Kultur

Im Freien und auf Distanz - das Publikum im Hof des Regensburger Thon-Dittmer-Palais' kam trotzdem in Stimmung und summte beim Operettenpotpurri mit. (Foto: Uwe Moosburger)

16.06.2020

Gelungener Start nach der Zwangspause

Trotz Maske und Wolldecke: Theater Regensburg spielt wieder

Der running gag in der Warteschlange: Gibt’s heute Abend denn den „Maskenball“? Natürlich nicht, auch wenn jeder die Corona-Maske auflassen musste - das Theater Regensburg spielt wieder: im Freien, mit fast 100 Zuschauern auf „Sitzinseln“.

Die letzte Vorstellung vor der Zwangspause war vor 95 Tagen im Velodrom: die „Geister“-Premiere mit Monteverdi und vor einem handverlesenen Journalistenpublikum. Die erste nach dem Lokkdown ist ein Operettenabend im Hof des Thon-Dittmer-Palais’ als Beginn einer Rest-Spielzeit bis zum 19. Juli und mit Beiträgen aus dem Musik-, Schauspiel- und Kindertheater.

Alles war am ersten Abend bestens organisiert, die Regenfront machte einen Bogen um Regensburg, wer zusammengehörte saß kuschelig unter der Bassetti-Decke von zuhause, Intendant Jens Neundorff von Enzberg gab zwar nicht jedem die Hand, aber er war da bevor er geht - übernächste Saison zieht er nach Meiningen. Man spürt, das Theater Regensburg will unbedingt wieder anfangen: mit den besten Kräften des Ensembles, Blumenflor aus dem Fundus.

Keine Abos für die nächste Saison

Das Theater hat sich allerdings entschlossen, nächste Spielzeit keine Abonnements aufzulegen - auch wenn man jetzt schon Verdis „Othello“ probt. Immerhin haben viele Leute für die durch die Krise verfallenen Karten ihr Geld nicht zurückverlangt: Der Gegenwert von über 150.000 Euro steht - so hört man - in Deutschland an der Spitze.

Trotzdem ist Sparsamkeit angesagt. Man leistet sich gleichwohl eine Dramaturgin für die Programmfolge aus der Operettenklassik, eine geschmackvolle Moderation und einen Regisseur für ausreichende Hickser im „Schwipslied“. Der Mann am E-Piano ist Arturo Del Bo. Onur Abaci, Anna Pisareva, Oliver Weidinger, Johannes Mooser, Vera Semieniuk, Brent L. Damkier wechseln sich in flotter Folge mit Strauß, Lehar oder Offenbach ab. Das richtige Opening ist natürlich „Die Fledermaus“ mit dem Prinzen Orlowksy und seinem abgewandelten „Ich lade gern mir Gäste sein“.

Der Intendant dankt allen, die gekommen sind: auf der Bühne, im Parkett, nach soviel gestreamter Digitalität freut er sich über das „Theater in analoger Form“. Und das Publikum ist hörbar froh, nun wieder richtig applaudieren zu können. Denn wer hätte zuhause beim Staatsopern-„Parsifal“ nach fünf Stunden Starren auf den Monitor auch nur eine Hand gerührt 

Für alle, die noch zögern, zeigte der Abend: Es geht doch (irgendwie), es geht wieder. Das Mitsummen unter der Maske funktioniert, leider nicht das Schunkeln zwischen den Sitzinseln und bei anderthalb Metern Abstand.

Ein wenig wie Nachkriegszeit

Als Corona anfing, hatte Präsident Macron gesagt: „Wir sind im Krieg!“ Der Abend in Regensburg hatte nun etwas von Nachkriegszeit. Das hätte man natürlich mit Kerzenschein und ohne Lautsprecher thematisieren und inszenieren können. Aber die Auswahl der Stücke war immerhin teils Corona-bezogen: die Zunahme des Alkoholkonsums („Schwipslied“ von Johann Strauß) mit der heftig schwankenden Vera Semieniuk, der Rückgang an Bildung („Ja, das Schreiben und das Lesen“ mit dem voluminösen Bariton von Oliver Weidinger) auf Schweinemästerniveau. Oder das social distancing bei „Lippen schweigen“. „Passt genial“, meinte der Moderator, „da reden zwei Menschen die ganze Operette lang aneinander vorbei.“

Die Sparte Musik bietet den Operettenabend noch dreimal an, auch eine „Spanische Serenade“ mit originalen Zarzuela- und Flamenco-Klängen. Es gibt drei Kammerkonzerte (am schönsten vielleicht das am 2. Juli mit Streichsextetten von Richard Strauss und Tschaikowsky) und zwei Inszenierungen im Sprechtheater. (Uwe Mitsching)

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