Kommunales

Die Wahl eines AfD-Stadtrats zum Kulturreferenten sorgt in Tittmoning für Protest von Kulturschaffenden. (Symbolfoto: dpa/Jochen Tack)

28.05.2026

Widerstand gegen AfD-Kulturreferenten in Tittmoning

Ein AfD-Stadtrat wird Kulturreferent – und Künstler schlagen Alarm: Nach der Wahl von Sebastian Gruttauer regt sich in Tittmoning massiver Protest gegen die Personalie

Nach der Wahl eines AfD-Stadtrats zum Kulturreferenten von Tittmoning regt sich deutlicher Widerstand. Rund 60 Kulturschaffende – darunter auch der Kabarettist und Musiker Hans Well („Biermöslblosn“) – äußerten in einem Brief an die Stadträte ihre Sorge über die Personalentscheidung.

„Kultur ist kein unpolitischer Raum. Sie prägt unser gesellschaftliches Miteinander, unsere Werte und unser Verständnis von Offenheit, Vielfalt und Demokratie“, heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Künstler zweifeln an Glaubwürdigkeit

Die Unterzeichner kritisieren, Kultur erschöpfe sich nicht in Traditionen wie Maibaumaufstellen oder Entenrennen. Deshalb sei fraglich, ob ein Vertreter einer Partei, die immer wieder durch ausgrenzende und demokratiefeindliche Positionen auffalle, glaubwürdig für diese Werte stehen könne.

Bei dem neuen Kulturreferenten handelt es sich um Sebastian Gruttauer (AfD). Nach Angaben der Initiatoren ist er der erste kommunale Kulturreferent aus den Reihen der AfD in Bayern. Der 32-Jährige hat in sozialen Netzwerken mehrfach sehr rechte politische Positionen vertreten und sich unter anderem für „Remigration“ ausgesprochen.

Diskussion über Rücknahme der Wahl

Die AfD stellt seit der Kommunalwahl im März drei der 20 Stadtratssitze in Tittmoning. Im Stadtrat übernimmt üblicherweise jedes Mitglied ein Fachreferat. Gruttauer erklärte auf Instagram, ihm sei das Kulturreferat zuvor zugesichert worden.

Nach einem Bericht des „Münchner Merkur“ gibt es inzwischen Überlegungen, die Wahl rückgängig zu machen und Gruttauer ein anderes Ressort zuzuweisen. Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. (dpa)

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