Kultur

Diese Schlange aus Stahl von David Bielander scheint gerade ein Schaf zu verdauen. (Foto: Galerie Zink, Erich Spahn)

06.03.2026

Faszinierende Ausstellung: So hinterhältig kann Schmuck sein

Nichts ist so, wie es aussieht in David Bielanders Ausstellung "Chiaroscuro“, die gerade in Michael Zinks Galerie Waldkirchen zu sehen ist

Ein Juwelier zwischen 50 und 60, geboren in Basel, mit Atelier in München, mit dem Bayerischen Staatspreis, gar dem Swiss Grand Award for Design ausgezeichnet. Und trotz all dem Eindeutigen mit vielen zweideutigen Fragen: Passt dieser David Bielander in unsere glitzernden Trump-Zeiten?

Der offenbar ganz untypische Schweizer lockt bei seiner Ausstellung in Michael Zinks Galerie Waldkirchen die Leute zwar mit Gold, Silber, Platin und Titan hinterlistig in den Oberpfälzer Jura und vor seine Krönchen, Uhren, Broschen, aber dann sind sie baff: Alles nur aus Wellpappe! Oder aus Scherben von Bierflaschen, aus Untertassen oder Reißzwecken. Zumindest sieht etwa die Schweizer Uhr danach aus.

Wenn, ja wenn die Wellpappe von Bielander nicht aus galvanisiertem oder patiniertem Gold erster Qualität wäre oder die bunten Schuppen eines japanischen Koi als bunte Reißzwecken nicht in einem goldenen Tierkörper stecken würden: in Goldhaut gepiekt. Nichts ist bei Bielander so, wie es aussieht, täuschend echt ist Wellpappe aus Edelmetall. Sogar beim Kruzifix, das einsam an einer großen leeren Galeriewand hängt – warum soll man an den christlichen Mythos nicht glauben, nur weil er wie Pappe aussieht und dann doch nicht aus Pappe ist?

Die ganze Ausstellung auf den Jurahöhen zwischen Nürnberg und Regensburg ist eine hinterlistige Täuschung, sie besteht aus viel skulpturalem Trompe-l’œil, aus Sinnestäuschungen, aus mehr Fragen als Antworten und ist für ein Publikum, das Schmuck nicht nach Karat, sondern nach Selbstbewusstsein kauft und anlegt. Nichts ist so, wonach es aussieht, und die Damen müssen schon einiges an Stolz mitbringen, wenn sie sich eine Brosche anheften, die „Perlensau“ heißt und ein süßes Ferkelköpfchen ist: aus echten Perlen und mit Umsetzung der Redewendung „Perlen vor die Säue werfen“.

Pinocchio-Lügennase als Collier

Man kann sich die von Bielander geschnitzte Pinocchio-Lügennase als Collier umhängen, auf die kastanienbraune Biene Maja setzen oder mit einer Python aus Stahlgliedern kuscheln. Die verdaut gerade das Schaf, das sie offenbar eben verschlungen hat, und wo das gerade durch die Schlange wandert, ist ein wolliger Höcker.

Michael Zinks Ausstellung zeigt, wie breit Bielanders Lügen-Repertoire ist und wie viel Mut man braucht, um mit der Schweizer Papp-Uhr zum Opernball zu gehen. Es ist ja genug, wenn man selber weiß: Sie ist aus 785er Gold, auch wenn sie wie Sperrmüll aussieht. Kleine Schnecken hat Bielander nach dieser Lügenmasche gemacht, auch Tüten, in denen er Schnapsflaschen mit nach Hause nimmt wie die Amerikaner. Er spielt mit den Ebenen den Dimensionen Leben und Kunst, hängt in seinem Schlachthaus Rinderzungen auf, die eigentlich Ingwerreiben sein können – ziemlich eklig.

Sehr hübsch dagegen die Blumen, die aus ineinandergestecktem Geschirr zusammengebastelt sind. Levantinische Kellner machen das mit gebrauchtem Geschirr beim Abräumen so: Kein Wunder, wenn es allein zehn Vorspeisen gegeben hat.

Und die Firma Hutschenreuther freut sich, wenn man ihr früheres Firmenlogo als Blütenblätter sieht. Aus zweidimensionalem Porzellan werden dreidimensionale Blumen, Lämpchen vervielfachen durch das Spiel von Hell und Dunkel, erzeugen durch Illusion von Räumlichkeit das Chiaroscuro, nach dem Bielander seine Ausstellung benannt hat.

Er probiert aus, was es alles an Gegensätzen in der Kunst und im Leben gibt: leicht und schwer, echt und falsch, profan und kostbar, privat und öffentlich, er verbindet feine Ironie und handwerkliche Präzision. Wenn man seinen Schmuck trägt, beweist man selbstbewusste Individualität. (Uwe Mitsching)

Bis 8. März. Galerie Zink, Waldkirchen 2, 92358 Seubersdorf. Sonntag von 14.30 bis 18 Uhr und je nach Vereinbarung.
www.galerie-zink.com

 

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