Kultur

Sopranistin Silke Evers begeistert als Almirena. (Foto: Nik Schölzel)

16.10.2020

Humorvoller Liebeswahnsinn

Andreas Wiedermann hat Händels Oper „Rinaldo“ in Würzburg zu einem „Garten der Lüste“ verkürzt

Opernaufführungen in der Blauen Halle, der Interimsspielstätte des Würzburger Mainfranken Theaters, gelingen wider Erwarten bestens. Das bewies der zum Garten der Lüste komprimierte Rinaldo (1711 uraufgeführt) von Georg Friedrich Händel. Die Kurzfassung der langen, recht abstrusen Handlung schadete nicht, denn nun kam bei dem Verwirrspiel um Liebe, Lust, eingebildete und flüchtige Emotionen die wunderbare Musik Händels gut zu Geltung.

Die Inszenierung von Andreas Wiedermann nahm das Geschehen auf der Bühne ein wenig auf die Schippe, und Ausstatterin Aylin Kalip unterstützte die parodistische Sichtweise des Regisseurs aus Straubing mit einer abstrahierten, verschiebbaren Gartenkulisse, mit beweglichen Hecken, Lauben oder Torbögen. Man trug pompöse Perücken und die Damen erschienen in Ruinen ihrer höfischen Kleidung. Die Barockzeit ist also überholt.

Nützliche Gartenarbeit

Auch die Figuren entstammten eher einer Komödie als einem Melodram. So waren die beiden Sirenen groteske Gartennymphen, gesungen und auf komische Weise verkörpert von Mathew Habib und Igor Tsarkov; außerdem müssen sie sich ständig als Kulissenschieberinnen betätigen. Der christliche Magier ist hier eine Art Conferencier, von Barbara Schöller locker souverän gespielt und gesungen, am Schluss aber ein umweltschädlicher Zauberer mit Giftspritze.

Aber keine Angst: Es siegt die Tugend, das heißt die nützliche Gartenarbeit. Und dabei werden die Paare, die sich vorher bekämpft haben in Leidenschaft, Eifersucht und Hass, also in einem Irrgarten der Gefühle, wieder einigermaßen friedlich.

Die Wechsel zwischen Liebesgeständnissen und Liebesleid zwischen der schönen Almirena und ihrem Ritter Rinaldo haben einen reizvollen Höhepunkt bei der von drei Flötistinnen stimmungsvoll untermalten Szene mit den flatternden Vögelchen. Weil aber die Zauberin Armida auch ein Auge auf den jungen Helden geworfen hat und ihr Liebhaber Argante durch die koketten Avancen der Almirena auf die falsche Liebesfährte gebracht wurde, verschärfen sich die Rachegelüste der Betrogenen. Gegen den Liebeswahnsinn helfen nur die Sirenen mit den Gartengeräten.

Während die etwas konfuse, aber amüsante Handlung manchmal irritierte, fesselte die musikalische Seite. Das Philharmonische Orchester Würzburg, hinter der Bühne platziert, spielte schwungvoll, klangschön und sehr einfühlsam unter der Leitung von Enrico Calesso, der auch die Kurzfassung besorgt hatte und vom Cembalo aus die Rezitative begleitete.

Überzeugendes Ensemble

Das Sängerensemble begeisterte rundum. Silke Evers war eine wunderbar lebendig gestaltende Almirena, und ihr leuchtender Sopran bezauberte durch alle Facetten des Ausdrucks und lockere Koloraturen. Ihr Liebesobjekt Rinaldo wurde von Marzia Marzo mit hellem, beweglichen Mezzo als jugendlicher Held überzeugend dargestellt, während Roberto Ortiz mit sicherem Tenor einen älteren Heerführer Goffredo markierte. Als Armida entfaltete Guibee Yang mit ihrem vollen Sopran kraftvoll starke Höhen, und Hinrich Horn war dank seiner männlich vollen Stimme ein beeindruckender Argante. Langer Beifall für das Gesangsensemble und das Orchester. (Renate Freyeisen)

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