Kommunales

Nachwuchssorgen, Einschränkungen wegen der Pandemie und das Gefühl mangelnder Anerkennung sorgen bei Feuerwehrleuten in Bayern für zunehmenden Frust. (Foto: dpa/Armin Weigel)

30.04.2021

Was der Wehr zu schaffen macht

Floriansjünger wünschen sich zum Tag der Feuerwehrleute mehr Mitglieder und Anerkennung

Es umgibt sie ein Flair von Abenteuer: Die Feuerwehr vermag bis heute zu faszinieren. Allerdings engagieren sich längst nicht mehr so viele Menschen, wie es notwendig wäre. Weshalb der Ruf lauter wird, auch Migranten einzubinden. Doch das ist nicht so einfach, sagt Johann Eitzenberger, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbands Bayern, anlässlich des Tages der Feuerwehrleute am 4. Mai. Nicht zuletzt deshalb, weil Einwanderer die Feuerwehr oft aus polizeilichen oder militärischen Kontexten kennen.

Viele Menschen sind heute stark in ihren Beruf eingespannt, was es erschwert, ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv zu werden. Aus diesem Grund wird seit Jahren versucht, Menschen für die Feuerwehr zu begeistern, die in der Vergangenheit kaum im Fokus standen. Zum einen Frauen. Zum anderen Migranten. Daneben wird aber auch gefordert, das Ehrenamt bei der Feuerwehr attraktiver zu machen. Zum Beispiel durch eine „Feuerwehrrente“. Auch Johann Eitzenberger würde sich eine stärkere Anerkennung des feuerwehrlichen Engagements wünschen. Zumal in diesen Zeiten. Die auch an der Feuerwehr alles andere als spurlos vorübergehen.

Vorsicht auf Schritt und Tritt

Dass auf Schritt und Tritt pandemiebedingt Vorsicht geboten ist, beeinträchtigt die Arbeit der Feuerwehren im Freistaat seit einem Jahr immens. „Bei uns ruhten fast das ganze letzte Jahr lang alle Übungen“, schildert Christoph Simon, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Unterhaching im oberbayerischen Landkreis München. Inzwischen wird in kleineren Gruppen mit Abstand und Maske geübt. Die Übungen selbst erstrecken sich über mehrere Tage. Das alles belastet, so Simon: „Es ist zum Beispiel unangenehm, während der Übung bei körperlichen Anstrengungen eine FFP2-Maske zu tragen.“ Obligatorisch seien mittlerweile auch Tests vor der Übung: „Was Zeit kostet.“

Menschen, die sich in diesen Zeiten zu dem Entschluss durchringen, bei der Feuerwehr mitzumachen, finden wegen der Pandemie nur schwer in die Teams hinein. „Die Kameradschaft ist in einer Feuerwehr extrem wichtig, und die wächst vor allem dann, wenn wir außerhalb des Übungs- und Einsatzdiensts zusammenkommen“, erklärt Simon. Also zum Beispiel beim gemeinsamen Essen nach dem Üben: „So etwas dürfen wir derzeit aber nicht anbieten, weshalb neue Mitglieder die anderen nur schwer kennenlernen.“

Weil Einsatzsituationen hochgefährlich werden können, ist es wichtig, dass Befehle von einer Führungskraft in jeder Hinsicht verstanden werden. Eben dies erschwert den Einsatz von Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, sagt Johannes Engel von der Freiwilligen Feuerwehr in Blaichach im Kreis Oberallgäu: „Werden Befehle falsch verstanden, geht es schlimmstenfalls um Menschenleben.“ Bis letztes Jahr gab es in Blaichach immerhin einen Feuerwehrmann mit Migrationshintergrund: „Der ist jetzt aber leider weggezogen, somit haben wir aktuell keinen mehr.“ Dass die Freiwillige Feuerwehr wie jeder Club und jeder Verein in Bayern unter immer höheren Auflagen leidet, ist für Johannes Engel ein großes Ärgernis, das seiner Meinung nach am Tag der Feuerwehrleute endlich mal thematisiert gehört. „Wenn wir unsere Maibaumaufstellung feiern, müssen wir nachweisen, dass das Trinkwasser aus unserer Leitung in Ordnung ist“, illustriert er die Misere. Wird eine Hüpfburg organisiert, muss die beaufsichtigt werden: „Sonst ist der Vorstand verantwortlich, wenn etwas passiert.“ Mittlerweile werde jeder noch so kleine Verein behandelt wie ein Industrieunternehmen. Um die Feuerwehr zu stärken, müsste endlich entbürokratisiert werden. Mit Blick auf die Mitgliederzahlen bräuchte man in Blaichach die Imagewerbung durch den Tag der Feuerwehrleute nicht. „Da wir doch noch eher ein Dorf sind und die Gemeinschaft und das Vereinsleben eine große Rolle bei uns spielen, haben wir kaum Nachwuchsprobleme“, berichtet Engel. Ein „voller Erfolg“ sei die im Oktober 2019 gegründete Kinderfeuerwehr: „Wir hatten so viele Anmeldungen von Kindern, dass wir gar nicht alle annehmen konnten.“ Seit 1997 gibt es Frauen bei der Wehr in Blaichach, 1999 wurde die Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen.

Immer mehr Aufgaben

Wie schwierig es ist, dass Notfallübungen nicht mehr wie gehabt über die Bühne gehen können, davon berichtet auch Gerhard Jung, stellvertretender Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Eggenfelden im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn. Normalerweise wird in Eggenfelden an jedem Freitag zwei Stunden lang geübt. Dadurch halten sich die Wehrler für die rund 150 Einsätze im Jahr fit. Natürlich bleibe man durch die Einsätze selbst in Übung, räumt Jung ein. Wobei die Freitagsübungen darüber hinausgehen: Die Feuerwehrler machen sich zum Beispiel mit Geräten vertraut, die sie bei Einsätzen nicht immer nutzen.

Ein Ehrenamt bei der Feuerwehr geht man nicht aus Jux und Tollerei ein. Es bedeutet sehr viel mehr, als sich zum Beispiel im Karnevalsverein zu engagieren. Man kann Tag und Nacht zum Einsatz gerufen werden. „Zudem nehmen unsere Aufgaben kontinuierlich zu“, sagt Jung. Zum einen werde die Feuerwehr immer öfter gerufen. Auch aus Gründen, die früher als „Lappalien“ gegolten hätten. Zum anderen kompensiere die Feuerwehr anderweitige personelle Engpässe. „Bei Verkehrsunfällen befreien wir nicht nur Personen aus dem Fahrzeug, sondern wir machen Absperrdienste oder organisieren Umleitungen, weil das die Polizei nicht mehr leisten kann“, so Jung.

Dass Politiker offensichtlich keinen Änderungsbedarf in puncto „Anerkennung“ sehen, ist für den Eggenfeldener bitter. Bisher jedenfalls fanden die Forderungen der SPD nach einer Feuerwehrrente kein Gehör. „Keiner ist wegen des Geldes bei der Wehr“, betont Jung. Die Rente würde sich auch „höchstens im niedrigen dreistelligen Bereich bewegen“. Jenseits des Geldes sei sie aber einfach eine Würdigung dafür, „dass wir jederzeit alles liegen und stehen lassen, um zum Einsatz zu fahren“. Am Tag der Feuerwehrleute, ist sich Jung sicher, werden Politiker wieder Lobreden auf die Wehr singen: „Doch dass sie wirklich wissen, was wir leisten, das glaube ich nicht.“
(Pat Christ)

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