Kultur

Ausschnitt aus einer in den Jahren 2015/16 entstandenen unbetitelten Arbeit von Arnulf Rainer. Die Gesamtansicht finden Sie im Beitrag. (Foto: MMK)

10.01.2020

Eigensinnige Hände

Arnulf Rainer und Karl Schleinkofer im Museum Moderner Kunst Passau

Das Museum Moderner Kunst in Passau ist die Bühne für eine Geburtstagsausstellung Arnulf Rainers (er wurde im Dezember 90). Zu sehen sind Rainers neueste Arbeiten, die zum größten Teil bisher nicht öffentlich gezeigt wurden. Als Gast hat sich der österreichische Jubilar (er wurde in Baden bei Wien geboren) den Passauer Künstler Karl Schleinkofer zu dieser Schau geladen. Beide haben sich jahrelang ein Atelier in Schloss Vornbach am Inn geteilt. Rainer arbeitet heute in Österreich und auf Teneriffa.

Die Ausstellung vereint nicht nur zwei künstlerisch verwandte Arbeitsweisen, sondern betont auch die Achtung der beiden Künstler füreinander. Arnulf Rainer, der als Begründer des Informel in Österreich in den 1950er-Jahren gilt, wurde durch seine Übermalungen bekannt, die er als eigene Kunstform entwickelt hat. Er begab sich damit in einen Dialog mit dem Bild, um es sich anzueignen und daraus Neues entstehen zu lassen. Auf der Suche nach künstlerischen Strategien und Wegen setzte er sich auch in performativen Arbeiten und Schriften mit Malerei auseinander.

Raumgreifender Pinselstrich

Im Spätwerk wendet sich Rainer dem kleineren Format zu. Hier übermalt er nicht mehr, eher bezieht er freien Raum gestalterisch ein. Mit malerischem Gestus greift Rainer in diesen „Schleierbildern“ mit raumfordernd breitem Pinselstrich in transparenten Farben aus, konzentriert sich auf eine Mitte und erweitert die Farbbahnen von dort aus wieder zum Bildrand hin.

Der 1951 geborene Karl Schleinkofer erarbeitet sich konsequent seit Jahrzehnten ausschließlich auf der Grundlage von Schwarz, Weiß und Grautönen in endlos vielen Schichtungen Raumkörper, die plastisch im Bild schwebend sich auf den Rand zubewegen, teils darüber hinauswachsen, fast zu entfliegen scheinen. Unerschütterlich vertraut er dem Eigensinn der zeichnenden Hand, die die Linie in dynamischer Bewegung endlos in die Tiefe von Zeit und Raum führt. Fertig im Sinn von abgeschlossen sind diese Formationen nie – fertig im Sinn von so weit wie möglich schon.

Beide Künstler stellen den malerischen Gestus, den physischen Aspekt von Malerei, als Vorgang der Aneignung von Welt in das Zentrum ihrer Arbeit. In ihrer Kunst vertrauen sie hier, losgelöst vom Intellekt, allein den Sinnen. (Ines Kohl)

Information: Bis 23. Februar. Museum Moderner Kunst, Bräugasse 17, 94032 Passau. Di. bis So. 10-18 Uhr.

Abbildungen:
Eine in den Jahren 2015/16 entstandene unbetitelte Arbeit von Arnulf Rainer. (Foto: MMK)

Wie in dieser Arbeit (2018) gestaltet Karl Schleinkofer seine Bilder ausschließlich in Schwarz, Weiß und Grautönen. (Foto: MMK)

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