Kultur

Turbulente Szenen wie hier bei der Hochzeit, die in einem veritablen Boxkampf endet, verleihen der Verdi-Oper Tempo. (Foto: Nik Schölzel)

26.01.2018

Ausuferndes Fest

In Würzburg begeistert Verdis „Die sizilianische Vesper“

Rache, Liebe, Revolution prägen im Übermaß Giuseppe Verdis Grand Opéra Die sizilianische Vesper. Diese Art der Oper hatte zur Uraufführung 1855 und anlässlich der Weltausstellung in Paris ihre große Zeit schon hinter sich, aber Verdi fühlte sich geehrt ob dieses Auftrags. Allerdings musste er sich mit dem Libretto von Eugène Scribe herumschlagen, das dieser ursprünglich für Donizetti verfasst hatte, nun aber umschreiben ließ für andere Protagonisten und den Aufstand der Sizilianer gegen die Franzosen im 13. Jahrhundert. Das ergab zahllose logische Brüche und Ungereimtheiten. Verdi aber erfand für den ungeliebten Stoff herrliche Duette, schöne Melodien, rhythmisch Einprägsames.

Schöne Melodien

Bei der Aufführung im Mainfranken Theater Würzburg siedelte der amerikanische Regisseur Matthew Ferraro das abenteuerliche Geschehen in der Umbruchzeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg an. Er ließ die sizilianische Gesellschaft vorwiegend in schwarzen strengen Kostümen auftreten, steckte die französischen Soldaten in blaue Uniformröcke (Kostüme: Carola Volles).
Die lebendige Inszenierung mit vielen Massenszenen bewegte sich in einem Allraum mit hohen Fenstern, der durch verschiebbare Elemente rasch vom Saal in eine Krypta, ein Gefängnis oder einen Palastsalon verwandelt wurde. Für das Bühnenbild zeichnete ebenfalls Ferraro verantwortlich.
Gleich am düsteren Anfang wurden die empörten Sizilianer bei einer Filmvorführung mit dem Jubel ihrer französischen Besatzer konfrontiert. Als der unversöhnliche Aufrührer Procida heimkehrte, ein Hochzeitsfest in einem wüsten Exzess ausuferte und ein Boxkampf mit der Verhaftung der Verschwörer endete, steigerte sich die Volkswut. Auch die Liebe von Henri zur Herzogin Hélène fand ihr gewaltsames Ende, als die Hochzeitsglocken läuteten und damit das Signal zum Massaker an den Franzosen gaben. Da fiel der Vorhang.
Musikalisch ließ Enrico Calesso das aufmerksame Philharmonische Orchester die konfliktreiche Handlung aussagekräftig und klangschön nachzeichnen. Die Sänger begeisterten. Claudia Sorokina gab mit ihrem hell dramatischen, leicht metallisch unterlegten Sopran und klaren Höhen eine innerlich zerrissene Hélène. Uwe Stickert, der tragisch sie liebende Henri, gefiel sehr mit seinem offenen, jugendlich heldischen, höhensicheren Tenor. Und Igor Tsarkov war mit seinem dunklen, kräftigen, klangstarken Bass ein überzeugender Procida.
Mit der überragenden Gestaltung der Szenen des Guy de Montford, dem unglücklichen Vater von Henri, sorgte Federico Longhi dank seinem fülligen, farbenreichen Bariton für die Höhepunkte der Aufführung, in der die Chöre in ihren ständig bewegten Massenszenen durch klangliche Vielfalt imponierten. Enthusiastischer Beifall des Premierenpublikums. (Renate Freyeisen)

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