Kultur

Daniel Grossmann dirigiert das Orchester. (Foto: JCOM, Stefan Randlkofer)

12.10.2026

Jewish Chamber Orchestra: Schon jetzt den Jahreswechsel feiern

Am Dienstag findet zum zwölften Mal das Neujahrskonzert des Jewish Chamber Orchestra Munich statt

Im Gregorianischen Kalender ist das ein ganz gewöhnlicher September oder Oktober, in München mit der Ausnahme Oktoberfest. Aber im jüdischen Kalender ist Tischri der erste Monat des Jahres und der erste Tag davon heißt Rosch ha-Schana. Eigentlich reicht das schon, um zu wissen, warum Daniel Grossmann und sein Münchner Jewish Chamber Orchestra (JCOM) schon jetzt zum „Neujahrskonzert“ einladen und Neujahr feiern.

Man begeht den Beginn des Jahres 5787, man feiert mit süßen Sachen, mit einer inneren Erneuerung, mit einer Vergebung der schlechten Taten des letzten Jahres: Also ist Neujahr hier kein Silvestertrubel, sondern eher ein inneres Fest der ethischen Erneuerung.

Aber Daniel Grossmann, eloquenter Redner, passionierter Forscher und begeistert von der Idee, jüdische Musikkultur wieder in das kulturelle Bewusstsein der Gesamtbevölkerung zu bringen, steht mit seinen verschiedenen kulturell-musikalischen Beiträgen mitten im Münchner Kulturleben: seit zwölf Jahren mit diesem „Jüdischen Neujahrskonzert“, das dieses Jahr am 13. Oktober um 20 Uhr im Prinzregententheater stattfindet.

Das betont er im Gespräch mit der Bayerischen Staatszeitung auch als den zentralen Gedanken seiner Arbeit: „Ich möchte jüdische Traditionen in die Öffentlichkeit bringen. Wir wollen nicht missionieren, aber jeder Besucher ist uns herzlich willkommen.“ Will sagen: Das Konzert ist praktisch jedes Jahr ausverkauft, etwa 15 Prozent sind jüdische Besucher, der Rest die Münchner Stadtgesellschaft. „Es sollen Menschen zusammenkommen, die etwas lernen, sich unterhalten.“

Deshalb ist Grossmann nicht nur Dirigent des JCOM, sondern auch Conférencier, er erzählt mal einen typisch jüdischen Witz oder stellt die zwei Kantoren vor, die regelmäßig als Solisten auftreten: dieses Mal Nachman Turgeman und Yitzchak Zelman aus Israel.

Und weil Kantoren jüdischer Gemeinden immer auch nach ihren gesanglichen Fähigkeiten und Kenntnissen ausgesucht werden: Ihre Lieder aus dem Bereich von Gebet, Exegese oder virtuosem Gesang sind Beispiele hochvirtuoser Interpretation.

Das gesamte Programm ist ein Überblick über die synagogale Musik, über jiddische Musik, insgesamt das, was es an jüdischer Musik traditionell gibt – auch die Lieder an die „Mame“ zur Verehrung der jüdischen Mutter.

Heiter und süß: Musik als Entsprechung des Charakters des Feiertags

Grossmann war für die Programme seiner Neujahrskonzerte immer auf der Suche nach Musik, die dem heiteren, „süßen“ Charakter des Feiertags entspricht: selbst heitere Einakter des (jüdischen) Komponisten Jacques Offenbach.

Ihn hätte Grossmann sich als „Strauß der Juden“ vorstellen können. Aber schließlich fand er in den letzten Jahren das typische „Kantorenkonzert“ als das Beste, um einen jiddisch-musikalischen Zusammenhang herzustellen: besonders mit der Tradition des jüdischen Liedes, das durchaus auch Züge von Selbstironie haben kann.
Besucher des jüdischen Neujahrskonzerts sind immer wieder erstaunt über die gesangliche Qualität der Kantoren. Grossmann hat einen Überblick über die Szene der Besten, „es gibt höchstens ein Dutzend: Das ist höchste Klasse.“

Meistens kennt er die Sänger, die überhaupt infrage kommen, neue schaut und hört er sich über Youtube an, ein professioneller Opernsänger kommt für ein Kantorenkonzert nicht in Betracht: „Ich will die ganz traditionell-orthodox-kantorale Breite der Tradition“, sagt er. „Das möchte ich auch nicht aufweichen durch Opern- oder Musicalmelodien oder durch die Mitwirkung einer Kantorin. Das gibt es manchmal in liberalen Synagogen der USA.“

Nach der Auswahl der Kantoren kommt es etwa ein halbes Jahr vor dem Konzert zur Auswahl des Programms. Im breiten Repertoire kommen durchaus auch Stücke vor, die Grossmann neu sind, seine Spezialität sind jüdische Stücke osteuropäischer Tradition. Aber er betont: „Die Konzerte leben von der gesamten Musikkultur jüdischer Kantoren.“ (Uwe Mitsching)

Karten an allen Vorverkaufsstellen.
 

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