Kultur

Miss Tracy (Pius Maria Cüppers) und Casey (Yascha Finn Nolting) sind als Dragqueens ein geniales Gespann. (Foto: Konrad Fersterer)

31.01.2020

Dünne Story – grandiose Show

Theatrale Dragqueen-Inszenierung in Nürnberg

Das erlebt man im Staatstheater Nürnberg eher selten: stehende Ovationen und ein völlig aus dem Häuschen geratenes Publikum. Der Grund für die überbordende Begeisterung ist die Premiere und gleichzeitig deutschsprachige Erstaufführung von The Legend of Georgia McBride des US-amerikanischen Autors Matthew Lopez.

Die Story ist dünn. Der erfolglose Elvis-Imitator Casey (grandios als Elvis und als Dragqueen: Yascha Finn Nolting) steckt in einer Lebenskrise. Seine Presley-Nummern im Nachtclub Foxy’s will keiner mehr sehen. Darum feuert ihn Clubbetreiber Eddie (genialer Stinkstiefel: Michael Hochstrasser). Das ist tragisch, denn Caseys Freundin ist schwanger und das Geld fürs tägliche Leben fehlt. Die Rettung bringt eine Drag-Show. Sie wird zum Renner im Provinzkaff Panama Beach in Florida. Casey steigt wie Phönix aus der Asche zum Star dieser Show auf, wenn er im Fummel erst unbeholfen Edith Piaf intoniert, um dann seine Paraderolle als Cowgirl zu finden und Countrysongs zu schmettern.

Viel mehr Tiefgang braucht es gar nicht. Denn es soll keine sozialkritische Auseinandersetzung mit dem Problem sein, wenn Männer ihre Androgynität in Frauenkleidern ausleben. Nein, hier geht es schlicht um Spaß. Und den liefert Regisseur Christian Brey ganz dick.

Dragqueens backstage

Ein überdimensionaler Bausparfuchs thront auf der Bühne des Schauspielhauses. Aus seinem Bauch kommen zwischen den Fäden eines Glittervorhangs Dragqueens heraus. Sie unterhalten ein begeistertes Publikum mit ihren Travestie-Nummern. Schwupps dreht sich die Bühne und man ist im Backstage-Bereich. Dort spielen sich die Dramen rund um das Dragqueen-Dasein ab.

Pius Maria Cüppers mimt köstlich und einfühlsam Miss Tracy. Diese führt Casey in die Welt der Drags ein. Rührend kümmert sich Miss Tracy um die Persönlichkeitsreifung des jungen Familienvaters Casey, der es über ein halbes Jahr lang nicht wagt, seiner Freundin Jo (bedient perfekt die Klischees der werdenden Mutter: Süheyla Ünlü) zu beichten, dass er in Frauenkleidern Karriere macht.

Es ist das passende Stück zur richtigen Zeit: Diese herausragende Inszenierung dürfte sich zu einem Publikumsrenner entwickeln und die leidlich tumbe, uninspirierte TV-Show Queen of Drags mit Heidi Klum, Conchita Wurst und Bill Kaulitz in den Schatten stellen.

Der einzige Wermutstropfen, den das Team um Regisseur Brey aber noch beseitigen kann, ist die fehlende Zugabe. Wahrscheinlich war man am Schauspielhaus nicht auf die exaltierten Begeisterungsstürme vorbereitet. (Ralph Schweinfurth)

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