Kultur

Raffinierte Farben in geometrischen Formen prägen die Kunst von Carlos Cruz-Diez, die man nicht nur zwei-, sondern auch dreidimensional im Museum für Konkrete Kunst studieren kann. (Foto: Articruz)

08.06.2018

Farbe in Bewegung

Im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt kann man die chromatischen Experimente von Carlos Cruz-Diez erleben

Wo gibt’s denn sonst so was? Die Ausstellung fängt mit dem Zebrastreifen über die Straße vor dem Museum an! Nicht in gewohntem Schwarz-Weiß, sondern in den Farben, die für Carlos Cruz-Diez typisch sind: pink, grün, gelb, schwarz. Bodenarbeiten sind nichts Ungewöhnliches für den 94-jährigen Künstler aus Venezuela, der in den Weltmetropolen New York, London, Paris ausstellt – und jetzt im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt. Den Fußgänger-Überweg hat sein Atelier eigens für die Tränktorstraße entworfen.
Seine strahlenden Farben finden auch die Kinder bei einer vormittäglichen Cruz-Diez-Museumspädagogikstunde am tollsten, die Lehrerin fügt hinzu, dass der Künstler dazu passend auch ein ziemlich vergnügter Mensch sei. Muss man vielleicht auch sein, wenn man seit 70 Jahren in Aktion ist. Und so heißt die Ingolstädter Schau im Untertitel auch „in motion“. Von Bewegung reden die Titel seiner Ausstellungen seit Jahrzehnten: Un siècle de lumière et de mouvement zum Beispiel in Paris.
Cruz-Diez ist längst zu einem Prominenten der Op Art geworden. Kinetisch, dynamisch sind seine Arbeiten immer geblieben. Der Film, den man in Ingolstadt über ihn sehen kann, heißt zudem Life in color. Also stehen mobile, kinetische Modelle im Mittelpunkt seiner Arbeit, seit Licht und Farbe ihn nicht mehr losgelassen haben. Seine Kunst hat nichts Statisches, vielmehr verändern sich die Streifen seiner riesigen „Induction Chromatique“ ständig: vertikal, in Stärke und Intensität. Von links nach rechts oder umgekehrt ist das eine Wanderung durch Gelb, Schwarz, Grün, Blau.
Couleur additive nennt Cruz-Diez eine Serie von Bildern, die diese quantitative Veränderung zum Prinzip macht und sie bei ovalen Elementen, Rechtecken, Quadraten in Szene setzt. Auf einem hübschen, praktischen Farbfächer kann man seine Einfälle zu diesem Thema nachlesen: zum Beispiel zum Thema „Induction Chromatique“, wo Cruz-Diez die gesamte Bildfläche in Streifen einteilt, jeden Streifen vom anderen durch eine schmale Plastikschiene abtrennt. So entstehen aus mehrfarbigen Zwischenräumen in einem seitlichen Blickwinkel einheitlich monochrome Farbflächen.
Was an seinen optischen Täuschungen fasziniert, ist nicht nur der Trick, das sind auch die Farben in allen möglichen Varianten und ästhetischen Qualitäten. Durch die kann man in Ingolstadt sogar hindurchgehen: Transchromie, das ist eine begehbare Installation aus Polycarbonatflächen – an der Decke aufgehängt, über dem Fußboden schwebend. Durch diese luziden Flächen kann man die Umgebung in verschiedenen Farbtönungen wahrnehmen. Je nach Tageszeit und Lichteinfall ist das ein faszinierender Irrgarten. Solche Veränderungen stellt man sich auch selber zusammen, wenn man in der „Aktivstation“ sitzt und sich mit einem Computerprogramm von Cruz-Diez und auf dieser Farbpartitur seine „chromatic experiences“ und chromatischen Zufallserfahrungen selbst verschafft. (Uwe Mitsching)

Information: Bis 16. September. Museum für Konkrete Kunst, Tränktorstraße 6-8,
85049 Ingolstadt. Di. bis So. 10-17 Uhr. www.mkk-ingolstadt.de

Abbildung:
Der „Crosswalk“ vor dem Ingolstädter Museum.   (Foto: MMK)

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