Kommunales

Beim Kennenlerngespräch sollten beide Seiten klar ihre Vorstellungen ansprechen. (Foto: dpa)

27.09.2019

Wie kommunale Eigenbetriebe Bewerber überzeugen

Nicht nur in den Verwaltungen, auch bei Stadtwerken und ÖPNV herrscht Personalmangel

Jobs im öffentlichen Dienst in Bayern gelten als krisensicher, dennoch entscheiden sich viele Bewerber für die lukrativeren Angebote aus der freien Wirtschaft: mehr Geld, bessere Aufstiegschancen. Thomas Jung (SPD), Fürther Oberbürgermeister und stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Städtetags, kennt die Sorgen und Nöte der Personalchefs in den Kommunen. „Hauptursache ist die boomende Wirtschaft, die in vielen Bereichen die Menschen mit attraktiven Jobangeboten lockt.“

Gerade bayerische Kommunen suchen derzeit händeringend gutes Personal. Die Situation sei in Bayern noch schwieriger als in anderen Teilen Deutschlands, sagt Jung: „Die Wirtschaft in Bayern boomt und gerade in Großstädten wie München ist die Lage angespannt.“ Die Kommunen müssen sich nach dem geltenden Tarifvertrag im öffentlichen Dienst richten, die Mieten in den Ballungszentren machen die Jobs oftmals noch unattraktiver.

Maik Ziegler ist Berater bei der Firma Sage Buisness Partner in Frankfurt/M., sein Schwerpunkt sind die öffentlichen Verwaltungen. Er sagt: „Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, ist heutzutage eine attraktive Arbeitgebermarke wichtig.“

Ein gutes Drittel geht bis 2030 in den Ruhestand

Doch welche Erwartungen haben Bewerber? Laut einer Studie des Online-Vermittlers Jobbörsen-Kompass gewinnen folgende Kriterien an Bedeutung: berufliche Sicherheit, leistungsorientiertes Gehalt, flexible Arbeitszeiten, Entwicklungsmöglichkeiten, ein angenehmes Betriebsklima und die berühmte Work-Life-Balance.

„Zentrale Herausforderungen wie der demografische Wandel, der Fachkräftemangel und die Digitalisierung erhöhen den Druck auf den Personalbereich“, erläutert Maik Ziegler.

„Aber insbesondere bei den öffentlichen Dienstleistungen wird Personal zur entscheidenden Ressource. Für kommunale Eigenbetriebe wird es deshalb immer wichtiger, sich mit ihrer Arbeitgebermarke (Employer Brand) auseinanderzusetzen, um Personal aktiv zu rekrutieren, zu binden und vakante Stellen schneller zu besetzen. Die Arbeitgebermarke soll Bewerbern ein einprägsames Bild vermitteln, das Orientierung gibt und die Identifikation mit dem Betrieb erhöht.“

Berechnungen zufolge geht in den kommenden zehn Jahren ein Drittel der Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung und in den Eigenbetrieben in den Ruhestand. Die Kommunen sind auf Nachwuchssuche und müssen häufig ihre Erwartungen zurückschrauben. Thomas Jung wirbt unterdessen für die Berufe im öffentlichen Dienst. Sie seien krisensicher, vielseitig und gerade für junge Mütter und Väter interessant. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen locken die Kommunen. Aber auch in der freien Wirtschaft werden ähnliche Modelle angeboten und die Verdienstmöglichkeiten sind in der Regel deutlich interessanter.

Moderne IT und effiziente Arbeitsprozesse

Doch mit welchen Personalmaßnahmen können kommunale Eigenbetriebe mehr Überzeugungskraft als Arbeitgeber gewinnen? Maik Ziegler weiß Rat: „Sie sollten sich durch klare Zielsetzungen mit einer glaubwürdigen und reflektierten Arbeitgebermarke gegenüber dem Wettbewerb positionieren und so an Profil gewinnen. Denn wer seine eigenen Werte selbstkritisch herausarbeitet und sich damit identifiziert, der kann seine Zielgruppe auf Augenhöhe erreichen.“

Wichtig seien auch eine moderne IT und effiziente Arbeitsprozesse, denn mit dem Einsatz digitaler Tools und Lösungen im Personalwesen ermöglichten Arbeitgeber nicht nur neue Arbeitsformen und -konzepte. Sie erfüllten dadurch auch die Erwartungen der Mitarbeiter und Bewerber an einen modernen Arbeitsplatz sowie an moderne Arbeits- und Führungsmethoden. Ein IT-basiertes Personalmanagement unterstützt und vereinfacht beispielsweise regelmäßige Mitarbeitergespräche oder die Dokumentation von Zielvereinbarungen.

Und wie lassen sich Kandidaten rekrutieren? Nach Ansicht von Maik Ziegler „können kommunale Eigenbetriebe mithilfe einer modernen Karrierewebsite und einem professionellen Auftritt in den sozialen Medien ihre Sichtbarkeit erhöhen. So erreichen sie insbesondere die jüngeren Generationen.“

Auch wichtig: die Motivation. „Wer als Arbeitgeber den Dialog mit Führungskräften verbessert und seinen Beschäftigten zuhört, sorgt für ein positives Betriebsklima und motiviert seine Mitarbeiter. Diese wiederum können sich besser mit ihrem Arbeitgeber identifizieren und bleiben länger an das Unternehmen gebunden“, findet Berater Ziegler.

Außerdem sei es in Zeiten der digitalen Transformation wichtig, „Beschäftigte weiterzuentwickeln und deren Kompetenzen auszubauen“. Stichwort: kostenlose betriebliche Weiterbildung oder Prämien für freiwillige Zusatzqualifikationen. „Damit ziehen Betriebe nicht nur neue Bewerber an, sondern erzielen auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz und stärken die Mitarbeiterbindung.“ (André Paul)

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