Kultur

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bestreitet unter Leitung von Sir Simon Rattle das Jubiläumskonzert des Kissinger Sommers. (Foto: Kissinger Sommer, Astrid Ackermann)

10.07.2026

Kissinger Sommer: Vom Weltbad zur Bühne der Weltstars

Das Musikfestival Kissinger Sommer findet in diesem Jahr zum 40. Mal statt – und erinnert zum Jubiläum an die Geschichte des Ortes

Mit dem hebräischen „Mazel tov!“ beglückwünscht sich der Kissinger Sommer für 40 Jahre erfolgreiches Bestehen als internationales Musikfestival von europäischem Rang. Und setzt damit zugleich das Motto der fünf Wochen 2026: Es erinnert in seinem Programm an die jüdische Geschichte des einstigen Weltbads.

Ein Drittel der Kurgäste im 19. und 20. Jahrhundert war jüdischen Glaubens, darunter Albert Einstein oder Max Liebermann, und bedeutende jüdische Geschäftsleute siedelten sich hier an. Aber ab den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war mit dieser blühenden Kultur Schluss. Die hervorragenden Konzertsäle, einst von den Wittelsbacher Regenten im 19. und 20. Jahrhundert erbaut, standen bald weitgehend leer und konnten erst ab der Mitte der 80er-Jahre aus ihrem kulturellen Schlaf erweckt werden.

Unschätzbares Netzwerk der ersten Intendantin

Das geschah dank der Initiative von lokalen Politikern, welche die Zonenrandförderung und die „Grenzlandhilfe“ für das Festival in Gang setzten, und vor allem durch das unschätzbare Netzwerk der ersten Intendantin Kari Kahl-Wolfsjäger, die 30 Jahre lang im Sommer Weltstars an die Saale holte.

Zuerst kamen Orchester und Künstler aus der ehemaligen Sowjetunion, aus Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei; vor allem aber wurde die Ost-West-Begegnung gepflegt. Die ersten, von der DDR-Führung nicht gern gesehenen Auftritte deutsch-deutscher Ensembles fanden quasi unter Decknamen statt. Aber nach dem Fall der Mauer erlebte das Publikum großartige Künstler von Weltruf, und auch spätere Stars wie David Garrett, Rolando Villazón oder Pretty Yende wurden hier entdeckt.

Ab 2017 leitete Tilman Schlömp das Festival, seit 2022 garantiert Alexander Steinbeis frischen Wind mit ungewöhnlichen neuen Formaten. Er holt auch gern immer wieder Protagonisten der ersten Stunde wie die Pianisten Elisabeth Leonskaja oder Rudolf Buchbinder. Der Kissinger Sommer bietet im großen Konzertsaal, dem Max-Littmann-Saal, international gerühmt wegen seiner ausgezeichneten Akustik, auch im Jubiläumsjahr beliebte, schon oft hier gastierende Stars auf wie Anne-Sophie Mutter, Grigory Sokolov, Cecilia Bartoli, Joana Mallwitz oder Kent Nagano.

Jüdische Komponisten und Künstler stehen im Mittelpunkt

2026 aber steht das Gedenken an Komponisten und Künstler jüdischen Ursprungs im Mittelpunkt, nicht nur Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, sondern auch von Kurt Weill, George Gershwin, Gustav Mahler, Mieczyslaw Weinberg und von vielen vergessenen, von den Nazis ermordeten Künstlern, und es erklingen oft Songs und Chansons bedeutender jüdischer Tonschöpfer der 1920er-/30er-Jahre. Jüdische Interpreten wie Igor Levit oder das Jewish Chamber Orchestra Munich treten auf. Natürlich locken vor allem die „großen“ Orchester wie das BBC Symphony Orchestra, das Budapest Festival Orchestra, die Tschechische Philharmonie oder bedeutende deutsche Orchester wie die Bamberger Symphoniker, das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin oder das Konzerthausorchester Berlin.

Das Jubiläumskonzert aber bestreitet das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Sir Simon Rattle als Open Air mit Carl Orffs Carmina Burana. Beschlossen wird das Festival, das am 11. Juni begonnen hat und am 18. Juli endet, mit dem dreimaligen Auftritt von Barock-Queen Cecilia Bartoli, am Ende mit Glucks Orfeo ed Euridice. (Renate Freyeisen)
 

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