Kultur

Ausschnitt aus „Regenbogen“ (1972) von Otto Piene, der Mitbegründer der Künstlergruppe Zero war. (Foto: Museum Penzberg/VG Bild-Kunst)

07.02.2020

Ahnengalerie des Abstrakten

Die Suche nach Neuem: eine Ausstellung im Museum Penzberg über deutsche Künstler nach dem Zweiten Weltkrieg

Für die Museen des „Blauen Landes“ in der Region um Murnau geht es bei Epochenumbrüchen meistens um den Anfang des 19. Jahrhunderts. Das Museum Penzberg geht einen ungewohnten Schritt weiter und thematisiert unter dem Ausstellungstitel Zen, Zero & Co – abstrakt seit 1949 die „Stunde Null“ nach dem Nationalsozialismus und nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn bis 1945 war die deutsche Gegenwartskunst abgeschnitten von allen modernen Tendenzen. In seiner Ausstellung erinnert das Museum an das, was nach dem Zweiten Weltkrieg anfing oder wofür die Grenzen plötzlich wieder offen waren.

Eine entscheidende Rolle hat dabei die Künstlergruppe Zen 49 (bis 1957) und deren Fortsetzung Zero (1958 bis 1966) gespielt. Die synoptische Übersichtstafel am Ausstellungsbeginn führt die großen Namen der abstrakten Kunst in Deutschland auf: Rupprecht Geiger zum Beispiel, Fritz Winter, Ernst Wilhelm Nay, Willi Baumeister, Josef Albers – man zählt noch viele andere Namen auf, deren Lebenslinien spätestens zu Beginn des neuen Jahrtausends enden. Für die Exponate hat man einen privaten Sammler als Leihgeber an Land gezogen und eigene Bestände dazugesellt.

Als Hommage, auch als Überblick versteht sich diese Ausstellung, die das Fenster öffnet von der staatlich verordneten NS-Herrenrassen-Kunst zur Epoche des Abstrakten. Rupprecht Geiger wird zitiert: „Alleiniges Thema meiner Malerei ist die Farbe. Sie selbst ist das Motiv.“ Otto Piene meinte: „Die Kraft der Farbe ist zugleich die Überzeugungskraft der Farbe.“

Am Westen orientieren

Heinz Mack gibt zu: „Wir hatten einfach keine Vorbilder mehr.“ Von Gegenständlichkeit oder Figürlichkeit war also keine Rede mehr in den Jahren nach 1949, aber Vorbilder kamen dann doch: Man erinnerte sich an Kandinsky, blickte nach Westeuropa und nach Amerika. Mark Rothko spielte eine dominierende Rolle
In der Ausstellung nimmt der Einfallsreichtum abstrakter Kunst mit Raimund Girke Anlauf auf das Monochrome, auf neue Strukturen, auf die Nageldrucke Günther Ueckers (mit einem besonders aussagekräftig-typischen Blatt) und auch auf die Kraft heftiger Kontraste bei Heinz Mack. Die Künstler wollten sich nicht mehr mit dem wohlgeordneten Format des Tafelbilds begnügen oder nur Ölfarben auf die Leinwände bringen.

So ist diese Penzberger Schau parallel zur Campendonk-Sammlung eine Art Ahnengalerie des Abstrakten. Den röhrenden Hirsch überm Gelsenkirchener Barock muss man sich als Wohnzimmerpendant dazudenken.

Mit einer Fülle von sehr typischen Arbeiten macht man didaktisch geschickt Nägel mit Köpfen und legt die riesigen Holznägel von Hans Panschar wie eine Bestätigung daneben: als Zeichen im Raum oder als Sinnbild für die Fragen des Menschseins. Da liegen sie unterm Museumsdach, während die großen Abstrakten unten im Museum hängen: als Zeugnis einer gegenüber den Kriegsgräueln reinen, heilen Welt, als Anfang dieser „Stunde Null“ (die vielleicht doch keine war, wie die Historiker meinen) und von jedem ideologischen Ballast befreit. (Uwe Mitsching)

Information: Bis 1. März. Museum Penzberg – Sammlung Campendonk, Am Museum 1, 82377 Penzberg. Di. bis So. 10-17 Uhr.

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