Kultur

Eines der Motive aus Valentin Goppels ausgezeichneter Serie „allá en la pampa“. (Foto: Valentin Goppel)

11.12.2020

Geschichten fotografieren

Der Regensburger Valentin Goppel erhielt einen renommierten Preis für Nachwuchsfotografen

Wenn es einen jungen Menschen von Regensburg nach Hannover verschlägt, dann muss er schon gute Gründe haben. Bei Valentin Goppel war es das besondere Studienangebot: Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover, der einzige journalistisch geprägte Fotografiestudiengang Deutschlands. Dass er dort gut aufgehoben ist, beweist er mit seiner Arbeit allá en la pampa: Dafür hat das Talent aus Regensburg vor Kurzem einen Preis für die beste Nachwuchsarbeit des Vo-novia Award für Fotografie erhalten. Valentin Goppel ist besonders stolz darauf, weil er eine prominente Jury mit seiner Fotoserie überzeugt hat: so renommierte Experten wie den Künstler Peter Piller, der an der Kunstakademie Düsseldorf lehrt, und den Fotografen Peter Bialobrzeski, der an der Hochschule für Künste in Bremen lehrt und Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg ist.

Jetzt will Valentin Goppel in Hannover sein Können ausbauen: Wie man mit Fotografien Geschichten erzählen kann. Wie man journalistische Fotoreportagen gestaltet. In allá en la pampa geht es um Jugendliche in einem sehr abgelegenen Ort in Argentinien, die von dort kaum wegkönnen und sich langweilen, weil nie recht was los ist. In poetischen Bildern beschreibt Goppel diese Ödnis ebenso wie eine gewisse innere Leuchtkraft der von ihm abgebildeten Menschen. Die Bilder wirken inszeniert und dennoch einer Wirklichkeit abgetrotzt: „Arrangiert wie in Gemälden, befinden sich die Jugendlichen auf den Bildern im Stillstand, einer Zwischenwelt oder in einer Zwischenzeit“, heißt es in der Preisbegründung. Die Idee zu der Bilderserie entstand als Nachhall einer früheren Erfahrung: Goppel war mit 16 Jahren im Rahmen des Schüleraustauschs in Argentinien. „Man geht da ja davon aus“, sagt er, „dass man nach Buenos Aires kommt. Aber dann war da dieses winzige Dorf, von dem ich noch nie gehört habe. In der Pampa. In der Einöde.“ Er sei überrascht gewesen, wie klein und isoliert der Ort ist. Mit dieser Isolation sei er nicht klargekommen. Und diese Erfahrung vom Wegwollen, aber Nichtwegkönnen sei ihm im Kopf hängen geblieben. Solche Erfahrungen Jugendlicher gebe es beliebig oft und weltweit. „Das ist alles gar nicht so exotisch, wie es auf den ersten Blick scheint.“

Valentin Goppel ist noch einmal in dieses Dorf zurückgekehrt, um seine Erfahrungen in ebenso poetische wie dokumentarische Bilder umzusetzen: um den Jugendlichen dort Präsenz zu geben und um seiner Selbsterfahrung mit der Isolation Ausdruck zu verleihen. Es habe ihn regelrecht dazu gedrängt, diese Geschichte zu erzählen.

Bilder in Serie

Vorgeschwebt habe ihm eine klassische Reportage, zugleich aber auch eine freie Art, mit dem Format umzugehen. Dies mit dem Wissen, dass man auch mit Fotos „nicht die ganze Wahrheit darstellen“ könne. Er spricht vom falschen Vertrauen in das Medium Fotografie, oft bekomme ein Foto „diesen Beigeschmack des Beweismittels“ – als stelle es per se Wahrheit dar. Freilich könne eine Fotografie immer nur einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit zeigen, sei Teil eines individuellen Wahrnehmungsprozesses. Doch auch wenn jedes Foto eine irgendwie arrangierte Wahrheit zeige, so sei es dennoch ein geeignetes Medium, Geschichten aus der Wirklichkeit zu erzählen, weil das Material eben doch aus ihr stammt.

Der junge Fotograf setzt deshalb auch auf die Formate Serie und Reportage, weil man so einen Kontext herstellen könne, den ein einzelnes Bild nicht habe. Kontext impliziert für ihn auch einen Begleittext – das eben ist der Ansatz des Fotojournalismus.

Für ein zukünftiges Projekt schwebt Valentin Goppel das Thema Grenze vor: die zwischen den USA und Mexiko. Ein hochpolitisches Thema – das Goppel vermutlich mit einer hochpoetischen Bildsprache verknüpft. (Christian Muggenthaler)

Abbildung:
Valentin Goppel (20) erhielt den begehrten Vonovia Award für Nachwuchsfotografen. (Foto: Valentin Goppel)

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