Kultur

Die Münchner Bücherschau (bis 29. November) findet diesmal ausschließlich online statt. Aber auch dort kann man virtuell in manch neues Buch schielen. (Foto: Münchner Bücherschau)

19.11.2020

"Digitale Formate brauchen eine andere Dynamik"

Die Münchner Bücherschau findet diesmal virtuell statt - doch auch online ist viel geboten

Die Münchner Bücherschau kann in diesem Jahr in analoger Form nicht stattfinden – ist aber im Internet enorm präsent, mit vielen literarischen Programmpunkten für Erwachsene und Jugendliche: vom Historiker Wolfgang Benz über Autor*innen wie Charlotte Link und Ken Follett bis zur Feministin Alice Schwarzer und dem "Fakt.Erklärer" und Reporter Eric Mayer. Zudem können über das Münchner Bücherschau-Eingangsportal die einzelnen Verlage mit ihren Messeständen angesteuert werden. Die Organisatoren – Michael Then, Vorsitzender Börsenverein des Deutschen Buchhandels - Landesverband Bayern und die Kuratoren Kuratoren Edith Offermann (Kinder- und Jugendprogramm) und Thomas Kraft (Erwachsenenprogramm) haben sich viel Mühe gemacht, diese digitalen Angebote zu erarbeiten.

BSZ: Das Umswitchen von analog auf digital war sicher ein großer Kraftakt. Was hat dabei am meisten Einsatz gefordert?
Michael Then: Neu denken ist die sicherlich größte Herausforderung, weil es eben nicht um eine Übertragung 1:1 geht. Neu zu bedenken, dass das „Sitzfleisch“ digitaler Besucher erheblich schwächer oder dünner ist. Neu zu denken, wie Datenschutz, Copyright und gesetzliche Rahmenbedingungen auf eine Veranstaltung angewendet werden können, die eigentlich 24 Stunden an sieben Tagen geöffnet hat und wo keiner das Licht ausmacht. Aber auch neu zu denken, wie Autor*in und Leser*in sich begegnen können, wie Verlage sich eine digitale „Visitenkarte“ geben können und wie überhaupt in der digitalen Welt eine Bücherschau sichtbar gemacht werden kann über 14 Tage, wenn es allenthalben heißt, mehr als 10 Sekunden Aufmerksamkeit bekommt kaum jemand im Internet.
Edith Offermann: Am meisten Einsatz bezüglich der Lesungen hat tatsächlich das Recherchieren und Anbieten der jeweils optimal angepassten technischen Formate gemacht (MS Teams, Zoom, Streaming) und das Klären der datenschutzrechtlichen Bestimmungen gemacht. Da wir diese Optionen aber von Anfang an mitgeplant hatten, konnten wir schon seit Längerem an der Lösungen arbeiten. Autoren und Verlage haben uns sehr engagiert unterstützt und das Umswitchen toll mitgetragen.

BSZ: Wie haben die Autor*innen reagiert?
Edith Offermann: Die Autorinnen und Autoren haben sehr positiv reagiert – es überwiegt trotz des Wehmuts, dem Publikum nicht live begegnen zu können, die Freude, überhaupt für Leser zu lesen. Tatsächlich bieten zum Beispiel Formate wie die virtuellen Livelesungen ja auch die Möglichkeit, Fragen an den Autor zu stellen und dadurch eben doch einen persönlichen Kontakt zum Publikum aufzubauen. Das hat bisher toll funktioniert.
Thomas Kraft: Ich kann nur für „meine“ Autoren sagen, dass die eigentlich sehr kooperativ waren. Natürlich haben sie es bedauert, nicht vor Publikum auftreten zu können.

BSZ: Was unterscheidet grundsätzlich ein digitales von einem analogen Literaturangebot?
Edith Offermann: Im Kinder- und Jugendbereich fehlen uns und den Autorinnen und Autoren natürlich die unmittelbaren Reaktionen der Kinder und Jugendlichen – das gemeinsame Lachen, Erschrecken und Mitfiebern, das man einfach direkt spürt. Andererseits findet unser Publikum es toll, Autorinnen und Autoren sozusagen in deren heimischen Wohnzimmern zu sehen und dadurch trotz der Distanz doch eine Nähe zu spüren.
Thomas Kraft: 
Digitale Formate brauchen eine andere Dynamik, mehr Gesprächsanteile statt Lesungen.

BSZ: Und was war bisher die größte Überraschung?
Edith Offermann: Dass unser jungen Publikum so unglaublich viele tolle Fragen an die Autorinnen und Autoren stellt. (Interview: Christian Muggenthaler)

Information: Bis 29. November. https://www.muenchner-buecherschau.de

 

 

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