Bayern zeichnet sich durch eine vielfältige und hochwertige Theaterlandschaft aus. Doch es kriselt. Es gibt betagte Spielstätten, marode Häuser, Sanierungsstau, Interimslösungen und Kosten, die für Kommunen und Freistaat ständig steigen. Wie es in Würzburg, Nürnberg, Ingolstadt, Landshut und Augsburg vorangeht – oder nicht.
Nürnberg: Keine gute Zeit für Opernfans
Schlechte Nachrichten für Nürnbergs Opernfreunde: Die Sanierung für das 1905 eingeweihte historische Opernhaus liegt auf Eis. Sie sollte ab Schließung im nächsten Jahr etwa zehn Jahren dauern. Doch gäbe es aktuell keine konkrete Zeitplanung für Baumaßnahmen – schon gar nicht für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Opernhaus am Richard-Wagner-Platz. „Aussagen zu Kosten und ihrer Finanzierung wären zu diesem Zeitpunkt daher in hohem Maße spekulativ“, erklärt Angela Wiedemann, Sprecherin für den Geschäftsbereich Kultur der Stadt, der BSZ.
Bessere Nachrichten dagegen hat sie für das Theater der Stadt, dessen Neubau seit Ende 2024 im Werden ist. Die rund 176 Millionen Euro dafür fördert zu 75 Prozent der Freistaat Bayern. Da Neubau und die für das Staatstheater sanierten Flächen und Räume im Bestand des Kongresshallen-Torsos eine Einheit bilden, müssen beide Vorhaben gleichzeitig bis zur Eröffnung der neuen Spielstätte im vierten Quartal 2028 fertig sein. Man liegt im Zeitrahmen. Der Theaterbau entsteht im Innenhof der Kongresshalle. Musiktheater, Tanz und Konzert sollen vom Richard-Wagner-Platz an die Kongresshalle ab zweitem Quartal 2028 ziehen.
Ingolstadt: Bald gehen die Lichter aus
Auch das Stadttheater Ingolstadt hatte lange gehofft. Doch die Maßnahme, den denkmalgeschützten Hämerbau zu ertüchtigen, wird verschoben, bestätigt Theatersprecher Christian Zils. Die dafür veranschlagten rund 240 Millionen Euro sind angesichts der aktuellen Sparmaßnahmen der Stadt nicht drin. Noch in diesem Jahr stoppt der Spielbetrieb im Großen Haus und in der Werkstattbühne. Trotz allem wird es Vorstellungen geben, erklärt Zils. „Ab Herbst dient das Theater am Glacis als Ausweichspielstätte.“ Bereits jetzt werden zwei Produktionen in dem Interimstheater, einem mobilen Holzbau aus der Schweiz, gezeigt. Die Kosten dafür wirken fast überschaubar. Rund 7,3 Millionen Euro aus dem städtischem Haushalt wurden bislang in den Umzug aus St. Gallen, den Wiederaufbau in Ingolstadt sowie in die Ertüchtigung des Holztheaters am Glacis investiert, erklärt der Sprecher.
Kulturfreunde können sich als Stuhlpaten an der Ausstattung des Theaters beteiligen, rund 160 Stühle sind noch verfügbar. Allerdings, bedauert Zils, entfalle mit der Schließung der Werkstattbühne die zentrale Spielstätte des Jungen Theaters. Nach einem Ersatzort suche man derzeit. Ebenso benötige man noch Lagerflächen, Aufenthaltsräume für technische Gewerke und Präsenzwerkstatt. Entsprechende Lösungen würden geprüft. Der Festsaal im Hämerbau ist voraussichtlich bis Sommer 2027 geöffnet. Momentan ist nicht klar, ob es auch für ihn einen adäquaten Ersatz gibt.
Landshut: Dann halt weiter im Theaterzelt
Das Landestheater Niederbayern bespielt gleich drei Städte: Landshut, Passau und Straubing. Trotz Haushaltsstopps in den vergangenen Jahren sieht Geschäftsführer Konrad Krukowski Positives für den Spielort Landshut – selbst wenn man noch länger in einem altes Theaterzelt spielen müsste: „Als wir eingezogen sind, haben viele gewitzelt, dass wir einmal froh sein werden, es zu haben. Dieses damals noch vollkommen unrealistische Szenario ist jetzt eingetreten.“ In den vergangenen zwölf Jahren habe man gelernt, mit plötzlichen Richtungsänderungen umzugehen. Umzugskartons würden noch nicht gepackt, Transparenz in alle Richtungen und die Rückendeckung der Mitarbeiter seien entscheidend.
Weniger wohlwollend klingt der scheidende Intendant Stefan Tilch. Von Journalisten zum Status quo befragt, antwortet er: „Ich mische mich da nicht mehr ein. Wegen der Situation höre ich ja auch auf.“ Aktuell warteten alle auf die städtischen Haushaltsberatungen, wovon abhängt, ob das mittlerweile ja selbst marode Theaterzelt überhaupt weiterbetrieben werden darf. „Wenn nicht, müsste ein anderes Interim gefunden werden – eine Suche, bei der wir jedenfalls damals, als wir für das Zelt stimmten, nicht sehr erfolgreich waren.“ In diesem Moment gebe es positive Signale aus dem Rathaus. „Die aber gab es über die letzten Jahrzehnte schon öfters.“
Fakt ist: Noch steht der Haushaltsbeschluss des Stadtrats aus, vor Kurzem erst wurde er verschoben.
Trotz allem startet mit Astrid Großgasteiger eine neue Intendantin in die nächste Spielzeit. Geschäftsführer Krukowski bleibt optimistisch: „Die neue künstlerische Leitung kann ihre erste Spielzeit wie geplant starten und durchführen, ohne nach alternativen Spielorten suchen zu müssen, oder das Programm komplett auf den Kopf zu stellen.“
Würzburg: Hat der Stillstand bald ein Ende?
Die Unterfranken beschäftigt seit Jahren die Sanierung und Erweiterung des Mainfranken Theaters Würzburg. Für dieses Projekt zeichnet der Geschäftsführende Direktor Dirk Terwey in der Funktion als Bauherrnvertretung verantwortlich. Bekannt ist: Eine Kette von Verzögerungen nach Planungsfehlern und Architektenwechsel ist mit schuld an der Misere. Denn dort wurde bereits im Sommer 2018 mit dem Abriss des ehemaligen Atriums und dem Aushub der Baugrube an der Theaterstraße begonnen. Im Herbst soll eine aktuelle Kostenprognose vorliegen: Eine Summe von rund 145,9 Millionen Euro wird erwartet. Ebenso im Herbst soll der Stillstand am Altbau ein Ende haben, die Arbeiten mit Abdichtungsarbeiten am Bestandsgebäude erneut starten, so Terwey zur BSZ. Realistischer Abschluss der Gesamtsanierung mit der Modernisierung des Großen Hauses und des Bestandsgebäudes ist für frühestens Ende 2029 geplant, die Wiedereröffnung für das Jahr 2030. Immerhin entstand im Zuge der Baumaßnahmen in Würzburg der neue Theater-Kopfbau, der schon im Dezember 2023 eröffnet wurde. Laut Terwey ein Besuchermagnet. Zudem bespielt das Theater als Interim derzeit die Theaterfabrik Blaue Halle.
Augsburg: Ein Projekt im Dauerkrisenmodus
Auch der Umbau des Staatstheaters Augsburg befindet sich im Dauerkrisenmodus. Maria Fürstenberger, Pressereferentin Schauspiel und Ballett, verweist auf BSZ-Nachfrage an die Stadt: „Wir von der Stiftung Staatstheater sind nicht Bauherren der Generalsanierung, wären aber in allen künstlerischen Fragen und bezüglich der derzeit bespielten Interimsspielstätten die richtigen Ansprechpartnerinnen.“
Vorstellungen finden derzeit in den Interimsstätten im Martini-Park, dem Gaswerk Oberhausen und im alten Rock Café in Augsburg-Kriegshaber statt. Feststeht: Bauverzögerungen, ein Wasserschaden im April 2025 und dann ein Baustopp im November wegen Schadstoffverdachts ziehen das gesamte Projekt in die Länge – und verteuern es. „Die bauliche Fertigstellung des Gesamtprojekts aus Generalsanierung des Bestands und der Neubauten ist für 2030 terminiert. Danach kann der Gebäudekomplex an den Nutzer Staatstheater Augsburg übergeben werden“, heißt es vom Augsburger Referat für Stadtentwicklung, Planen und Bauen. Ursprünglich sollten Modernisierung und Neubauten insgesamt 186 Millionen Euro kosten, aktuell wird bereits mit 417 Millionen Euro kalkuliert. Auch hier fördert der Freistaat Bayern 75 Prozent der Kosten. Wenn ihm angesichts der allgemeinen Theaterschieflage nicht doch das Geld dafür ausgeht. (M.-J. Hlawica)
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