Kultur

Die Dance-Biennale wird eröffnet mit "Any attempt will end in crushed bodies and shattered bones", einer Produktion des Belgiers Jan Martens. (Foto: Phile Deprez)

30.04.2021

Anstrengende Achterbahnfahrt

Nächste Woche beginnt die Münchner Tanz-Biennale „Dance“ als Online-Festival

Von jetzt auf nachher umdisponieren, das haben alle Einrichtungen der Kulturbranche in der Pandemie lernen müssen. Kuratorin Nina Hümpel hat für die fünfte von ihr verantwortete Münchner Tanz-Biennale (6. bis 16. Mai) eine besonders harte Zeit durchgemacht. „Im März 2020 dachte ich, dass ich einen Lottogewinn gezogen habe“, sagt sie mit Galgenhumor. „Mein Festival würde ja erst im Mai 2021 stattfinden, mit analogen Vorstellungen, Tanz im öffentlichen Raum und mit krachenden Partys.“ So kam’s aber nicht.

Monatelang hat sie dann analog und zugleich digital geplant, mit jeder Menge Hürden und Enttäuschungen gekämpft: „2019 habe ich in Peking junge Talente entdeckt. Sie sprechen kaum Englisch, haben kein Management. Also hätten wir vor Ort die Organisation übernehmen müssen. Aber dort noch ein Theater für das Streaming ihres Stückes zu finden, war illusorisch.“

Es gab noch kompliziertere Fälle: „Bis zum Jahresbeginn 2021 haben wir alles getan, um das Gastspiel North Korea Dance der Südkoreanerin Eun-Me Ahn hier live zu zeigen. Da das nicht realisierbar war, wollten wir kurzfristig eine kleine Produktion von ihr live zeigen. Als das nicht klappte, planten wir North Korea Dance als Film vor Publikum im Carl-Orff-Saal.“ Auch das wurde nicht erlaubt – genauso wie das Film-Streaming auf großen Leinwänden in der Stadt, zum Beispiel auch in Biergärten. Letztlich fiel die endgültige Entscheidung für eine Online-Präsentation – und das gesamte Festival wurde digital konzipiert. Das gilt auch für die Künstlergespräche, für Workshops und das dreitägige Symposium zum Thema „Politische Artikulation in Tanz und Literatur“. Zwei im Freien geplante Produktionen sind kurzfristig ausgefallen.

Für Nina Hümpel und ihre Crew war es eine anstrengende Planungsachterbahn. Dennoch scheint diese 17. Dance-Ausgabe spannend zu werden: und zwar mit Tanz, der sich politisch äußert, der – mit Bezug auf Corona – über Nähe und Distanz und das Alter in der Kunst der Bewegung nachdenkt. Eröffnet wird am 6. Mai dreiteilig: mit der Uraufführung von Any attempt will end in crushed bodies and shattered bones („Jeder Versuch führt zu zermalmten Körpern und gebrochenen Knochen“) des Belgiers Jan Martens gemeinsam mit dem Berliner Dance On Ensemble, zu dem sich 2015 Tänzer ab 40 plus zusammengeschlossen haben. Dazu aus dem Theater Köln Two for the Show, die neueste Produktion des Münchner Choreografen Richard Siegal. Diesen Auftakt schließt der Dokumentarfilm Mitten ab: Darin geht es um die Arbeit der berühmten belgischen Tanzfrau Anne Teresa De Keersmaeker. Schon in den frühen 1980er-Jahren hat man sie auf dem Münchner Theaterfestival mit ihrer damaligen Compagnie Rosas erlebt.

Es gibt auch ein Wiedersehen mit der US-Postmodernen Lucinda Childs, mit dem jüngst tanzpreisgeehrten Raimund Hoghe, weiteren bekannten Gästen der Münchner Tanzszene wie Ceren Oran, Judith Hummel und Anna Konjetzky.

Als einer der Höhepunkte versprochen ist die digitale Dance History Tour „zu Ereignissen und Orten der Münchner Tanzgeschichte“. Kuratiert haben Brygida Ochaim und Thomas Betz. Tänzerisch illustriert wird von der Elizabeth-Duncan-Schule und dem Bayerischen Junior Ballett.
Nina Hümpel wünscht sich zwar ein analoges Dance für 2023, freut sich jedoch, dass durch den umfassenden digitalen Auftritt „Tanzproduktionen nicht nur im Theater der eigenen Stadt, sondern weltweit erlebbar werden“. (Katrin Stegmeier)

Information: 6. bis 16. Mai. www.dance-muenchen.de

 

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