Kultur

Die Rother Bluestage sind eine wichtige Anlaufstation für Fans aus Bayern und darüber hinaus. (Foto: Rother Bluestage, Krissy Matthews)

21.03.2026

Es gibt einige Festivals: Der Blues lebt in Bayern

Auch ohne die Ingolstädter Blues-Tage gibt es im Freistaat noch eine rege Szene mit renommierten Festivals – zum Beispiel in Roth

Die Gemütslage, die dem Blues entspricht, dürfte ziemlich genau die der gegenwärtigen Wochen sein: melancholisch, und zwar in positivem Sinne. Wer nicht für sich allein „I’ve got the blues“ singen will, für den sind die Blues-Tage genau das Richtige – auch in Bayern. Da gibt es denn seit Jahren das Bamberg Open Air, mit gewöhnlich 60 Livebands und 150.000 Besuchern, mehr in gemütlicher Authentizität die Blues-Tage im oberfränkischen Küps oder in Puchheim mit hochkarätigen Gästen aus ganz Europa.

Doch so richtig traurig sind seit 2020 die Blues-Fans mit dem Feeling aus dem Mississippi-Delta in Ingolstadt: Wechsel in der Leitung, kein rechter Nachfolger, leere Stadtkasse – Schluss mit Blues, hieß es damals an der Donau.

Da fährt man vielleicht als Ersatz zum Apfelmus-Festival an den hessischen Vogelsberg nördlich von Frankfurt: Blues mit allem vom Apfel statt der Kreolischen Küche mit Shrimps aus den Bayous westlich von New Orleans – die Schalen kommen dann ins Loch mitten im Tisch.

Zum 33. Mal in der Mitte Bayerns

Oder man begibt sich gleich in die Mitte Bayerns: Im mittelfränkischen Roth finden vom 21. bis zum 29. März zum mittlerweile 33. Male die „Rother Bluestage“ statt. In der Wunderbar ging es einst los, die Leiterin der Rother Kulturfabrik, Ruth Kiefer, holte die Bluesfans dorthin. Seit 20 Jahren surfen Monika Ammerer-Düll und Silke Rieger auf der Erfolgswelle von einem Dutzend Blues-Auftritten in drei Locations. Rieger zu diesem Jobsharing: „Wir beide machen alles. Im Lauf der Jahre hat jeder sein Netzwerk von Partnern und Künstlern entwickelt, aber wir brauchen unser Pendant.“

Die beiden haben auch nicht vor, das Handtuch zu werfen, lediglich 2027 weicht man wegen Brandschutzmaßnahmen auf kleinere Spielstätten aus, aber im Gegensatz zu Ingolstadt haben beide die ganz besondere Unterstützung von Bürgermeister und Landrat: Die sind bekennende Blues-Fans und glücklich über dieses Festival, das neben dem Roth-Triathlon oder dem historischen Schmuckstück Schloss Ratibor mit seiner markgräflichen und gründerzeitlichen Vergangenheit ein weiteres Aushängeschild der Stadt ist.

Konstant etwa 4000 Besucherinnen und Besucher kommen an den acht Konzerttagen in die intimeren Spielorte wie das Glashaus, ein ehemaliges Gewächshaus, und den Schwanensaal, eine alte Tanzschule, sowie in die Kulturfabrik mit ihrem bewussten Nashville-Feeling.

Die Rother Bluestage sind typisch für die Szene: „Wir behalten die fest im Blick“, sagt Silke Rieger, „arbeiten mit vielen Agenturen zusammen und fühlen uns als Teil der Blues-family, in der man auch wichtige Informationen und Trends mitbekommt.“ Vor zwei Jahren haben die beiden Damen den „klassischen Blues“ aufgebrochen: mit Instrumental Jazz Bands. Dabei steht nicht der einsame Sänger auf der Bühne.

Die Fans der Blues-Klassiker und mit drei Jahrzehnten Blues-Begeisterung sehen das kritisch, Ammerer-Düll und Rieger sind da flexibel. Im Gegensatz zur Zahl von mindestens 50 Prozent Interpretinnen, da wollen sie kein Festklammern an alten Gewohnheiten.

Nashville-Feeling in der Kulturfabrik

Und so sehen auch ihre Tipps für das aktuelle Festival aus: Joanna Connor aus den USA zur Festival-Eröffnung am 21. März oder Judith Hill am 25. März mit ihrer Mutter an den Keyboards, während sie singt: „Dabei kann man nicht mehr ruhig sitzen bleiben“, weiß Silke Rieger, und der Flyer propagiert „Female Empowerment“ und einen gewaltigen „Schlachtruf“ unter dem Titel „Letters from a Black Widow“.

Das hört sich nach geballter Blues-Kraft an, während andere Festivals wie Rimsting im Chiemgau oder das Biberttal-Festival in Dietenhofen mit dem Attribut „gemütlich“ werben. Wenn man mal einen Abend bei einer Blechschüssel voller Crabs am Bayou und bei Acadian Music erlebt hat, fragt man sich im Vergleich zu Roth, wie sie eigentlich ist, „die Geheimsprache des Blues“. Wolfgang Kalb aus Bamberg hat ein Buch darüber geschrieben und spielt einen „satten Delta-Blues“. (Uwe Mitsching)
 

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