Kultur

König Roger feiert am Samstag Premiere. Insgesamt gibt es sieben Vorstellungen. (Foto: Opera Incognita, Aylin Kaip)

28.08.2026

Goldglanz und Betongrau – eine Oper im Ägyptischen Museum

Die Opera Incognita zeigt im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst in München das selten aufgeführte Stück „König Roger“

Hundert Jahre nach der Uraufführung in Warschau gibt es jetzt die Oper König Roger zum ersten Mal in München. Die „Opera Incognita“ wird damit ihrem Ruf gerecht: das seltene Stück am ungewöhnlichen Platz. Denn die sieben Vorstellungen von Karol Szymanowskis Oper werden im Souterrain des Ägyptischen Museums gespielt.

Andeas Wiedermann und seine „off-opera“ hatten das anspruchsvolle, kurze, kompakte Stück aus dem Glitzer des normannischen Königreichs von Palermo schon lange im Visier. Gerade weil der Großteil seines Chor- und Orchesterensembles das Stück aus dem Sizilien des 12. und dem Warschau des 20. Jahrhunderts noch nie gesehen hat – genau wie das Münchner Publikum. König Roger zeigt, wie eine Mischung aus normannischen, ägyptischen, byzantinischen, arabischen, italienischen Elementen sich auf den Weg zum Königreich macht, das unter Rogers Enkel Friedrich II. schließlich zum Teil des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation wurde.

Roger II. (geboren 1098) stieg als zweiter Sohn Rogers I. zu einem der reichsten Herrscher Europas auf, regierte in Süditalien und Sizilien einen Vielvölkerstaat, der Szymanowski und seinen Co-Librettisten Jaroslaw Iwaszkiewicz besonders in der goldglänzenden Mosaikwelt der Capella Palatina in Palermo faszinierte.
Bei der Opera Incognita wird diese Welt, so Andres Wiedermann, eher den Charme einer kahlen Industriewelt haben. Nur mit einer Tür versehen, quer in den Raum des ägyptischen Museums versetzt, und mit einer klaustrophoben Atmosphäre.

„Den Stoff begreifen wir zeitlos“

„Den Stoff begreifen wir zeitlos“, sagt der Regisseur. Denn er hat die Elemente aus den Bakchen des Euripides, der mittelalterlichen Geschichte und des Zeitgeists der 1920er-Jahre bei Szymanowski entdeckt und in seine Aufführung amalgamiert. Mit der Parallelität zu einer verfügbaren und verführbaren Gesellschaft, in die ein „Hirte“ als Rattenfänger aus einer magischen Welt kommt und bis hin zu einem Selbstzerstörungstrieb auf dem Höhepunkt von Rogers Macht eindringt – bis hin zu deren Verfall.

Wer je dem Prunk der Mosaikenwelt der palermitanischen Capella verfallen ist, wird sich fragen, wie die Opera incognita damit umgehen wird. So ausgenüchtert wie etwa 2019 eine Frankfurter Aufführung in strenger Optik? Nein. Stattdessen lässt Wiedermann in Kostümen mit der Farbsymbolik der sizilianischen Gesellschaft spielen. Genauso wie der lang erwartete Hirte als Verführer ohne alle Pracht einzieht, ankommt und ohne jegliche religiöse Zuschreibung den absoluten Umbruch bringt.

Wiedermann hat sich dabei weniger an einem Drogentyp wie sein Regiekollege Warlikowski orientiert als an Pasolinis Film Teorema, in dem ein schöner Jüngling die gutbürgerliche Gesellschaft zerstört. Diese Nüchternheit wird sich auch in der Orchesterbesetzung unter Ernst Bartmann widerspiegeln: Deren Fülle wird auf 15 Musiker reduziert, die auch orientalische Instrumente spielen. Den 30 Choristen wird der Raum im Ägyptischen Museum durch seine Überakustik für das opulente Klangbild reichen, die das Publikum wie ein Bewusstseinsstrom erreichen soll.

Die eigenartige, manchmal auch queere Bühnenrealität stellt eine Upper-Class-Gesellschaft mit den engeren Vertrauten Rogers dar. Historisch exakte Reminiszenzen wird man nicht erwarten dürfen. Parallelen zur Welt vor dem Faschismus im 20. Jahrhundert werden sich eher aufdrängen: „Mit diesem neuzeitlichen Bild, dieser irrealen Handlung, Rogers suggestivem System in seiner Surrealität“, erklärt Wiedermann.

Król Roger endet mit einem König ohne Volk, der seine persönliche Befreiung erlebt und nicht die seines Volkes. Mit allen zeitgeschichtlichen Parallelitäten und zugleich einer zeitlosen Psychologie gehört, so Wiedermann, das Stück unbedingt ins Opernrepertoire von heute. Mit seinen ganz eigenen Klangerfindungen, einer hochinteressanten Mischung zwischen Debussy und Strawinsky – „ein musikalisches Kleinod“. (Uwe Mitsching)

Die Premiere von König Roger der Opera Incognita im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst ist am Samstag, 29. August. Einlass ab 19 Uhr, Beginn 20 Uhr.
 

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