Kultur

Karl Schleinkofer wollte als Student noch Bildhauer werden, entschied sich aber mangels Budget für die Malerei. (Foto: Matthias Balk)

10.10.2026

Karl Schleinkofer: Ein leiser Mensch, ein großer Maler

Der Passauer Künstler Karl Schleinkofer, Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, ist 75 Jahre alt geworden

Eigentlich wollte er Bildhauer werden, doch die Zeichnung ist für einen jungen Künstler, der wenig finanzielle Mittel hat, die erschwinglichere Technik. Man muss dankbar dafür sein, dass der Student Karl Schleinkofer sich weder Steine noch Hammer noch einen Keilrahmen leisten konnte. Ein außergewöhnlicher Zeichner wäre uns entgangen, einer, der wie kein anderer die unmittelbare Kraft der Linie zu erschließen weiß.

Papier, Bleistift und manchmal Wachskreiden sind das Werkzeug, mit dem er ein ganzes Universum erschafft. Der 1951 in Passau geborene Karl Schleinkofer wuchs im Bayerischen Wald auf. Die Kindheit zwischen elterlicher Metzgerei und einer Oma mit Bauernhof und vielen Tieren war prägend.

Eine lebenslange Sisyphosarbeit

Der Bayerische Wald blieb Heimat, auch nach dem Umzug Mitte der 50er-Jahre nach Passau. Aus diesem handwerklich-bäuerlichen Umfeld zeichnete sich Schleinkofer heraus, schon als Kind war Zeichnen das, was er mochte und konnte, wenn auch dieses Talent damals kaum gefördert wurde.

Mit der Aufnahme an die Akademie der Bildenden Künste München änderte sich das. Er geriet an den genau richtigen Lehrer: Hans Baschang machte ihn zum Meisterschüler, später zu seinem Assistenten und förderte ihn auf breiter Ebene.

Für einige Jahre zog es ihn noch einmal zurück in den Bayerischen Wald, bis er Mitte der 80er-Jahre nach Wien ging. Erste Einzelausstellungen folgten. Seit 1983 erfüllt er an der Universität Passau – mit Unterbrechungen – einen Lehrauftrag für Zeichnerisches Gestalten, 1996 hatte er eine Vertretungsprofessur an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe.

Jahrelang arbeitete Schleinkofer in Schloss Vornbach am Inn, in Nachbarschaft zu Arnulf Rainer, dessen Rat er schätzte und mit dem er auch ausstellte. 2015 wurde er in die Akademie der Schönen Künste aufgenommen.

So ungewöhnlich Schleinkofers Emanzipation aus dem bäuerlichen Umfeld war, so unzeitgemäß empfindet er sich in seiner obsessiven Zeichenarbeit. Zurückgezogen im Passauer Atelier schließt er die Außenwelt weitgehend aus. Er hat seine Welt im Innern, aus der er in immer wieder neuen Anläufen, Korrekturen und Überprüfungen versucht, Bilder eines Innenraums im Außenraum zu schaffen, die alle Widersprüche stimmig machen.

Es ist eine lebenslange Sisyphosarbeit, die nach der Quadratur des Kreises sucht. Das Zeichnen bleibt für ihn die einzig mögliche Form des Ausdrucks. Im Glücksfall findet sich darin die Wirklichkeit, gefiltert aus der umgebenden Realität.

Wer Schleinkofers Arbeit über die Jahre verfolgt, erkennt Phasen dynamischer Abfolge von Bewegung und Ausdehnung organischer Liniengespinste, dichte Zusammenballungen und Bereiche der Auflösung in fein abgestimmten Grauwerten. Manche dieser Strukturen sind von solcher Präsenz, dass man von bildhauerischem Zugriff sprechen möchte. Die Arbeit ist enorm, exzessiv und führt den Zeichner bis an den Rand des Abgrunds. Im Gegensatz zur analytischen Methode der verbalen Mitteilung sieht er das Zeichnen als einen synthetischen Vorgang. Dennoch hat er in komplexen Texten seine verschlungenen Wege zu erläutern versucht.

Schleinkofer ist ein leiser Mensch. Er spricht bedächtig, aber dezidiert über seine Arbeit und man spürt, dass er eine klare Zielvorstellung hat – ein Ziel allerdings, das in immer weitere Entfernung rückt, je näher er ihm kommt –, durchaus aber auch Abstand zu seiner Arbeit und einen feinen Humor. Kennt man seinen Weg seit den Anfängen, so kann man sehen, mit welcher Konsequenz er sein Ziel verfolgt, die krummen Linien der Welt in Ordnungen zu bringen. (Ines Kohl)                     
 

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