und die Stadt- beziehungsweise Gemeinderatswahl. Bei Letzteren hat jeder Wähler so viele Stimmen, wie im jeweiligen Rat Mandate zu vergeben sind. Das wiederum hängt von der Größe der Gebietskörperschaft ab. Die Spanne reicht von acht in Dörfern unter 1000 Einwohnern bis 80 in München. Auf den Listen können Kandidaten bis zu drei Stimmen gegeben werden („kumulieren“), es kann auch für Kandidaten auf mehreren Listen gestimmt werden („panaschieren“). Damit keine Stimme verloren geht, kann man zusätzlich eine Liste ankreuzen. Wahlberechtigt sind alle deutschen Staatsbürger und EU-Bürger über 18 Jahre, die ihren Hauptwohnsitz in der jeweiligen Kommune haben. Die Unterlagen zur Briefwahl gibt es nach dem Versenden der Wahlbenachrichtigungen ab dem 26. Januar.

Die Bedeutung von Bundes- und Landespolitik:
Viele politische Entscheidungen von Bund und Land werden für die Menschen vor allem in ihren Heimatgemeinden spürbar. Aktuell wird das bei der Krankenhausreform des Bundes deutlich, die unmittelbare Auswirkungen auf Angebot und Standorte kommunaler Kliniken hat, sowie in der Sozial- und Asylgesetzgebung – Stichworte: Jugendhilfe, Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung oder Flüchtlingsunterbringung. Die kommunalen Spitzenverbände fordern deshalb ein Konnexitätsprinzip auf Bundesebene nach der Devise: „Wer anschafft, muss auch zahlen.“ In Bayern gibt es das bereits, doch die Kommunen bleiben trotzdem manchmal auf den von Landesgesetzen ausgelösten Kosten sitzen.
(Tobias Lill, Waltraud Taschner, Jürgen Umlauft)

Kommentare (1)

  1. Joachim Datko vor 18 Stunden
    Ich wünsche der AfD bei den Kommunalwahlen in Bayern viel Erfolg. Bei der Bundestagswahl hat die AfD in Bayern 19 % erreicht und wurde zweitstärkste Kraft. Nach der Wahl ist noch die hohe Neuverschuldung durch die Regierung Merz (CDU/CSU, SPD) auf das Sündenregister der CSU dazugekommen. Das könnte der AfD bei uns in Bayern zusätzlichen Auftrieb geben.
    +++ Joachim Datko – Ingenieur, Physiker – Regensburg – AfD-Stammwähler +++
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