Kultur

In tiefem, warmem altenglischen Rotton präsentieren sich in Saal 7 des Bayerischen Nationalmuseums seltene Einzelstücke. (Foto: Hlawica)

06.03.2026

Die Schätze des Mittelalters – neu präsentiert

Nach vierjähriger Restaurierung öffnet das Bayerische Nationalmuseum erstmals wieder drei besondere Säle

Vorab sei gesagt: Das Warten hat sich gelohnt. Besucher, die jetzt, nach knapp vierjähriger Renovierung, Restaurierung und Neukonzipierung, die soeben wiedereröffneten Säle 3, 4 und 7 des Bayerischen Nationalmuseums betreten, dürfen sich freuen.

Zu sehen sind in mühevoller Kleinarbeit wiederbelebte seltene Kunst-Stücke, sakrale Preziosen, ja exzeptionelle Objekte des Hoch- und Spätmittelalters. Auch der historischen Architektur des Hauses von Architekt Gabriel von Seidl, 1900 nach siebenjähriger Bauzeit eröffnet, wurde mit Arbeiten an den Böden, Wänden und Decken Rechnung getragen.

Ebenso vorab sei festgehalten: Was in den Sälen wie zufällig scheint, wurde in keinem Fall dem Zufall überlassen. „Jeder Raum hält eine Überraschung parat“, erklärt Kristina Mösl, die Leiterin von Konservierung und Restaurierung des Museums.

Bis zu 2 Tonnen schwere Steine

So werden etwa in Saal 3 historische Grabmale und -platten präsentiert, bei wiederhergestellter, originaler Decken- wie Wandbemalung des Raumes. Unter der blaugemusterten Kuppel kommen die mächtigen, bis zu 2 Tonnen schweren Steine zur Geltung. Gewollt sind Brüche, die etwa Wandteile vor der Restaurierung zeigen, oder eine weibliche Bronzeskulptur des Bildhauers Wilhelm Uhlig als stumme Betrachterin der Szenerie.

Besonders wichtig ist und war Kunsthistoriker und Generaldirektor Frank Matthias Kammel wie auch Matthias Weniger, Museumsreferent für das Mittelalter, eine Sache: dass niemand Kenner dieser Epoche sein muss, um sich auf diese neue Zeitreise durch die Säle einzulassen. Sie hätten nicht nur eine ganz eigene Raumatmosphäre, sie seien wahre „Stimmungsräume“. Gewollt behutsam und niederschwellig kontextuiert wird der Betrachter an die dort ausgestellte Kunst herangeführt.

In Saal 4 sind es detailreiche, prachtvolle Altaraufsätze, auch Mariendarstellungen, Madonnen. Stücke, die von der nachträglichen Elektrifizierung des Raumes profitieren. Oder die raumhohen, gewaltigen Chorfenster der Regensburger Minoritenkirche, deren unzählige Glaselemente farbenfroh leuchten.

Die wenigen sichtbaren, weißen Fehlstellen sind Absicht, sagt Mösl. Die Originale seien ja verschwunden: „Wir haben viele Überlegungen angestellt. Halbtransparente Streuglasscheiben waren im Gespräch, oder Milchglas. Das aber wäre in zu starke Konkurrenz zu den Originalfenstern getreten.“ Also entschied man sich für opake „Platzhalter“, die weder Schönheit noch Anmutung Abbruch tun.

Zu der dortigen, intakt erhaltenen Steinrose, ein Monolith aus einem Stück Stein gehauen, gibt es schon jetzt eine schöne Anekdote, berichtet Museumssprecherin Ann-Kathrin Reichenbach. Eben diese Steinrose erwiese sich jenseits des Mittelalters in der heutigen Medienzeit als Instagram-tauglich für Besucher aller Altersgruppen. „Unsere Gäste fotografieren sich dort besonders gerne“, hat sie beobachtet.

In tiefem, warmem altenglischen Rotton wiederum präsentieren sich in Saal 7 seltene Einzelstücke, teils lange im Depot des Hauses verborgen, teils Leihgaben. Vergoldete Kirchengaben, wie ein einmaliger Johannes-Kopf, der zum Christus umgearbeitet wurde, Ornamentscheiben, ein seltenes Kreuz, kurz: Kunst aus ehemaligen Frauenklöstern früherer Jahrhunderte. Angesichts all der Schönheit und Geschichte der Ausstellungsstücke kann man mühelos Stunden in den drei Sälen verbringen, sie genießen und wirken lassen, bestätigt Mösl. 

Als „kleine Meisterleistung“ bezeichnet Reichenbach, dass man bei den Kosten inklusive Eigenleistungen und Drittmitteln unter einer Million Euro geblieben sei.

Das ganze Team brachte sich kreativ ein

Dafür brachte sich auch das ganze Team des Museums kreativ ein. So tüftelte und überlegte man gemeinsam, wo und wie neue Leitungen oder Lichtleisten diskret angebracht würden, Sitzgelegenheiten oder Klimageräte unauffällig platziert oder die Schönheit der Original-Steinböden wiederbelebt werden könnten.

Audioguides sind in Deutsch und Englisch erhältlich, italienische Führungen werden angeboten. Ende des Jahres soll es auch einen Medienguide geben, der die gesamte Renovierungs- und Restaurierungsphase nachvollziehbar erklärt. Und noch ein „kostenloses Extra“ gibt es. Saal 1 der Abteilung Mittelalter im Museum war über die Dauer der Renovierung und Restaurierung geschlossen.

Er diente als Lagerraum, galt Mitarbeitern, Restauratoren, dem Kirchenmaler oder Elektrikern als Durchgang zu den drei Sälen. Jetzt aber ist auch er wieder frei zugänglich – als Eintritt und eine Art „Bonus-Saal“, der die wiedereröffneten Säle komplettiert.
(Marie-Julie Hlawica)
 

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