Kultur

Mit Giovanni Antonini stand ein Pionier der historischen Aufführungspraxis am Pult der BR-Symphoniker. .(Foto: BR/Astrid Ackermann)

26.06.2020

Klug und kreativ

Das erste Publikumskonzert der BR-Symphoniker

Sie haben es derzeit nicht gerade leicht. Nach dem Tod von Mariss Jansons agiert das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BR) weiterhin ohne Chefdirigent, und dies inmitten der Corona-Krise. Zudem wird erneut das neue Konzerthaus hinter dem Münchner Ostbahnhof infrage gestellt. Umso stärker war das erste Live-Konzert des Orchesters mit Publikum.

Statt große Sinfonik auf reduzierte Besetzungen herunterzustutzen, wie es derzeit oft und gerne getan wird, wurden originär kleiner besetzte Werke aus der Früh- und Hochklassik gekoppelt. Ein solches reines Klassik-Programm gehört sonst nicht gerade zum Stammrepertoire der BR-Symphoniker. Noch dazu stand mit Giovanni Antonini ein Pionier der historischen Aufführungspraxis am Pult.

Schon in Don Juan ou le Festin de Pierre (Don Juan oder das Fest der Steine) von Christoph Willibald Gluck entwickelten die Musiker*innen einen ungeheuren Drive. Das 1761 am Wiener Burgtheater uraufgeführte Werk gilt als das erste pantomimische Ballett. Mit ihrer leichtfüßigen Agilität wirkten die BR-Symphoniker wie ein waches Kammerorchester.

Dieses Profil wurde von Jean-Guihen Queyras im Cellokonzert Nr. 1 von Joseph Haydn weiter geschärft. Dabei bildeten der Meistercellist aus Frankreich und das Orchester stets eine homogene Einheit. Ein Musizieren aus dem Geist der Kammermusik: absolut gleichberechtigt, auf Augenhöhe.

Wie sehr Antonini keine Klischees bedient, sondern die Phrasierung und Artikulation dem semantischen Kontext anpasst, zeigte sich vollends in der Sinfonie c-Moll VB 142 von Joseph Martin Kraus. Mit diesem Werk gab es eine hörenswerte Rarität. Jedenfalls gehört der „Odenwälder Mozart“ nicht gerade zu den Dauerbrennern im Konzertleben, obwohl er von Haydn und Gluck sehr geschätzt wurde. Dabei ist die c-Moll-Sinfonie von 1783 ähnlich verdüstert wie das spätere Schwesterwerk, die Symphonie funèbre von 1792. Die langsame Einleitung ist faktisch eine Art Trauerfuge. Auch sonst agiert Kraus mit kühnen Harmoniewechseln und Stimmführungen.

Genau das haben Antonini und die Musiker*innen intensiv ausgekostet. Eine unglaubliche Spannung herrschte im Herkulessaal - trotz der Maskenpflicht, den großen Abständen und der verordneten Leere. Mit diesem Konzert ist den BR-Symphonikern ein kleines Wunder geglückt: wahrlich ein Trost in schwierigen Zeiten. Diese Sternstunde gibt es als Video zum Nacherleben auf der Internetseite der BR-Symphoniker  (Marco Frei)

Zum Nachhören: ww.br-so.de

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