Kultur

Die neun Hornsolisten der Bayerischen Staatsoper. (Foto: Wilfried Hösl)

02.06.2020

Ein starker erster Gehversuch

Die Bayerische Staatsoper wagt ein Konzertformat mit Publikum

Die Besucherin bringt es auf den Punkt. „Endlich geht es wieder los! Endlich werden Konzerte wieder für das Publikum geöffnet! Ich war schon wirklich übersättigt und genervt von den vielen Online-Streams im Internet.“ Natürlich weiß auch die Münchnerin, dass die Normalität noch in weiter Ferne liegt, aber: „Es ist ein erster Schritt. Ich finde es ganz großartig, dass die Bayerische Staatsoper das jetzt versucht.“ Sie meint damit die „Streifzüge“ am Münchner Nationaltheater. Dahinter verbirgt sich ein neues Konzertformat, bei dem Musiker*innen des Bayerischen Staatsorchesters bis zum 24. Juni ausgewählte Kammermusik an verschiedenen Orten im Haus präsentieren. Zunächst mittwochs, später sollen weitere Projekte auch an den Wochenenden folgen. Für das Publikum ergeben sich viele Vorteile. Es kann Orte am Nationaltheater erkunden, wo man sonst nicht hinkommt.

Noch dazu erlebt es das Bayerische Staatsorchester in privater Kleinformation im fast schon exklusiven Rahmen. Für den Auftakt der Reihe wurden in zwei Konzert-Runden jeweils 24 Besucher*innen zur Unterbühne des Nationaltheaters geladen. Hier präsentierten die neun Hornsolisten der Bayerischen Staatsoper, die Munich Opera Horns, Werke von Wolfgang Amadeus Mozart bis zum berühmten Libertango von Astor Piazzolla. Das machte die Herausforderung noch größer.

Denn bei Blas- und Chormusik sind die Übertragungsrisiken besonders hoch, wegen der Atemluft und der Spucke. Für das Kondens- und Speichelwasser hatten alle Hornist*innen einen eigenen Behälter. Zudem gilt auch für sie der gewöhnliche Mindestabstand von 1,5 Metern. Die Grundlage dafür bilden aktuelle Studien an der Universität der Bundeswehr sowie der Berliner Charité und der Universität Zürich.

Sonst aber wurde für die ersten „Streifzüge“ ein Hygiene-Konzept erstellt, das sich an den Konzepten der Staatsregierung für Museen und Gottesdienste orientiert. Dabei wurden die Regeln sogar übererfüllt. So gab es zwischen den Musiker*innen einen Abstand von drei Metern, überdies aufgeteilt in zwei Reihen. Sie befanden sich zudem nicht auf derselben Ebene wie das Publikum. Die Gäste waren auf einer Empore darüber und herum verteilt, bei Einhaltung eines Abstandes von zwei Metern.

Bis zum jeweiligen Platz gilt die Maskenpflicht, auch für die Musiker*innen. Die Besucher*innen werden einzelnen in einen Wartebereich geführt. Beim Einlass wird die Garderobe in einem persönlichen Bereich abgelegt. Von dort geht es in Abständen und jeweils einzeln zum Ort des Konzerts. Auf dem Weg dorthin können einzeln Toiletten aufgesucht werden. Das Personal wurde eigens geschult. Bei insgesamt 24 Gästen sind mehrere dezentrale Eingänge nicht erforderlich.

Für künftige größere Veranstaltungen in diesem Rahmen sind sie vorgesehen und da gibt es bereits einige Pläne. Neben den „Streifzügen“ sollen am Wochenende nach Pfingsten weitere Projekte wie auch Probenbesuche auf der großen Bühne des Nationaltheaters folgen. In seiner Begrüßung nannte Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler den Konzert-Auftakt mit Publikum einen „ersten Gehversuch“. Eine glatte Untertreibung, denn: Die Bayerische Staatsoper hat ein starkes Signal in die Musikwelt ausgesendet.
(Marco Frei)

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