Kultur

Der Visierhelm ist wohl italienischen Ursprungs und aufs Ende des 15. Jahrhunderts zu datieren. (Foto: Bayerisches Armeemuseum/Carlo Paggiarino)

02.11.2018

Die schöne Seite des Kriegsgeräts

Originale Waffen und Fotografien davon im Bayerischen Armeemuseum Ingolstadt

Natürlich ist eine Waffe zunächst einmal ein Kriegsgerät – oder war es einmal, wie die zahlreichen einschlägigen Gerätschaften bezeugen, die im Bayerischen Armeemuseum in Ingolstadt ausgestellt sind. Aber schon in früheren Jahrhunderten dienten sie auch zu Schau-, Pracht- und Prunkzwecken, einschließlich jener Waffen, die zwar exorbitant beeindruckend ausschauen, aber im Wesentlichen oft so unhandlich sind, dass sie kaum für den Kampf taugten: Zaumzeug für Gockel. Genau hier liegt aber auch eine hochinteressante Nahtstelle zwischen der praktikablen und der ornamentalen Funktion der Waffe: Die ist immer auch ein Zeugnis guten Handwerks, Kunsthandwerks gar. Weithin berühmt in diesem Metier waren beispielsweise die Landshuter Plattner, die Rüstungen herstellten für die europäischen Ritter.
In der neuen Ausstellung des Armeemuseums ist ein Armzeug der Plattner Wolfgang und Franz Großschedel zu sehen – daneben ein Foto, das detailliert die Kunstfertigkeit dieser Handwerker unterstreicht. Im Visier des Fotografen heißt die Ausstellung im Neuen Schloss, in der Fotografien von Carlo Paggiarino gleich neben deren Sujets hängen, Abbild und Abgebildetes kommunizieren miteinander. Damit verlassen die Waffen endgültig ihre Ebene der Blutrunst und treten ein in die Dimension der Ästhetik.

Spiel mit Assoziationen

Der Mailänder Paggiarino hat in sechs Wochen 120 Objekte aus dem Armeemuseum abgelichtet, daraus ist ein Bildband entstanden, aus dem Aufnahmen aus dem Museum zu sehen sind. Dreidimensionale Objekte neben deren zweidimensionaler Abbildung, die neue Blicke auf diese Objekte werfen, die durch klug ausgerichteten Lichteinfall Flächen neu definieren, durch Ausschnitte ungewöhnliche Assoziationen entstehen lassen.
Da wird ein Köcher womöglich zum Waldschrat, die Sehne einer Armbrust zu Peitsche, Schlange oder Armreif, ein Kettenhemd zu Wellenbergen. Dinge aus Metall, die spitz sind und wehtun sollen, legen vor den Augen des Betrachters ihre Funktion ab und werden zu filigranen Arbeiten.
Auch dringt der Blick der Fotografie auf besondere Art ein in die Flächen der dargestellten Objekte. Die Fotografien von einigen sogenannten Pavesen (Holzschilder zur Deckung bei militärischen Auseinandersetzungen mit vortretenden Mittelrippen) zeigen beispielhaft die Arbeit des Fotografen: die Neuentdeckung der Fläche. Das zeigt auch die Aufnahme eines Visierhelms: Lichteinfall, Schattenwürfe, Reflektionen arbeiten Unebenheiten, Unreinheiten heraus wie bei einer Haut vor dem Schminkspiegel; sein Alter wird sichtbar als regelrechte Aura. Derlei Rüstungsteile werden so zu einer Schlangenhaut, die das Kriegshandwerk längst abgelegt hat. (Christian Muggenthaler)

Information: Bis Ende 2019. Bayerisches Armeemuseum, Neues Schloss, Paradeplatz 4, 85049 Ingolstadt. Di. bis Fr. 9-17.30 Uhr, Sa. 10-17.30 Uhr.

Abbildungen:
Ausstellungsansicht mit Waffen und Carlo Paggiarinos Detailfotos davon. (Foto: Bayerisches Armeemuseum/ Erich Reisinger)

Die gläsernen Handgranaten stammen aus Deutschland (17./18. Jahrhundert).   (Foto: Bayerisches Armeemuseum/Carlo Paggiarino)

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